Lieder im Advent Es kommt ein Schiff geladen

20.12.2019

Die meisten vorweihnachtlichen Lieder werden nur im Advent gesungen. Bei „Es kommt ein Schiff geladen“ ist das anders.

Es kommt ein Schiff geladen © imago images / Winfried Rothermel

„Es kommt ein Schiff geladen“ ist eines der ältesten geistlichen Lieder, die es in deutscher Sprache gibt. Der Text stammt aus einem religiösen Gesangbuch des Straßburger Schriftstellers Daniel Sudermann, das 1626 erschienen ist. Sudermann schreibt darin, er habe hier ein altes Gedicht des Straßburger Mystikers Johannes Tauler aus dem 14. Jahrhundert "etwas verständlicher gemacht". Diese Zuweisung an Tauler lässt sich aber nicht belegen. 600 Jahre ist das berühmte Adventslied aber auf jeden Fall alt, denn der Text findet sich in Handschriften aus drei Frauenklöstern aus dem 15. Jahrhundert.

Das Schiff mit dem himmlischen Schatz

Das Schiff, von dem im Liedtext die Rede ist, ist ein Symbol für die Gottesmutter Maria. Sie wurde in der katholischen Tradition als "navis gaudorum" bezeichnet, als "Schiff der Freuden", weil sie Gottes Sohn in die Welt gebracht hat. Der Dichter hat hier das Bild des Handelsfahrerschiffs, auf das die Menschen des Spätmittelalters sehnsüchtig warten, weil es aus fernen Ländern Luxusartikel zu ihnen bringt, auf Maria und Jesus übertragen. Maria ist das Schiff, das Jesus als himmlischen Schatz zu den Menschen bringt.

Ökumenischer Kompromiss

Der Protestant Daniel Sudermann schwächt in seiner Version die mariologischen Motive des Liedes ab, was dazu führt, dass die Katholiken ihrem Text treu bleiben. Protestanten und Katholiken gehen beim Text gut 300 Jahre getrennte Wege. Besonders in der evangelischen Kirche wird das Kirchenlied dann ab der Mitte des 19. Jahrhunderts so populär, dass man die Prägekraft des Sudermann-Textes kaum noch ignorieren kann. Es braucht dann aber immerhin noch einmal mehr als 100 Jahre, bis sich die katholische Kirche in Deutschland im Jahr 1975 entschließt, die Sudermann-Fassung ins Gebet- und Gesangsbuch „Gotteslob“ aufzunehmen, mit dem Kompromiss, dass es einfach durch eine Marien-Strophe ergänzt wurde.

Diözesanmusikdirektor Stephan Zippe © privat

Vom Advents- zum Weihnachtslied

In der aktuellen Gotteslob-Ausgabe hat „Es kommt ein Schiff geladen“ sogar die Seiten gewechselt. Es befindet sich nun als erstes Lied bei den weihnachtlichen Gesängen. Für den Münchner Diözesanmusikdirektor Stephan Zippe ist diese Änderung keine Überraschung.

„Viele Adventslieder haben zwei Seiten: die Erwartung und die Erfüllung. Beides wird in den Liedern oft miteinander verarbeitet. Insofern lässt sich ein Adventslied wie ‚Es kommt ein Schiff geladen‘ auch als Weihnachtslied sehen. Vor allem die marianisch geprägten Lieder sind durchaus geprägt von diesem Doppelaspekt“.

Außerdem hat man die 1975 hinzugefügte Marienstrophe im neuen Gotteslob einfach wieder gestrichen.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Advent & Weihnachten

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