Jahresabschluss und Haushalt Finanzen: Erzbistum gut aufgestellt

20.06.2018

Solide, ausgeglichen und gut gerüstet für die Aufgaben in der Zukunft – das sind die Eckpunkte für den Jahresabschluss 2017 und den Haushalt 2018 der Erzdiözese München und Freising. Die Erträge aus der Kirchensteuer stiegen um rund fünf Prozent an.

Sie stellten den Haushalt 2018 vor (v.l.): Stefan Fritz, Geschäftsführer der Stiftungen Bischof Arbeo, St. Antonius und St. Korbinian, Generalvikar Peter Beer und Finanzdirektor Markus Reif.
Sie stellten den Haushalt 2018 vor (v.l.): Stefan Fritz, Geschäftsführer der Stiftungen Bischof Arbeo, St. Antonius und St. Korbinian, Generalvikar Peter Beer und Finanzdirektor Markus Reif. © Kiderle

München – Der Blick ist ganz klar nach vorne gerichtet, in die Zukunft. Nachdem das Erzbistum München und Freising mittlerweile im dritten Jahr in Folge seinen Jahresabschluss nach den Prinzipien des Handelsgesetzbuches für große Kapitalgesellschaften ablegt, bewege man sich auf „einer soliden Basis“, erklärt der Generalvikar des Erzbistums München und Freising, Peter Beer, gleich zu Beginn der Bilanzoffenlegung. Aktuell nehme das Tagesgeschäft seinen Lauf, sagt Beer, in Zukunft sehe sich die Erzdiözese jedoch großen Herausforderungen gegenüber. Dazu gehörten der zu erwartende zahlenmäßige Rückgang des pastoralen Personals oder etwa die Frage, wie leerstehende Klöster künftig genutzt werden könnten. Explizit weist der Generalvikar darauf hin, dass die Mittel, die für den Erhalt dieser denkmalgeschützten Gebäude aufgewendet werden müssen, den Vermögenszuwuchs bei Weitem überstiegen. Als Beispiel führt der Generalvikar des Erzbistums München und Freising das Birgittinnen-Kloster in Altomünster an, wo ein Vermögenszuwachs von rund 10 Millionen Euro aus dem Klostergebäude und unbebauten Grundstücken die erforderliche Investitionshöhe von 40 Millionen Euro nicht aufwiegen kann.

Ressourcen anders binden

Des Weiteren sind Veränderungen in der Pfarreienlandschaft zu beobachten: Während in Ballungszentren wie München neue Stadtteile aus dem Boden sprießen würden, gebe es anderswo stetig schrumpfende Pfarreimitglieder zu beklagen. Ergo gebe es immer mehr Menschen, die nicht mehr über die traditionelle Pfarrei in Kontakt mit Kirche kämen. Beer geht es um eine „neue Form der Präsenz von Kirche“. Gerade vor dem Hintergrund eines unumgänglichen Wandels müsse das Erzbistum Ressourcen anders binden, um „handlungsfähig zu bleiben“ und „agieren statt reagieren“, konstatiert der Generalvikar. Bei den Überlegungen in punkto langfristiger Planungen setzt Beer auf den Dialog. „Gemeinsam die Kirche gestalten, in der wir leben“ – ein diskursiver Ansatz, bei dem jeder Beitrag willkommen sei.

Erhöhung der Bilanzsumme

Insgesamt beläuft sich die Bilanzsumme des Erzbistums auf 3,368 Milliarden Euro, was einer Erhöhung um 106 Millionen im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Der Finanzdirektor der Erzdiözese, Markus Reif, spricht von einer „stetigen Weiterentwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse“. Das in der Bilanz abgebildete Vermögen gliedert sich in Sachanlagen in Höhe von rund 1,31 Milliarden Euro (plus 27 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr), wobei die bebauten und unbebauten Grundstücke der Erzdiözese mit etwa 1,2 Milliarden bewertet sind und Finanzanlagen in Höhe von rund 1,465 Milliarden Euro.

Stand 2016 noch ein negatives Jahresergebnis mit minus 68 Millionen Euro zu Buche, ergibt sich summa summarum für das Jahr 2017 ein positives Jahresergebnis von 115 Millionen Euro. Wie der Gewinn-und Verlustrechnung zu entnehmen ist, sind die Erträge der Erzdiözese um circa 15 Millionen Euro auf insgesamt 848 Millionen Euro (Vorjahr: 833 Millionen Euro) gestiegen. Größter Faktor ist hierbei ein Zuwachs bei den erhaltenen Kirchensteuereinnahmen; diese beliefen sich 2017 auf 640 Millionen, was einem Plus von 8,5 Prozent zu 2016, da waren es noch 590 Millionen Euro, gleichkommt. Größter Posten auf Seite der Aufwendungen sind, wie zu erwarten, die Personalaufwendungen mit knapp 300 Millionen Euro. Die Fixkosten in diesem Bereich stiegen stetig, versichert Finanzdirektor Reif, was generell eine konservative Planung erforderlich mache.

