Werbetour des EuropaBusses Europa geht alle an

10.05.2019

Mit blauer Schrift und goldenen Sternen auf der Karosserie macht ein Doppeldeckerbus Werbung für Europa. Er fährt quer durch Bayern, Stationen im Erzbistum München und Freising waren jetzt München und Rosenheim.

Am Donnerstag, 9. Mai, machte der EuropaBus auf dem Münchner Marienplatz Station.
Am Donnerstag, 9. Mai, machte der EuropaBus auf dem Münchner Marienplatz Station. © SMB/Stöppler

München/Rosenheim – Brexit, Globalisierung, Flüchtlingskrise – Themen, die sich tagtäglich in den Medien wiederfinden und die ganz Europa angehen. Und die dafür sorgen, dass längst nicht alle Wähler überzeugte EU-Anhänger sind. Der EuropaBus soll Meinungen, Kenntnisstände und Befindlichkeiten abfragen.

Losgeschickt hat den Bus das „Bayerische Bündnis für Toleranz“. Daran beteiligt sind unterschiedliche Organisationen und Initiativen aus Kirche, Politik und Gesellschaft. Für Martin Becher, den Geschäftsführer des Bündnisses, ist der Bus ein ideales Mittel, um auf Europa aufmerksam zu machen, weil er ein Blickfang ist. So gelinge es, möglichst vielen Menschen die Botschaft des Bündnisses zu vermitteln: dass es für ein Europa der Toleranz und der Menschenrechte einstehe.

Audio

Radiobeitrag über den EuropaBus

Der EuropaBus ist ein alter Berliner Stadtbus. (Bild: Kiderle)

Europa zum „Anfassen“

Brechend voll ist der Münchner Marienplatz, neben dem EuropaBus machen auch noch andere Gruppierungen und Initiativen Werbung für Europa. Für Becher ist das dringend notwendig, denn nur wenige Bürger würden sich Gedanken machen, was Europa mit jedem Einzelnen zu tun habe. Der Bus ist dabei nicht nur ein Hingucker: hier bieten die Mitglieder des Bündnisses - von der bayerischen Staatskanzlei bis zum Europäischen Parlament - Workshops zu wichtigen Europathemen an.

An der Treppe zum Obergeschoss des Busses stehen auch junge Menschen an. Sie geben zu, dass sie nicht allzu viel über europäische Politik wissen. Aber sie zeigen sich aufgeschlossen. Eine junge Frau meint: „Wenn man 18 ist und zum Wählen gehen soll, ist es gut, wenn man die Chance hat, seine Fragen beantwortet zu bekommen“. Das passiert beim EuropaBus zum Teil auf spielerische Weise: so können die Besucher zum Beispiel ihre Eindrücke zu Europa mittels Plastikbällen widergeben. Abhängig davon, welche Säulen sich mit entsprechend viel Kugeln füllen, entsteht ein dreidimensionales Balkendiagramm. Dieses Stimmungsbild zur Frage, was den Menschen bei einer zukünftigen EU wichtig ist, ist wiederum Grundlage für einige Diskussionsangebote, die im EuropaBus stattfinden.

Besucher des Busses können auch den Wahlomat der Bundeszentrale für politische Bildung testen: anhand der Fragenkataloge kann jeder feststellen, welche Partei ihm am nächsten ist. Der alte Berliner Stadtbus ist als EuropaBus also so etwas wie eine rollende Werbung für die Europawahl am 26. Mai. Denn kaum eine Wahl ist so wichtig, meint Martin Becher: In Deutschland liege die Quote der Befürworter eines demokratischen Europas wahrscheinlich bei 90 Prozent plus x, in einigen unserer Nachbarländer sei das bei weitem nicht so.

Werbung für ein demokratisches Europa in der Rosenheimer Fußgängerzone: Claudia Pfrang (l.) und Ina Schildbach (r.) (Bild: SMB/Witte)

Kirche als Werbeträger für ein demokratisches Europa

Ortswechsel: inzwischen ist der EuropaBus an seiner zweiten Station im Erzbistum München und Freising angekommen. In der Rosenheimer Fußgängerzone gestaltet das „Kompetenzzentrum für Demokratie und Menschenwürde“ einen Teil des Rahmenprogramms. Das Zentrum ist Teil der Stiftung Bildungszentrum, die ihren Sitz auf dem Freisinger Domberg hat. Die Leiterin des Bildungszentrums, Claudia Pfrang: „Die Kirche setzt sich dafür ein, dass die Menschen zur Wahl gehen, weil die Demokratie in Europa durch die Populisten gefährdet ist.“

Am Vormittag waren bereits Schulklassen beim Bus: ihnen haben die Kirchenvertreter die Bedeutung Europas nahegebracht. Ina Schildbach vom Kompetenzzentrum für Demokratie und Menschenwürde hält diese Sensibilisierung der Jugendlichen für Europa für dringend notwendig. Es zeige sich immer wieder, dass die Menschen in erster Linie national dächten und große Zweifel bei einem Großteil der Wähler bestünden, welchen Nutzen die EU für den einzelnen Bürger habe.

Der EuropaBus holt "die ferne EU näher in die Fußgängerzonen". (Bild: SMB/Witte)

Mehrheit von EU überzeugt

Bei den Schülern hatte Schildbach am Vormittag aber eine positive Erfahrung gemacht: bei einer Blitzabfrage stellte sich heraus, dass keine einzige der Schülerreaktionen EU-skeptisch war. Überrascht zeigt sich Claudia Pfrang von den beiden Stationen des EuropaBus im Erzbistum: natürlich gebe es immer wieder Skeptiker, in der Mehrheit aber seien die Besucher von der Notwendigkeit der EU überzeugt.

Nichtsdestotrotz empfinden beide, Pfrang wie Schildbach, die Bayerntour des EuropaBus als wertvoll, weil er, wie Ina Schildbach das formuliert, „die ferne EU näher in die Fußgängerzone holt“. Auf seinen letzten Stationen ist der Bus am 11. Mai in Memmingen, am 12. Mai in Würzburg und am 13. Mai in Aschaffenburg.

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Europa

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