Ökumene Evangelische Volontäre im katholischen Medienhaus

21.01.2019

Thomas Stöppler und Céline Kuklik sind beide evangelisch und machen eine Ausbildung zum Redakteur im katholischen Medienhaus Sankt Michaelsbund. Sie schildern uns ihre Erfahrungen.

Thomas Stöppler und Céline Kuklik
Thomas Stöppler und Céline Kuklik © Kiderle

Natürlich merke ich jeden Tag, dass ich nicht katholisch sozialisiert bin. Immer wieder nerve ich die Kollegen mit dummen Fragen. Zum Beispiel: Wie funktioniert diese Beichte eigentlich genau? Als Protestant habe zumindest ich noch die Vorstellung von einem Herunterleiern der eigenen Sünden und dann gibt’s zwei Ave-Maria und drei Rosenkränze als Hausaufgabe (nächste dumme Frage: Wie betet man denn eigentlich den Rosenkranz?) und gut ist. Bei solchen Vorstellungen erschrickt man gerne über sich selbst. Während mit Protestanten ja zum einen das Asketische und zum anderen das Aufgeweichte assoziiert wird, verbindet man von der anderen Seite mit dem Katholizismus vor allem Antiquiertheit. Dass die katholische Kirche längst im 21. Jahrhundert angekommen ist, sollte mich nicht überraschen, tut es dann aber trotzdem.

Vielleicht auch wegen des stark ausgeprägten Brauchtums. Nicht, dass ich etwas gegen Brauchtum hätte. Im Gegenteil: Ich finde es sehr schön. Als Protestant hat man seine Predigt und sein Gesangbuch und das war’s. Wir feiern nicht die Namenstage der Heiligen, Mariä Lichtmess (nochmal dumme Frage: Was ist das?), Kirchweih oder ähnliches. Das liegt aber vielleicht nicht nur an der Konfession, sondern auch der Region. In Berlin bedeutet Brauchtum, dass es am 1. Mai Krawall gibt. In Bayern gibt es so unendlich viele Bräuche. Leonardhiritt, Schützen- und Trachtenvereine, Christkindlanschießen und und und. Das ist spannend und faszinierend, und ganz oft auch wirklich schön anzuschauen.

Crossmedial Arbeiten

Doch auch im Haus gibt es vieles mir Unbekanntes, denn der Sankt Michaelsbund ist auch ein Haus mit reicher Geschichte. Schließlich gibt es den „Katholischen Preßverein für Bayern e.V“ seit 1901. Dass trotzdem nicht alter Muff in den Redaktionsräumen herrscht, ist bemerkenswert. Wir arbeiten „crossmedial“. Jedes neue Format, das in der Medienlandschaft auftaucht, wird gleich diskutiert. Aber deswegen nicht immer gleich umgesetzt, sondern es werden Für und Wider abgewogen. In anderen, wesentlich jüngeren Medienhäusern herrschen oft deutlich mehr Bräsigkeit und auch ein rauerer Ton. Die Kollegen reagieren zum Beispiel nie genervt auf meine dummen Fragen. Manchmal vielleicht etwas amüsiert. Der Umgang untereinander ausgesprochen gut und einfühlsam. Unser Ausbildungsleiter fragte uns beide einmal ganz vorsichtig, ob wir uns denn respektiert fühlten, wenn es um uns herum so bayerisch-katholisch zugehe. Nicht aus Höflichkeit haben wir beide verneint.

Thomas Stöppler schätzt das crossmediale Arbeiten beim Sankt Michaelsbund.
Thomas Stöppler schätzt das crossmediale Arbeiten beim Sankt Michaelsbund. © Kiderle

Weihrauch in der Luft

Doch man stellt sich selbst natürlich die Frage: Muss ich nicht für diesen Job katholisch sein? Reicht mein Wissen? Nein und Nein. Ich muss nicht katholisch sein. Ich darf natürlich nicht blind gegenüber der katholischen Kirche sein, aber dann wäre ich blind gegenüber meiner gesamten Lebenswelt. Meine Frau ist katholisch, ich bin auf einer katholischen Journalistenschule, das Altersheim um die Ecke betreibt die Caritas und ich höre jeden Sonntagmorgen die Glocken von St. Paul. Genug Wissen habe ich noch nicht und vermutlich werde ich bei bestimmten Themen noch lange etwas zu unbedarft sein. Aber das wäre vermutlich auch in anderen Redaktionen so.

