Die Erde unter der Oberfläche Exkursionen in die Tiefe der Zeit

09.10.2019

Höhlen, Bergwerke, Labyrinthe - Was Räume unter der Erde erzählen können und wie sie unser Bewusstsein vom Leben verändern, lotet der britische Schriftsteller Robert Macfarlane in seinem neuen Buch "Im Unterland" aus.

Gipfel erklimmen wir erst seit 300 Jahren, Höhlen nutzt der Mensch von Beginn seiner Existenz an und doch ist vieles, was unter unseren Füßen liegt, noch kaum entdeckt. An verschiedensten Orten ist Macfarlane hinuntergestiegen in Stollen, Höhlen, Gletschermühlen oder urbane Labyrinthe, und hat erfahren, wie sich die Wahrnehmung dadurch verändert. So verbrachte er mit einer erfahrenen Führerin zweieinhalb Tage in den Katakomben von Paris, die offiziell nicht zugänglich sind.
Reise in die „tiefe Zeit“ lautet der Untertitel der englischen Ausgabe. „Deep time“ meint geologische Zeit, die in Epochen und Äonen rechnet. Zeit, in der die Spezies Mensch heute ihre Abdrücke hinterlässt und sich fragen muss, wie Menschen künftiger Zeiten damit zurecht kommen werden.
Nicht umsonst gilt der Autor und Literaturporefessor Robert Macfarlane als der profilierteste Vertreter des Nature-Writing, dem Schreiben in und über die Natur. Souverän blendet er von subjektiven Beobachtungen über zu naturwissenschaftlichen Fakten, von beinah lyrischen Beschreibungen zu Historischem und Philosphischem. Sachbuch kann man „Unterland“ also kaum nennen, auch wenn Macfarlane dafür intensiv recherchiert, indem er Wissenschaftlern Fragen stellt.
Nicht zu vergessen Macfarlanes persönliches Erleben unterwegs auf durchaus abenteuerlichen Exkursionen, beim Abklettern in eine Karsthöhle etwa, beim Blick in die Tiefe eines Lochs in dem ein Fluss verschwindet oder beim Abseilen in ein Schmelzwasserloch im Knud-Rasmussen Gletscher in Ostgrönland, was der Autor als größtes Abenteuer empfand. Mehr als eimal spürte er auch den Sog der Tiefe, dem er nie nachgab, dem er aber schreibend nachspürt.

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