Ambulanter Hospizdienst Flächendeckende Hilfe

19.10.2016

Schwerstkranke und Sterbende auf ihrem Weg zu begleiten, ist eine große Herausforderung. Die Bedeutung des ambulanten Hospizdienstes kommentiert Alois Glück.

Alois Glück ist ehemaliger Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und Vorsitzender des „Netzwerk Hospiz“, eines Vereins für Hospizarbeit und Palliativbetreuung in Südostbayern. © imago/epd

Im vergangenen Jahr 2015 haben wir in Deutschland eine intensive, ja leidenschaftliche Debatte über den richtigen Weg der Hilfe und Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen geführt. Die Debatten im Deutschen Bundestag waren ein herausragendes Beispiel einer guten politischen Kultur. Die Entscheidung, dass die organisierte Unterstützung des Suizids und damit ähnliche Entwicklungen wie in Holland und anderen Ländern in Deutschland verboten wurden, ist ein wichtiges Ergebnis. Nun ist es aber auch die Bringschuld der Politik, aller gesellschaftlichen Kräfte und insbesondere auch der Kirchen, die heute möglichen Hilfen durch die Hospiz-und Palliativarbeit flächendeckend allen Menschen, die diese Hilfe brauchen, zugänglich zu machen.

Bei Umfragen bekunden etwa 70 Prozent der Menschen, dass sie in der verbleibenden Lebenszeit zu Hause sein möchten. In der Konsequenz bedeutet dies, mit den ambulanten Diensten der ehrenamtlichen Hospizbegleiter, der Ambulanten Allgemeinen Palliativversorgung (Hausarzt und pflegerische Palliativ-Fachkräfte) und in besonders schwierigen Krankheitssituationen mit den ärztlichen und pflegerischen Fachkräften der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung diese Hilfe auch zu leisten.

Das ist insbesondere für die ländlichen Bereiche mit ihren großen Distanzen eine große Aufgabe und eine große Herausforderung. Im Sinne der Vorsorge wichtiger Dienste für die Menschen (Daseinsvorsorge) wie ärztliche Versorgung und ausreichende Pflegeangebote muss deshalb auch diese Versorgungsstruktur ambulanter „Palliative Care Dienste“ ein notwendiger, ja selbstverständlicher Bestandteil des Gesundheitswesens werden, auch im ländlichen Raum. Dabei ist besonders zu bedenken, dass gegenwärtig gerade eine große Veränderung von der klassischen Hausarztpraxis mit Tag-und Nacht-Bereitschaft zu Gemeinschaftspraxen mit üblicher Arbeitszeit im Gange ist. Deshalb werden diese Netzwerke der Hospizbewegung gerade für die Menschen im ländlichen Raum besonders dringlich.


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