EKD kauft Rettungsschiff Es geht um Menschenleben

17.09.2019

Ein Schiff der evangelischen Kirche wird Menschen vorm Ertrinken im Mittelmeer retten. Zeit für ein ökumenisches Projekt der Seenotrettung, meint Céline Kuklik.

2017: Ein überfülltes Boot wird von der Sea Watch 3 gerettet
2017: Ein überfülltes Boot wird von der Sea Watch 3 gerettet © Rene Traut - imago images

2019 sind bisher mehr als 800 Menschen im Mittelmeer ertrunken. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will dem Sterben nicht weiter tatenlos zusehen. Sie wird gemeinsam mit verschiedenen Organisationen ein eigenes Schiff zur Seenotrettung im Mittelmeer kaufen. Das hat der Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm vergangene Woche angekündigt.
Fragen, wie welche Anrainerstaaten das Schiff anlaufen kann, wer die Geflüchteten aufnehmen wird oder wie die EKD zu den Abschiebungen steht, die ganz sicher folgen werden, sind mit dieser Maßnahme noch nicht geklärt. Denn egal, ob ein Privatunternehmen wie Sea-Watch oder die Kirche die Geflüchteten von ihren überfüllten Booten rettet: Die Abschiebeverfahren unterliegen EU- und nationalen Gesetzen und auch die Häfen sind nicht in Kirchenbesitz.

Zeichen der Menschlichkeit

Ungeachtet dessen setzt die evangelische Kirche mit ihrem Vorhaben ein richtiges und wichtiges Zeichen der Menschlichkeit. „Dass Menschen ertrinken, dass Menschen sterben, ist etwas, was nie jemand hinnehmen kann – erst recht nicht Menschen, die sich dem christlichen Glauben verpflichtet fühlen“, sagt Landesbischof Bedford-Strohm.
Auch die katholische Kirche hat ihrerseits schon konkret gehandelt: Kardinal Reinhard Marx beispielsweise hat insgesamt 100.000 Euro an private Seenotrettungsorganisationen gespendet. Und die katholische Kirche wird sich auch weiter engagieren, kündigt der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, an.

Staatsversagen im Mittelmeer

Aktuell gibt es auf dem Mittelmeer keine staatlich organisierten Seenotrettungen mehr: Das italienische Projekt „Mare Nostrum“ hat die Regierung eingestellt; auch die EU-Rettungsprogramme „Sophia“ und „Triton“ sind beendet. In diesem Punkt hat die EU komplett versagt: Die Staatengemeinschaft schafft es nicht, so wie sie sich ursprünglich auf die Fahnen geschrieben hat, dieses paneuropäische Problem gemeinsam zu lösen und damit ihrer humanitären Verpflichtung nachzukommen. Als Christen müssen wir endlich handeln. Die beiden Weltkirchen könnten sich dabei gegenseitig Stütze sein und dem Sterben im Mittelmeer entgegenwirken: Seit 1951 hat der Vatikan ein eigenes Schiffsregister – ein gemeinsames Rettungsschiff unter vatikanischer Flagge wäre nicht nur ein starkes Zeichen der Ökumene, des Zusammenhalts und der Humanität, sondern auch eine Chance, die andauernde Katastrophe zu bekämpfen. Zeit zu handeln, ist jetzt. Schließlich geht es um Menschenleben.


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