Fest der Liebe Familie Feichtner aus dem Chiemgau bereitet sich auf Weihnachten vor

16.12.2019

Plätzchen backen, Weihnachtslieder hören, Krippe aufstellen - bereits Ende August ist Weihnachten bei der Familie zum ersten Mal Thema.

Das weihnachtliche Basteln liegt in weiblicher Hand.
Das weihnachtliche Basteln liegt in weiblicher Hand. © Feichtner

Chiemgau – Irgendwann Ende August oder Anfang September ist es meistens so weit! Mit dem Satz „Diese Milch läuft erst Weihnachten ab!“ kommt mein Mann aus dem Keller. Dieses Jahr sitzen wir gerade bei gut 20 Grad beim Frühstücken auf der Terrasse. Man könnte meinen, dass das Thema noch wenig Begeisterung hervorruft. Doch es sorgt für Gesprächsstoff: „Dieses Jahr habe ich schon super Ideen zum Basteln, ich hab richtig coole Sterne gesehen“, meint die 14-jährige Hannah. „Ich weiß schon, was ich mir wünsche“, unterbreitet uns Jonas, der mit seinen elf Jahren dringend ein neues FC-Bayern-Trikot „vom Christkind“ brauchen könnte. Mein Mann freut sich, dass es jetzt nicht mehr so lang dauert, bis er wieder seine Weihnachts-CDs aus den Tiefen des Schranks kramen darf. Und ich? Ich finde, dass der Sommer mal wieder viel zu schnell vorbeigeht, hoffe noch auf einen schönen Herbst, werde dann aber im Oktober etwas unruhig, weil ich mich sehr auf den Winter und das Skifahren freue – und auch auf die Weihnachtszeit.

Lebkuchen schmecken im Sommer nicht

„Mama, hast du schon gesehen …“. Diese Worte werden auch bereits im Spätsommer mit großer Entrüstung von einem meiner Kinder ausgesprochen, wenn die ersten Lebkuchen und Schoko-Nikoläuse in den Supermarkt-Regalen stehen. Inzwischen sehe ich das entspannt, meine Kinder haben das „kritische“ Alter überschritten, wo man mit viel Phantasie und Drumherum-Reden erklären musste, warum diese Schoko-Nikoläuse, die der Nikolaus doch erst bringt, jetzt schon dort stehen. Gott sei Dank sind wir uns alle einig: Lebkuchen schmecken im Sommer nicht.

Dazu muss es draußen kalt und ungemütlich sein. Deshalb gibt es die ersten Lebkuchen erst beim Allerheiligen-Kaffee, wenn sich die Familie nach Kirche und Gräberbesuch bei uns trifft. Denn neben dem Allerseelen-Wecken wurden für die kleinen Cousinen, die partout keine Rosinen mögen, irgendwann einmal die Lebkuchen eingeführt.

Selbstgebackene Plätzchen

Aber wirklich los geht bei uns die Vorweihnachtszeit am 30. November, dem Namenstag meines Mannes Andreas. Da gibt es die ersten selbstgebackenen Plätzchen – von der Oma. Auch ich schaffe meistens mit den Kindern eine schnelle Sorte. Plätzchenbacken ist ein zentrales Element unserer Vorweihnachtszeit. Dafür nehmen wir uns Zeit – nicht immer alle gemeinsam, aber doch zumindest zu zweit. Eigentlich geht das Backen schon im November los, wenn es um das Aussuchen der Kekse geht. Wir versammeln die „traditionellen Bäcker“ und die „progressiven Bäcker“ in unserer Familie. Mein Mann verteidigt die Plätzchen, die immer „gut funktionieren“ und allen schmecken. Hannah und ich schmökern jedes Jahr in den Zeitschriften auf der Suche nach Neuem.

Gemeinsam Zusammensitzen

Letztendlich schaffen es in der Regel ein oder zwei neue Sorten in das Sortiment und genauso viele müssen jedes Jahr weichen. „Hauptsache, sie schmecken und es gibt viele Löffel zum Abschlecken und Schüsseln zum Ausputzen“, ist die Meinung von Jonas. Natürlich nehmen wir uns jedes Jahr vor, das Backen mindestens drei Wochen vor Weihnachten abgeschlossen zu haben, um schon in der Adventszeit von einem vielseitigen Plätzchenteller naschen zu können. Aber: Geschafft haben wir es noch nie. „Einen Plätzchenteller herrichten, eine Kanne Tee und Kerzen“ das gehört in der Vorweihnachtszeit dazu – für einen Teil der Familie steht dabei der erhöhte Süßigkeiten-Genuss im Vordergrund. Die anderen genießen das gemeinsame Zusammensitzen – auch wenn es mal nur zehn Minuten am Nachmittag sind.

