Rituale in der Karwoche „Es muss feste Bräuche geben“

08.04.2017

Von der Palmprozession bis zum Heiligen Grab prägen vielfältige Riten und Traditionen die Karwoche. Welche Bedeutung sie haben, erklärt Gemeindereferentin Danijela Pöschl hier.

Der Palmsonntag eröffnet die Leidenswoche © EOM/Ebel

„Karwoche“, so wird die Woche vor Ostern genannt. Diese Bezeichnung hat sich aus dem Wort „kara“ entwickelt, das „Kummer“ bedeutet. Zunächst feierte die Kirche das Sterben und die Auferstehung des Herrn in einer gemeinsamen Feier in der Osternacht. Aber schon im vierten Jahrhundert wurde es Brauch, die einzelnen Passionsereignisse ausgeprägter zu feiern. So kam es zum österlichen Triduum. Als der Sonntag davor mit Palmprozession in die liturgische Feier miteinbezogen wurde, sprach man von der Leidenswoche. Sie begann nun mit der Erinnerung an den Einzug Jesu nach Jerusalem. Die biblisch zitierten Palmen und Ölzweige galten als Symbol des Sieges und des Friedens. An Stelle der Palmen nehmen wir hierzulande Weiden- oder Haselkätzchen, Buchsbaum und Ähnliches. Aus den Einzelzweigen entwickelten sich schön gestaltete Palmbuschen.

Im Chiemgau wird heute noch in die Rinde des Stabes reingeschnitzt, denn im Mittelalter hieß es Freispruch, wenn ein geschälter Weidenzweig übergeben wurde. Bei den Palmstäben also ein Hinweis auf Jesu Unschuld. Die geweihten Palmen gelten als Segenszeichen.

Alten Mysterienspielen nachempfunden entwickelte sich der Brauch, dass der Geistliche auf einem Esel zur Prozession ritt. Ein fröhlicher Brauch ist geblieben, wenn derjenige Palmesel genannt wird, der als Letzter aus dem Bett kommt.

Gründonnerstag

Der Gründonnerstag ist geprägt vom Vorabend des Leidens Christi, wie es in der Heiligen Schrift geschrieben steht. Der Name „Gründonnerstag“ war schon im zwölften Jahrhundert üblich, rührt vom Wort „greinen“, also „weinen“ her. Im Mittelalter erhielten die öffentlichen Büßer an diesem Tag die Verzeihung und hörten auf zu „greinen“. Die Erinnerung an das Abendmahl gab dem Tag auch die Bezeichnung „Speispfinsta“ (= abspeisen). Der Gedanke „Gott speist uns“ führte zur Nachahmung in Armenspeisungen. In vielen Kirchen wird die Fußwaschung im Gottesdienst nachgeahmt, ein Zeichen des Dienens. Das Verstummen der Orgel und der Glocken nach dem Gottesdienst gilt als Zeichen, dass mit Christi Tod aller Wohlklang in der Welt erloschen ist. Stattdessen wird mit Klappern und Ratschen der Gottesdienst angekündigt. Den Kindern erzählte man: Die Glocken fliegen nach Rom, die Osterfreude holen.

Danijela Pöschl ist Diözesanreferentin im Ressort Personal, Abteilung Gemeindereferenten © privat

Karfreitag

Im Mittelpunkt der Karfreitagsliturgie steht die Kreuzverehrung. Das Kreuz steht für uns Christen als Zeichen der Erlösung. Im häuslichen Bereich wurde mancherorts das „Brot für die Festtage“ gebacken. „Marterbrote“ hießen sie, weil in diese Laibe ein Kreuz eingeritzt wurde. Das hatte Symbolcharakter: Das Weizenkorn Christi stirbt und gibt uns Kraft zum Leben. Die Stille war für den Karfreitag bezeichnend: Alle größeren Arbeiten ruhten und alles Laute war verboten.

Karsamstag

Der Karsamstag setzt die Stille des Karfreitags fort. Die Kirche hält keinen Gottesdienst. An manchen Orten wird ein Heiliges Grab aufgebaut und viele Beter kommen im Laufe des Tages hierhin. Ansonsten ist dieser Tag eher ein Vorbereitungstag auf das Osterfest: Frühlingssträuße werden gebunden, Osterkörbe hergerichtet, Lämmchen gebacken und Eier gefärbt.

„Es muss feste Bräuche geben“, erklärt der Fuchs in Antoine de Saint-Exupéry Erzählung dem kleinen Prinzen. „Es wäre besser gewesen, du wärst zur selben Stunde wiedergekommen“, sagte der Fuchs. „Wenn du zum Beispiel um vier Uhr nachmittags kommst, kann ich um drei Uhr anfangen, glücklich zu sein. Je mehr die Zeit vergeht, um so glücklicher werde ich mich fühlen. Um vier Uhr werde ich mich schon aufregen und beunruhigen; ich werde erfahren, wie teuer das Glück ist. Wenn du aber irgendwann kommst, kann ich nicht wissen, wann mein Herz da sein soll...Es muss feste Bräuche geben.“ (Danijela Pöschl)


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