Natürlich merkt man jeden Tag, dass man in einem katholischen Medienhaus arbeitet und nicht nur an den Themen. Erst vergangene Woche lag so viel Weihrauch in der Luft, dass man kaum bis ans Ende des Flurs sehen konnte: Die Redaktionsräume wurden anlässlich des Dreikönigstags gesegnet. Eine schöne Tradition, die ich in einem anderen Medienhaus vermutlich nicht erlebt hätte. (Thomas Stöppler)

Der Sankt Michaelsbund

Der Sankt Michaelsbund ist das katholische Medienhaus in der Erzdiözese München und Freising und für die Kirche in Bayern. 1901 als „Katholischer Preßverein für Bayern e.V.“ gegründet, hat sich der Sankt Michaelsbund bis heute zu einem modernen Medienhaus entwickelt. Dazu gehören die Münchner Kirchenzeitung, das Münchner Kirchenradio, das Münchner Kirchenfernsehen und mk online. Darüber hinaus liefern die Radio- und die Fernsehredaktion für private Rundfunk- und Fernsehsender kirchliche Beiträge zu. Corporate Communications bietet Dienstleistungen von der maßgeschneiderten Webpräsenz bis hin zum Full-Service-Paket in Sachen Kommunikation. Als ältester bayerischer Büchereiverband betreuen und unterstützen die Landesfachstelle und die Münchner Büchereizentrale bayernweit mehr als 1.000 Büchereien bei ihrer Arbeit. Ein eigener Buchverlag und die Buchhandlung Lesetraum machen das Angebot komplett. michaelsbund.de ist der Online-Shop des Sankt Michaelsbundes. Hier werden mehr als 450.000 lieferbare Artikel angeboten.

Geboren, aufgewachsen, studiert und gearbeitet im katholischsten aller Bundesländer, ein journalistisches Volontariat angefangen im zweitkatholischsten Bundesland in einem katholischen Medienhaus. Und das als Protestantin. Was sich erst einmal wie der Anfang eines schlechten Witzes liest, fasst mein Leben eigentlich ganz gut in aller Kürze zusammen.

Wie oft ich die Frage nach dem Warum beantwortet habe, kann ich schon gar nicht mehr zählen. Die Menschen in meiner Heimat, dem Saarland, die mich ungläubig angeschaut haben, als ich erzählt hatte, dass ich mich bei der katholischen Journalistenschule ifp bewerbe, übrigens auch nicht. Und dabei war es eigentlich immer dieselbe Erklärung: Werteorientierten Journalismus zu betreiben, von Menschen für Menschen. Das spüre ich auch täglich beim Sankt Michaelsbund. „Hättest du nicht auch zur evangelischen Journalistenschule oder zu einem evangelischen Medienhaus gehen können?“ Ja, das hätte ich, habe ich nicht, weil es sich so für mich richtig angefühlt hat.

Céline Kuklik war schon immer eine „katholisch evangelische Grenzgängerin“.
Céline Kuklik war schon immer eine „katholisch evangelische Grenzgängerin“. © Kiderle

Angeborene Neugier oder Offenheit

Wenn ich so darüber nachdenke, war ich schon immer so eine Art „Grenzgängerin“: Als Kind ging ich mindestens einmal pro Woche zur Katholisch Studierenden Jugend (KSJ) Homburg und seit meinem fünfzehnten Lebensjahr war ich ehrenamtlich als Einsatzsanitäterin beim Malteser Hilfsdienst tätig, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Vielleicht kann ich mich deshalb ganz gut in „katholische Themen“ eindenken. Vielleicht ist es aber auch etwas wie eine angeborene Neugier oder Offenheit, mit der man als (angehender) Journalist allen Bereichen, nicht nur religiösen, begegnen sollte.

Trotzdem habe ich in den ersten Wochen manchmal argwöhnisch den hausinternen Kalender mit allen Terminen aus dem Erzbistum betrachtet: Konnte es wirklich sein, dass mehrmals pro Woche so viele Gebäude, Altäre oder auch Kirchglocken geweiht werden? Und auch tatsächlich jedes Mal darüber berichtet wird? Solche Zeremonien werden im Saarland eher weniger gepflegt als in Bayern. Daran, dass der Neubau meiner Schule vor gut zehn Jahren gesegnet wurde, kann ich mich zumindest nicht erinnern. Mein anfängliches Stutzen ist jedoch schnell dem Gefallen an dieser Tradition gewichen: Menschen kommen zusammen, um den alten Zustand einer Kirche, eines Kindergartens und so weiter zurückzulassen und gemeinsam eine Art Neuanfang zu feiern. Die Beteiligten erzählen, wie viel Engagement und Herzblut in das Projekt gesteckt wurde, sie sind einfach nur glücklich über das Ergebnis. An solche Unterschiede gewöhnt man sich also gerne und schnell.

Der konfessionslose Dr. Google

Was meinem Volontärskollegen Thomas Stöppler und mir auffiel, als wir katholische und evangelische Bräuche miteinander verglichen, ist, wie oft in katholischen Gottesdiensten die Eucharistie gefeiert wird. Diese Häufigkeit kennen wir beide vom evangelischen Abendmahl her nicht. Hier wird der konfessionelle Unterschied wohl am deutlichsten: Auch wenn wir vor Ort ein katholisches Medienhaus vertreten, nehmen wir als „Evangolen“ nicht an der Kommunion teil. Dass ich nicht katholisch sozialisiert bin, fällt in der alltäglichen Arbeit beim Sankt Michaelsbund nicht sonderlich auf. Wenn ich bei einem Thema nicht weiterkomme, gibt es ja genügend katholische Kollegen, die mir weiterhelfen können, oder auch den konfessionslosen Dr. Google. Letztendlich zählt vor allem eins: Journalismus von Menschen für Menschen zu machen. (Céline Kuklik)

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Vielfalt des Glaubens Der Sankt Michaelsbund und sein Engel

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