Das weihnachtliche Basteln liegt in unserer Familie eher in weiblicher Hand. Ich mache es gern, Hannah ist dazu auch noch äußerst geschickt. Dadurch wurden die Bastelarbeiten mit den Jahren immer anspruchsvoller. So zeigt Hannah mir seit langem, wie gefaltet, geschnitten und geklebt werden muss. Dank meiner Tochter kann ich jetzt endlich auch Fröbelsterne kreieren.

Adventskalender für die Eltern

Seit ein paar Jahren freuen sich mein Mann und ich jetzt schon immer auf den Adventskalender, den Hannah, unterstützt von ihrem kleinen Bruder, gestaltet. Nach den 24 Tagen tummeln sich kleine Engelchen, Sterne, Christbäume und viele andere kleine Weihnachtsbasteleien in unseren Regalen neben äußerst attraktiven Gutscheinen fürs Frühstückmachen, Staubsaugen oder Geschirrspülerausräumen. Jedes Jahr erkundigen sich allerdings auch die Kinder frühzeitig, ob es für sie dieses Jahr wohl auch noch einen Adventskalender gibt – und machen damit klar, dass man für kleine Überraschungen nie zu alt ist.

Adventskranzbinden bei 20 Grad

Die Adventskalender – selbst gebastelt und befüllt – stellen schon mal einen Teil der alljährlichen Wohnzimmer-Dekoration dar. Gestartet wird die Weihnachtsdekoration mit dem Adventskranz. Das Selbst-Binden gehört für mich zu Weihnachten dazu. Am liebsten sollte es schon so kalt sein, dass man sich bereits beim Binden auf die Tasse Tee danach freuen kann. Auch die inzwischen schon fast gewöhnlichen „winterlichen“ 20 Grad halten mich aber nicht vom Kranzbinden ab. Geschmückt wird dann mit allen gemeinsam – obwohl sich der weibliche Geschmack hier doch meistens durchsetzt. Bis Weihnachten kommen viele Kerzen, Kränzchen und Sterne dazu. Hannah dekoriert inzwischen in ihrem Zimmer „ganz nach ihrem Geschmack“.

Gemeinsam Plätzchenbacken macht Spaß.
Gemeinsam Plätzchenbacken macht Spaß. © Feichtner

Am zweiten Adventswochenende leiht sich mein Mann den Laster beim Schwager aus und gemeinsam mit Jonas, Opa und – obwohl weiblich, noch geduldet – Hannah, geht die Reise nach Rott. Hier gibt es „die schönsten Christbäume“, sind sich die Herren einig. Bäume werden inspiziert – sind sie dicht genug, finden genügend Kugeln Platz, ist er gerade – ausgesucht, wieder zurückgebracht, neue ausgewählt.

Weihnachtslieder in Dauerschleife

Ein zeitintensiver Ausflug – aber die Mühe lohnt. Am Ende freuen sich Eltern, Schwiegermutter und auch wir uns über die allerprächtigsten Bäume. Auch das „Kripperl-Aufbauen“ ist in unserer Familie in männlicher Hand. Bis vor ein paar Jahren kümmerte sich am Vorweihnachtsabend mein Mann darum, heute verlegt Jonas die Kabel fürs Lagerfeuer der Hirten, verteilt Moos rund um die Krippe und stellt die Figuren in die richtige Position. Bei praktisch allem, was wir in der Advents- und Weihnachtszeit tun – von Ende November bis Anfang Januar – begleiten uns Weihnachtslieder. Mit großer Begeisterung spielt mein Mann seine Weihnachts-CDs rauf und runter. Seine Sammlung beinhaltet von klassischen Weihnachtsliedern über bayerische Weihnacht, Gospel und Klassik bis hin zu amerikanischen Weihnachtsschlagern alles. Die Sammlung ist inzwischen beträchtlich, denn jedes Jahr hören wir mindestens einmal: „Da hab ich doch wieder eine schöne, neue Weihnachts-CD gefunden.“

Volle Wochenenden in der Adventszeit

Auch bestimmte Ausflüge in der Vorweihnachtszeit haben bei uns Tradition. Da steigen wir frühzeitig in die Terminplanung ein, damit sie auch sicher stattfinden können. Das kann unser Spaziergang in den Wald zum Moosholen und Zapfensammeln sein; unser Ausflug auf den Salzburger Christkindlmarkt, weil wir da wissen, wo es das schönste Geschenkpapier und den besten Glühwein und Kinderpunsch gibt, und weil die Stadt gerade zur Weihnachtszeit ein besonderes Flair hat; oder unser gemeinsamer Besuch des einen bestimmten Kripperlfigurenstandes auf dem Rosenheimer Weihnachtsmarkt, wo es jedes Jahr eine neue Figur dazugibt.

