Reaktionen auf Brand in Notre-Dame Feuer kann zu einer „Wiederauferstehung“ Frankreichs führen

16.04.2019

Pfarrer Marc Grosstephan, Leiter der französischsprachigen katholischen Gemeinde in München, zeigt sich nach dem Brand in Notre-Dame zugleich erschüttert und hoffnungsvoll. Auch Kardinal Marx hat sich zu dem verheerenden Feuer in der Pariser Kathedrale geäußert.

Passanten beten und singen gemeinsam angesichts des Feuers in der Pariser Kathedrale Notre-Dame.
Passanten beten und singen gemeinsam angesichts des Feuers in der Pariser Kathedrale Notre-Dame. © imago/ZUMA Press

München – Pfarrer Marc Grosstephan saß gerade mit Gästen beim Abendessen, als er eine SMS erhielt: Freunde aus Frankreich schrieben "Notre-Dame brennt". Als der Pfarrer die Bilder sah, war sein erster Gedanke: "Da verbrennen jetzt fast 1000 Jahre Geschichte und unglaubliche Kunstschätze." Es sei ein fürchterlicher Anblick für ihn gewesen.

Für Grosstephan ist Notre-Dame nicht nur eine Kirche, sondern "ein religiöses Symbol Frankreichs. Sie war immer Zeuge der großen Ereignisse der französischen Geschichte". Persönlich verbinde er mit Notre Dame seine vielen Besuche dort.

Identität Frankreichs

Durch den Brand sei etwas zerstört worden, aber gleichzeitig eine unglaubliche Solidarität entstanden, so der Leiter der französischsprachigen katholischen Gemeinde in München. "Das Land ist zerrissen, und der Präsident hat verzichtet, eine große Rede zu halten, um dort zu sein. Das zeigt, wie wichtig dieses Gebäude ist. In ihm ist die Identität Frankreichs", betonte Grosstephan im Münchner Kirchenradio.

Pfarrer Marc Grosstephan, Leiter der französischsprachigen katholischen Gemeinde in München
Pfarrer Marc Grosstephan, Leiter der französischsprachigen katholischen Gemeinde in München © SMB/Burkhard

Bis 1 Uhr morgens saß Pfarrer Grosstephan vor dem Fernseher und fieberte mit. Mittlerweile ist der Brand in der Pariser Kathedrale vollständig gelöscht. Die Grundsubstanz der Kirche sowie die Fassade mit den beiden Haupttürmen wurde offenbar gerettet. Ebenso unversehrt blieben anscheinend wichtige Gemälde, Kunstgegenstände und Reliquien, darunter auch die traditionell verehrte Dornenkrone Jesu.

"Das Land wieder einen"

Für Frankreich, so glaubt Pfarrer Grosstephan, kann dieser Brand etwas positives bewirken: "Wir müssen versuchen, uns zu verständigen und einen Weg finden, um dieses Land wieder zu einen. So wäre das Feuer nicht sinnlos, sondern würde zu einer Wiederauferstehung des Landes führen. Eine sinnträchtige Botschaft gerade in der Karwoche."

Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame am 15. April
Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame am 15. April © imago/ZUMA Press

Mit Fassungslosigkeit und Erschütterung hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, auf den verheerenden Brand reagiert. In einem Brief an den Erzbischof von Paris, Michel Aupetit, schreibt Kardinal Marx: „Was gestern mit Ihrer Bischofskirche Notre Dame geschehen ist, lässt sich nicht in Worte fassen. Ich übermittle Ihnen, den Gläubigen des Erzbistums Paris und allen Menschen Frankreichs meine tief empfundene Anteilnahme.“

Kardinal Marx "Ein Ort der Trauer"

Mit dem Feuer und der weiten Zerstörung von Notre Dame sei das Herzstück des katholischen Glaubens in Paris ebenso getroffen worden wie eines der Wahrzeichen ganz Frankreichs und Europas. „In Notre Dame haben sich über Jahrhunderte Baustile, Kunstgeschichte und bedeutende historische Ereignisse vereint, die den europäischen Kontinent mit prägten. In der Sprachlosigkeit über diesen Schicksalsschlag für Ihr Land versichere ich Ihnen das Gebet der Gläubigen in Deutschland“, schreibt Kardinal Marx. Die Kathedrale von Paris sei jener Ort, an dem französische Geschichte geschrieben und angesichts nationaler Katastrophen in Trauer und Gebet gedacht wurde: „Jetzt ist dieser Ort der Einkehr selbst ein Ort der Trauer. Die Karwoche mit ihren aufrüttelnden Bildern und Texten ist für Paris, Frankreich und Europa zu einer Woche tiefster Trauer geworden“, so Kardinal Marx. (tb/im/kna/pm)


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