Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen FAQ zu Kloster Reutberg

12.07.2018

Die Ordensgemeinschaft im Kloster Reutberg muss aufgelöst werden. Da stellen sich viele Fragen.

Auf der Hompage reutberg-retten.de werden viele Fragen zur Auflösung der Ordensgemeinschaft beantwortet.
Auf der Hompage reutberg-retten.de werden viele Fragen zur Auflösung der Ordensgemeinschaft beantwortet. © AdobeStock/tostphoto

Warum steht die Auflösung des Konvents der Franziskanerinnen am Reutberg zur Entscheidung an?
Bereits 2013 hat der Vatikan den Schwestern mitgeteilt, dass die Auflösung des Konvents unausweichlich ist. Als Gründe für die notwendige Auflösung nennt Rom: die geringe Anzahl der Schwestern, wobei damals noch vier der insgesamt sieben Schwestern auf dem Reutberg lebten, das hohe Alter der meisten Schwestern und die Tatsache, dass der Konvent schon seit dem Jahr 2008 keine eigene Oberin hat. Wörtlich heißt es in dem Brief, dass „die Auflösung des Klosters unvermeidlich ist“ und die Schwestern eine Entscheidung bezüglich der Übersiedlung in ein Schwesternaltenheim treffen mögen, um dort weiterhin als Gemeinschaft leben zu können (Schreiben der Religiosenkongregation/Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und Gesellschaften des Apostolischen Lebens vom 21. August 2013).

Welche Rolle haben das Erzbistum München und Freising und der Erzbischof?
Zunächst versucht die Religiosenkongregation in Rom im direkten Kontakt mit dem selbständigen Konvent dessen Auflösung vorzubereiten, wenn diese unvermeidlich ist. Dazu diente das Schreiben an die Schwestern vom 21. August 2013, in dem es heißt, dass „die Auflösung des Klosters unvermeidlich ist“ und die Schwestern eine Entscheidung bezüglich der Übersiedlung in ein Schwesternaltenheim treffen mögen. Doch die Schwestern haben keine Entscheidung getroffen. Daraufhin kam die Religiosenkongregation zu der Überzeugung, dass die Schwestern sich weigern, die unvermeidliche Auflösung des Klosters zu akzeptieren und an den hierfür notwendigen Entscheidungen mitzuwirken. Daher wurde im Februar 2016 der Erzbischof von München und Freising von der Religiosenkongregation ausdrücklich beauftragt zu klären, wie sich die nun noch verbliebenen vier Schwestern ihre Zukunft ohne den Reutberg vorstellen, und der Religiosenkongregation „die Ausführung dieser Anweisung zu bestätigen“.

Warum engagiert sich die Erzdiözese am Reutberg?
Die Erzdiözese übernimmt die Verantwortung für den Reutberg, da es für sie wichtig ist, über Jahrhunderte hinweg christlich geprägte Kloster- orte für die Gegenwart und Zukunft zu erhalten. Deswegen hat sie in den vergangenen Jahren die Verantwortung für das Kloster Beuerberg, das Ursulinenkloster in Landshut und das Birgittinnen-Kloster in Altomünster übernommen. Die für die Menschen wichtigen Klosterorte sollen zukünftig nicht als Luxushotels, Wohnanlagen oder Betriebe genutzt werden, sondern weiterhin Orte der Seelsorge, der Bildung und des Gebets sein. Sie sollen auf die seelsorglichen Anforderungen der Zukunft ausgerichtet sein und dabei soweit möglich an die jeweilige Spiritualität und das Gründungscharisma der Ordensleute anknüpfen. So wird zum Beispiel im Ursulinenkloster in Landshut das Bildungsangebot weiter ausgebaut und für das Birgittinnen-Kloster Altomünster wird diskutiert, ob es als diözesanes Haus der Stille genutzt werden könnte.

Weitere häufig gestellte Fragen und Antworten finden sie hier.

Wann muss ein Kloster aufgelöst werden?
Ein Konvent muss rechtlich und tatsächlich selbständig existieren können. Voraussetzungen hierfür sind: Die Leitungsämter, beispielsweise das Amt der Oberin und eine Schwester, die für wirtschaftliche Fragen und Verwaltung zuständig ist, müssen besetzt werden können, die Gemeinschaft darf nicht überaltert sein und die Zahl der Schwestern darf nicht zu gering sein. Im Fall der Organisationsform des Reutberger Konvents darf die Zahl fünf nicht unterschritten werden.

Was passiert nach der Auflösung mit dem Besitz des Klosters Reutberg?
Die Franziskanerinnen am Reutberg haben in ihren Ordensregeln in eigener Verantwortung festgelegt, dass im „Fall der Auflösung des Klosters Reutberg (…) das Klostervermögen an das Erzbistum München und Freising“ fällt. Dabei beziehen die Schwestern sich in ihren Ordensregeln auf das Kirchenrecht: Ein rechtlich selbstständiges Nonnenkloster aufzuheben, steht dem Apostolischen Stuhl zu, unbeschadet der Vorschriften der ordenseigenen Regeln hinsichtlich des Vermögens. Rom wird bei der Übertragung des Besitzes dem Willen der Schwestern entsprechend vorgehen. Im vergleichbaren Fall des ehemaligen Birgittinnen-Klosters von Altomünster wurden dem Erzbistum Liegenschaften im Wert von etwa zehn Millionen Euro übertragen. Dem stehen unausweichliche Investitionen wie die Sanierung der Gebäude und die Restaurierung von Kunstgegenständen oder Archivalien von mindestens 40 Millionen Euro gegenüber. Auch im Fall Reutberg sind erfahrungsgemäß sehr hohe Kosten für Renovierung und Umbau zu erwarten.

Was sind die Planungen der Erzdiözese für die Zukunft des Klosters Reutberg?
Das Kloster Reutberg soll zu einem Pastoralen Zentrum entwickelt werden. Dazu gehört, dass zwei oder drei Patres der Familienmissionare in das Kloster ziehen werden, um in der Region die Seelsorge mit zu gestalten. Es sollen Räume für Veranstaltungen von Pfarreien, kirchlichen Verbänden entstehen. Denkbar sind Angebote in den Bereichen Familienseelsorge, Nachhaltigkeit, Tourismusseelsorge oder Ökumene. Ebenso wird es weiterhin den Klosterladen geben. Möglicherweise könnten Pfarrverbände aus der Region ihre Verwaltung auf dem Reutberg ansiedeln. Auch kulturelle Angebote werden in den Blick genommen.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Zukunft Kloster Reutberg

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