Unsere Wochenenden in der Adventszeit sind voll und manchmal überlege ich schon, ob es das vielleicht besonders hektisch macht. Aber eigentlich sind das unsere Momente, die gemeinsam als Familie verbracht und erlebt werden, die die Vorweihnachtszeit auch besonders machen. Es ist eher die Tatsache, dass alle „alles noch im alten Jahr abschließen wollen. Das führt zu viel Hektik im Büro“, stellt mein Mann verstärkt fest. In der Schule ist der Dezember ein proben- und lernintensiver Monat und auch sonst jagt eine Veranstaltung den nächsten Termin.

Hoffen auf Schnee

„Um in der Zeit nach dem 24. ein paar ruhige Tage zu haben, machen wir aus der staaden Zeit die hektischste Phase des Jahres“, bedauern vor allem wir Erwachsenen. Natürlich muss ich mich auch an die eigene Nase fassen. Jedes Jahr nehme ich mir vor, Geschenke schon frühzeitig zu besorgen. Jedes Jahr schaffe ich es wieder nicht und erledige viele Dinge eben auf den letzten Drücker. Damit haben die Kinder Gott sei Dank noch nicht zu kämpfen. Bei ihnen ist es eher das Hoffen auf „endlich mal Schnee, zumindest an Weihnachten“, was noch zum perfekten Weihnachtsfest fehlt.

Kindergottesdienst vorbereiten

Zur staaden Zeit gehören bei uns auch die, wie ich finde, besonders schönen Gottesdienste. Nachdem ich, seit die Kinder klein sind, zum sogenannten Kindergottesdienst-Team im Dorf gehöre, gestalte und plane ich mit ein paar anderen Müttern und unserem Gemeindereferenten die Familiengottesdienste wie die Adventskranzsegnung am ersten Advent und die Kindermette am späten Nachmittag des Heiligen Abends.

Dabei bereitet schon das Planen und Zusammensitzen mit den anderen Müttern Freude. Das Konzept zu erarbeiten, die Lieder auszusuchen oder auch zu überlegen, wie die Kinder aktiv am Gottesdienst beteiligt werden können, macht Spaß. Denn das feierliche Entzünden der ersten Kerze oder das Erleben der besonderen Aufgeregtheit der Kinder in der Kindermette gehören für mich zu Weihnachten dazu. Auch wenn das direkte Beteiligen an den Familiengottesdiensten bei meinen Kindern inzwischen nicht mehr gefragt ist, haben sie doch oft bei den Krippenspielen mitgemacht und dadurch Weihnachten in der Kirche besonders intensiv erlebt.

Familie Feichtner im Vorweihnachts-Fieber
Familie Feichtner im Vorweihnachts-Fieber © Feichtner

Üben für die Christmette

Am Heiligen Abend geht es dann früh los. Nach einem gemeinsamen Frühstück gehen Jonas und Hannah zur Oma. Hier werden weihnachtliche „TV-Klassiker“ angeschaut und es wird mit all den Onkeln, Tanten, Cousinen, Cousins, die noch die Zeit zum weihnachtlichen Besuch finden, oder Opa Kaffee getrunken. Vormittags treffen sich Hannah und Jonas mit den anderen Ministranten in der Kirche, um für die Christmette zu „üben“.

Daheim legt mein Mann – wie sollte es anders sein – weihnachtliche Musik ein, begibt sich in die Küche, um alles für das traditionelle, abendliche Weihnachts-Fondue vorzubereiten. Erwartet werden am Abend – auch das traditionell – Oma und Opa väterlicherseits und Oma mütterlicherseits. Während der Baum mit all den vielen in den vergangenen Jahren gesammelten Kugeln und Sternen von mir geschmückt wird, kommt immer wieder aus der Küche: „Probier mal die Fondueundsoße, schmeckt die?“ Als ein über die Jahre eingespieltes Team schaffen wir es inzwischen, ohne Stress alles vorzubereiten, mit dem ein oder anderen Besuch auf Weihnachten anzustoßen, eine Tasse Kaffee zu trinken und trotzdem pünktlich zur Kindermette zu kommen. Der Abend wird dann beim vom Kerzenschein erleuchteten Christbaum mit einem Glas Prosecco begonnen. Die Kinder präsentieren ihre – manchmal schon gemeinsam – auf Querflöte und Gitarre einstudierten Weihnachtslieder. Opa singt mit – der Einzige, der das wirklich kann und deshalb darf. Noch vor dem Essen dürfen die Kinder natürlich ein erstes Geschenk aufmachen.

Schenken macht Freude

Auch das gehört dazu. Schenken macht einfach Freude – Beschenktwerden natürlich auch. Nach einem gemütlichen Essen, Geschenke bestaunen und Gesprächen begibt sich ein Teil der Familienmitglieder in die Christmette. Mit einem letzten Getränk oder einer stärkenden Süßigkeit wird der Heilige Abend schließlich beschlossen. Und dann macht sich noch mal große Freude breit: Jetzt kommt die wirklich staade Zeit – die Zeit zwischen den Jahren, in der alles ein bisschen still zu stehen scheint. (Yvonne Feichtner)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Advent & Weihnachten

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