Olympische Winterspiele in Südkorea Fairness als höchste Priorität im Sport

09.02.2018

Der katholische Olympiapfarrer Jürgen Hünten begleitet die deutschen Sportler in Pyeongchang. Was der Geistliche über den olympischen Teamgeist denkt, lesen Sie hier.

Olympia-Fans in Pyeongchang, Südkorea
Olympia-Fans in Pyeongchang, Südkorea © imago/ZUMA Press

Bonn – Der katholische Olympiapfarrer Jürgen Hünten erinnert zum Start der Olympischen Winterspiele in Südkorea an den Fairness-Gedanken. "Das oberste Ziel sollte sein, dass es saubere und faire Wettkämpfe sind", sagte der 51-Jährige im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Auch sein evangelischer Olympia-Kollege Thomas Weber appellierte an die Verantwortlichen, "alles dran zu setzen, auch mit ausreichend Kontrollen den Sport und seine Glaubwürdigkeit zu schützen".

Der Ausschluss Russlands bei Olympia und den Paralympics wegen staatlichem Dopingvergehen beinhaltet seinen Worten nach zwar eine gewisse Tragik für einzelne Athleten, weil nicht immer klar sei, ob die Sportler wüssten, was mit ihnen gemacht werde. "Aber es ist weit entfernt vom sportlichen Gedanken, wenn jemand versucht, mit falschen Mitteln etwas zu erreichen", so der Hochschulpfarrer aus Düsseldorf.

Labor-Ethik

Der Berliner Sportethiker Elk Franke sieht eine Verrechtlichung des Sports: "Es gibt in unserer Gesellschaft eine Verschiebung von der Moral zum Recht. Was früher oft noch durch die Moral bewertet wurde, wird heute durch Rechtsfragen geklärt." Gleiches gelte für den Sport. Die Ethik sei durch Nachweisbedingungen ins Labor verlagert worden. "Ethik spielt im Sport keine Rolle mehr, solange die Handlung rechtlich erlaubt ist", erklärte Franke der KNA.

Im Bezug auf das Gebot des Fair Plays sei die Ethik gleichzeitig weiter wichtig. Die Sportler müssen Franke zufolge die Ethik des Sports als moralische Instanz akzeptieren, die sich durch Regeln ausdrückt. Es bestehe das Gebot der gleichen Chancen für alle Teilnehmer. Doping zerstöre diese Chancengleichheit und damit den Wettkampf. In einigen Disziplinen sähen Sportler die Diskussionen über Doping als randständig an: "Wenn man wie alle dopt, dann relativiert sich das. Die moralische Verletzung ist dann keine mehr."

Olympiaseelsorge

Die deutsche Olympiamannschaft wird seit mehr als 40 Jahren bei Sommer- und Winterspielen von einem ökumenischen Seelsorgerteam begleitet. Ein katholischer und ein evangelischer Geistlicher bieten den Athleten, Trainern und Betreuern Gesprächsmöglichkeiten und Gottesdienstbesuche an. Auch bei den Paralympischen Spielen stellen die beiden großen Kirchen ein Seelsorgerteam, das den Sportlern mit Behinderung zur Seite steht.

Aktuell betreut seit 2006 auf evangelischer Seite Pfarrer Thomas Weber aus Gevelsberg die Sportler. Die Stelle des katholischen Sportpfarrers ist zurzeit nicht besetzt, deswegen wird jeweils für ein Großereignisse ein Olympiaseelsorger von der Deutschen Bischofskonferenz angefragt. In Pyeongchang übernimmt Jürgen Hünten (51), Hochschulpfarrer in Düsseldorf und Wuppertal, das Amt.

Der katholische DJK-Sportverband forderte unterdessen Vereine und Parteien zum Kampf gegen Doping auf. "Unser sportethischer Auftrag ist es auch, dass Schlupflöcher für Betrug und Doping geschlossen werden und für jeden deutlich wird, dass Doping geahndet wird und sich für niemanden lohnt, sowohl im Leistungs- als auch im Breitensport", sagte DJK-Präsidentin Elsbeth Beha. Im Mittelpunkt müsse das Wohl der Menschen stehen.

Folgeschäden

Olympiapfarrer Hünten warnte, dass Doping neben der ethischen Komponente auch eine gesundheitliche Dimension habe: "Es geht um menschliche Körper, und wir wissen nicht, welche Folgeschäden die Menschen ereilen, die sich irgendwelche Mittel spritzen oder schlucken." Hünten appellierte an die Verantwortung der Länder und Verbände gegenüber den Sportlern.

Der Olympiapfarrer begrüßte die Entscheidung, einzelne getestete russische Athleten bei den Spielen in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) unter neutraler Flagge starten zu lassen. "Jeder Sportler, der sauber ist, hat meiner Meinung nach auch die Berechtigung, an den Wettkämpfen teilzunehmen. Das macht diesen gewissen olympischen Teamgeist unbezahlbar", so Hünten. (KNA)

Katholische Kirche in Südkorea

Südkorea verzeichnet seit einigen Jahren eine wachsende katholische Kirche. Im Süden der geteilten Halbinsel stieg die Zahl der Katholiken 2015 um 1,7 Prozent auf etwa 5,65 Millionen. Von den derzeit gut 52 Millionen Einwohnern Südkoreas ist also jeder neunte katholisch.

Im Hauptstadt-Erzbistum Seoul, das seit 2012 von Kardinal Andrew Yeom Soo-jung (74) geleitet wird, lebten 2016 mehr als 1,5 Millionen Katholiken. Im Bistumsverbund Seoul liegt auch die Austragungstätte der Olympischen Winterspiele 2018, Pyeongchang. Seit 1986 hat Seoul eine deutschsprachige Gemeinde.


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