Misereor-Gast berichtet aus Brasilien Existenzangst am Amazonas

10.03.2016

Am Sonntag, 13. März, ist die Kollekte für die diesjährige Fastenaktion des Hilfswerks Misereor. Heuer werden durch die Spendengelder Kleinbauern und Fischer in Brasilien unterstützt. Gigantische Staudamm-Projekte der Regierung und von Großkonzernen bedrohen sie in ihrer Lebensgrundlage. Ein Kämpfer für ihre Rechte ist Egidio Alves Sampaio.

Kämpfer für seine bedrohten Landsleute: Egidio Alves Sampaio (Bild: Ertl)

München – Das indigene Volk der Munduruku führte in den unberührten Gebieten der brasilianischen Flüsse Xingu und Tapajós bislang ein einfaches aber zufriedenes Leben. Das könnte sich nun ändern: Die Regierung und internationale Konzerne planen im Bundesstaat Pará riesige Staudammprojekte. Sie sollen der Stromerzeugung und Schiffbarmachung der Gewässer dienen und drohen den „Ribeirinhos“ (die Flussanrainer) ihre Lebensgrundlagen von Fischfang und Landbau zu zerstören. Um die Staudamm-Großprojekte zu realisieren, sollen zahllose Fischer und Bauern gnadenlos enteignet und umgesiedelt werden.

Das katholische Hilfswerk Misereor will mit seiner diesjährigen Fastenaktion auf das Schicksal dieser Menschen im Amazonasgebiet aufmerksam machen und ihnen helfen, ihre Rechte wahrnehmen zu können. Die Kampagne wurde mit dem alttestamentlichen Spruch „Das Recht ströme wie Wasser“ (Amos 5,24) überschrieben. Misereor und seine Partnerorganisation CPT (Comissão Pastoral da Terra = Landpastoral) stehen auf der Seite der Bedrängten. Gemeinsam werden etwa Rechtsbeistände für die Ribeirinhos organisiert. Die Fischer und Kleinbauern sollen das Gefühl haben, in ihrer existenziellen Notlage nicht alleingelassen zu werden.

Es sind Menschen vor Ort, wie der ehemalige Landwirt und heutige Sozialpädagoge Egidio Alves Sampaio (52) vom CPT-Team, die etwas bewegen. In der Fastenzeit war er im Erzbistum zu Gast, um über die Lage vor Ort zu informieren. Der vierfache Familienvater ist ein äußerst mutiger Mann: Unter Lebensgefahr und trotz mehrfacher Warnungen und Einschüchterungsversuche setzt er sich weiterhin für die Rechte der Landarbeiter ein. „Klar habe ich auch Angst, aber mein Glaube gibt mir Kraft“, erzählt der kleine und kantige Mann ruhig und besonnen. „Das Leben am Amazonas ist generell gefährlich“, meint er lapidar. Mit Stolz trägt er eine traditionelle Kette des Munduruku-Volkes: „Sie bedeutet mir viel.“

Die Enzyklika „Laudato si“ hätte ihm und seinen Mitstreitern einen großen positiven Schub für ihre Arbeit gegeben: „Papst Franziskus schenkte uns neue Hoffnung.“ (Florian Ertl)


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