Erzbistum stellt Jahresabschluss 2017 und Haushalt 2018 vor.
Erzbistum stellt Jahresabschluss 2017 und Haushalt 2018 vor. © Kiderle

Stiftungen in operativer Phase

Den Schritt aus einer konstituierenden in eine operative Phase seien indes die drei vermögensverwaltenden Stiftungen der Erzdiözese gegangen, wie deren Geschäftsführer Stefan Fritz, betont. Die Aufgaben der drei Stiftungen sind an den Grundaufträgen der Kirche orientiert: Verkündigung und Bildung sind Zweck der Bischof-Arbeo-Stiftung, die über eine Bilanzsumme von 721 Millionen Euro verfügt (Vorjahr: 715 Millionen Euro). Die St. Antonius-Stiftung mit einem Vermögen von rund 693 Millionen Euro (Vorjahr: 686 Millionen Euro) hat sich die Förderung des Dienstes am Nächsten, also die Caritas, auf die Fahne geschrieben, während die St. Korbinian-Stiftung mit einem Bilanzergebnis von 695 Millionen Euro (Vorjahr: 688 Millionen Euro) die kirchliche Seelsorge und das gemeindliche Leben zur Aufgabe hat. Um das Vermögen der Erzdiözese langfristig und mit dem Zweck der Nachhaltigkeit zu erhalten, wurden 2015 noch beträchtliche Vermögensanteile in Höhe von knapp 1,3 Milliarden Euro an die drei Stiftungen transferiert. Hinsichtlich der Förderung der Stiftungen solle ein transparentes Auftrags- und Reporting-System eingeführt werden.

Weitere bilanzierte Rechtsträger

Ebenfalls nach den Richtlinien des Handelsgesetzbuches legten die Emeritenanstalt, welche die Pensionen der Priester sichert, mit einem von 307,3 Millionen Euro (Vorjahr: 314,9 Millionen Euro) sowie der Erzbischöfliche Stuhl, dessen Bilanzsumme sich auf 54,4 Millionen Euro (Vorjahr: 55,6 Millionen Euro), Rechnung. Das Vermögen der Knabenseminarstiftung, deren Zweck insbesondere die Förderung der Studienseminare der Erzdiözese ist, beläuft sich zum 31. Dezember 2017 – gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert – auf 16,1 Millionen Euro. Das Vermögen der Klerikalseminarstiftung, die der Ausbildung der künftigen Priester der Erzdiözese dient, beträgt 108 Millionen Euro (Vorjahr: 107,7 Millionen Euro).

Haushalt für das Jahr 2018

Was die Haushaltsplanung des Erzbistums München und Freising für das Jahr 2018 betrifft, visiert Reif ein ausgeglichenes Finanzergebnis an. Ins Auge stechen die angepeilten Investitionsausgaben in Höhe von 162 Millionen Euro. Knapp die Hälfte der Investitionen entfallen dabei auf Baumaßnahmen wie die Umgestaltung des Diözesanmuseums oder den Um- und Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses, beides auf dem Freisinger Domberg. Dazu kommen die Generalsanierung der St. Irmengard-Schulen in Garmisch-Partenkirchen, die Sanierung des Edith-Stein-Gymnasiums in Haidhausen und der Neubau eines Seminargebäudes für die Katholische Stiftungshochschule. Generalvikar Peter Beer spricht hinsichtlich der Vielzahl nötiger Bauvorhaben von einer notwendigen Priorisierung – immer mit Blick auf die Erfüllung der kirchlichen Grundaufträge.

Verantwortungsvolle Solidarität

Trotz der hier präsentierten guten Finanzzahlen sei ein Rückschluss auf das interne Ranking des Erzbistums München und Freising im gesamtdeutschen Bistums-Vergleich schwierig, wenn nicht unmöglich, so Generalvikar Beer. Wer einen Blick auf die Gesamtheit der deutschen Bistümer wirft, muss feststellen, dass gerade mal ein Viertel die Regeln des Handelsgesetzbuches für seine Bilanzierung nutzt und somit größtmögliche Transparenz gewährleistet. Was den Umgang der deutschen Bistümer mit ihren Finanzen angeht, hegt der Generalvikar den Wunsch einer "ehrlichen und offenen Diskussion auf sachlicher Basis und nicht auf der von Gefühlen". Zu diskutieren seien überdiözesane Verpflichtungen und Hilfsmaßnahmen für andere Bistümer: „Solidarität ist wichtig und wir sind dazu bereit, aber es muss eine verantwortungsvolle Solidarität sein“, blickt Beer in die Zukunft. (Tamara Wenger)

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Die Kirche und das liebe Geld

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