Geheimtipps Fast vergessene Wallfahrtsorte

14.06.2019

Birkenstein oder Maria Birnbaum - diese Pilgerorten sind im Erzbistum München und Freising vielen bekannt. mk online stellt drei unbekannte oder fast vergessene Wallfahrtskirchen vor.

Die kleine Wallfahrtskirche Maria Bründl bei Landshut.
Die kleine Wallfahrtskirche Maria Bründl bei Landshut. © EOM, HA Kunst, Tassilo Letzel

Wallfahrt mit Wasser: Maria Bründl bei Landshut

Wer diese kleine Wallfahrtskirche besuchen will muss wirklich ein paar hundert Meter zu Fuß gehen. Höchstens mit dem Radl ist der schmale Wanderweg, der weiter nach Salzdorf, führt zu befahren. Direkt neben der kleinen Kirche breiten sich schon die Felder aus. Wie der Name Maria Bründl schon sagt, ist die kleine Wallfahrt durch eine Quelle entstanden. Viele Jahre lang war sie versiegt, bis sie im 1661 plötzlich wieder zu fließen begann. Der Landshuter Handwerker Thomas Amplatz war davon so berührt, dass er die Quelle zuerst mit einem Holzgeländer einfasste. Schon kurz danach stellte er eine Säule mit einem Marienbild davor auf und ließ eine Kapelle erreichten. Die Landshuter Bürger pilgerten begeistert zu dieser idyllischen Wallfahrtsstätte. Schon zwei Jahre nach dem Bau der Kapelle pilgerte auch der bayerische Kurfürst Ferdinand Maria dorthin. Bald darauf ersetzte eine steinerne Kapelle die aus Holz gezimmerte. In einem kleinen Anbau wohnte auch ein Einsiedler. Die Kapelle wurde weiter vergrößert ausgemalt und schließlich zur Kirche geweiht. Und die Landshuter kamen treu nach Maria Bründl, füllten das wundertätige Wasser in Flaschen ab und spendeten Votivtafeln. In der Aufklärungszeit hielt das der zuständige Pfarrer für Aberglauben, ließ die Votivtafeln abnehmen und die Malereien zuweißeln. Erst vor rund 50 Jahren haben Restauratoren sie wieder freigelegt. Ein bisschen Wallfahrt ist auch geblieben: Einmal im Monat kommen Beter zum Fatima-Rosenkranz zusammen. Am 13. Juli um 16.00 Uhr ist es wieder so weit.

Die Wallfahrtskirche Allerheiligen in Warngau.
Die Wallfahrtskirche Allerheiligen in Warngau. © wikipedia/Rufus46

Gedränge im Himmel: Allerheiligen in Warngau

Es hätte nicht viel gefehlt und nur noch die älteren Warngauer würden die Wallfahrtskirche Allerheiligen kennen. 1980 war sie fast einsturzgefährdet und Baufachleute dachten laut über einen Abriss nach. Die Warngauer wollten das aber nicht mitmachen und spendeten so eifrig, dass das Gotteshaus in den darauffolgenden Jahren renoviert werden konnte. Mit dem Abriss wäre auch eine lange Wallfahrtstradition endgültig zu Ende gegangen. Seit dem Mittelalter sind zunächst vor allem Fuhrleute zur Kirche gepilgert, die aus einer Kapelle hervorgegangen ist. Sie beteten oder dankten dort für eine gute Reise, denn Allerheiligen liegt an der alten Verbindungsstraße von München nach Tirol. Um für wirklich jedes Anliegen einen passenden Ansprechpartner zu haben, beteten sie dort zu allen Heiligen. Auf dem alten Seitenaltarblatt ist das eindrucksvoll zu sehen. Darauf drängen sich Märtyrer, Nothelfer, Männer und Frauen, die sich ganz Gott und dem Nächsten gewidmet haben. Im Hochaltarbild ist dieser Heiligenhimmel noch einmal dargestellt. Davor steht eine Figur des heiligen Leonhard, des Pferde- und Viehpatrons. Ihm zu Ehren kommen die Menschen aus der Umgebung Ende Oktober immer zu einer Leonhardiwallfahrt zusammen. Sie war jahrzehntelang eingeschlafen, bis ein Komitee sie 1983 wiedereingeführt hat. Und weil die Warngauer stolz auf ihre Wallfahrtskirche sind, öffnen ehrenamtliche Helfer sie jeden Sonntag im Sommer um 14.00 Uhr und laden zur Besichtigung ein.

St. Mariä Himmelfahrt in Pürten
St. Mariä Himmelfahrt in Pürten © wikipedia/S. Finner

Heilung per Buch: Pürten bei Waldkraiburg

Vor 1000 Jahren waren Bücher kein Gebrauchsgegenstand, sondern so kostbar, dass sie fast als heilig galten. In dem kleine Ort Pürten landete wahrscheinlich über Adelsbeziehungen eine kostbare Evangelien-Handschrift. Die wurde immer weniger zum Lesen und immer mehr zum Heilen benutzt. Pilger, die an Beschwerden im Kopfbereich litten bekamen dieses Buch vier Nächte hintereinander unter das Haupt gelegt. Einen solchen Kult hat es in ganz Europa nur in Pürten gegeben. Das sogenannte Mirakel- oder Wunderbuch ist längst in einem klimatisierten Tresor der Bayerischen Staatsbibliothek untergebracht. Schließlich ist die Handschrift, die wohl aus dem französischen Reims stammt, über 1100 Jahre alt. Und auch die Wallfahrt ist längst eingeschlafen. Immerhin ist eine Kopie der Kostbaren Handschrift in der Pürtener Kirche geblieben. Und eines der Fresken zeigt die selige Prinzessin Alta aus Frankreich, die dieses heilende Buch nach Pürten gebracht haben soll. Und der Glaube daran hat wohl tatsächlich vielen Wallfahrern geholfen, bis ins Jahr 1781 sind Heilungen dokumentiert. Zum Dank haben Pilger sogar lebensgroße Wachsporträts gestiftet, die sie im Gebet zeigen. Drei davon sind in Pürten erhalten geblieben. Auch das eine Seltenheit, denn die meisten dieser Figuren sich eingeschmolzen worden, um Kerzen daraus zu ziehen. Am Samstag, dem 15. Juni beten die Gläubigen dort um 17.00 Uhr einen Rosenkranz.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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