Michael Kerkloh geht in Ruhestand Flughafen-Chef lässt sich von den Zehn Geboten leiten

31.07.2019

Er ist ein ausgezeichnter Manager, spielt Orgel und singt auch mal gern die Matthäus-Passion von Bach: Michael Kerkloh ist ein Mann mit vielen Facetten.

Seit 17 Jahren lenkt Michael Kerkloh die Geschicke des Münchner Flughafens.
Seit 17 Jahren lenkt Michael Kerkloh die Geschicke des Münchner Flughafens. © Götzfried

München – Mehrfach ausgezeichneter Manager, erfolgreicher Musiker, der sogar einmal im Freisinger Dom die Orgel spielte, Band-Mitglied, katholisch, mit den Zehn Geboten als Richtschnur. Michael Kerkloh hat so viele Facetten, dass man den Münchner Flughafen-Chef in keine Schublade stecken kann. Heuer geht er nach 17 Jahren am Munich Airport in den Ruhestand. Und freut sich auf seine „zeitliche Autonomie – das zu tun, was ich gerade tun möchte“.

Werte sind dem Vorsitzenden der Geschäftsführung und Arbeitsdirektor der Flughafen München GmbH (FMG), so seit September 2002 sein offizieller Titel, immens wichtig. Er stammt aus einem katholischen Elternhaus, war Ministrant in Aalen. „Ich mag die Rituale der katholischen Kirche“, bekennt Kerkloh, „und ich mag es, wenn es in Gottesdiensten etwas prunkvoller zugeht, weil das Lebenslust ausstrahlt.“ Der verheiratete Vater eines Sohnes lehnt sich entspannt in seinem Stuhl am gläsernen Konferenztisch in seinem Büro zurück.Werte, die die katholische Kirche vertritt, hätten ihn schon in der Kindheit geprägt. „Sie sind mir nach wie vor wichtig“, erzählt der hellblonde Kerkloh.

Ein Freund des Miteinanders

Die Zehn Gebote lenken ihn durch sein Leben. „Am Ende geht es um ganz simple Dinge wie Nächstenliebe, wie Hilfsbereitschaft, wie Gemeinschaft“, zählt der 66-Jährige auf. Gemeinschaft – ein wichtiger Faktor am Münchner Flughafen. Für ihn sei die Kollegin, die für Sauberkeit am Flughafen sorge, genauso wichtig wie der Manager. „Wir sind eine große Flughafenfamilie“, erzählt Kerkloh, „dafür muss man auch etwas tun. Wir haben sehr unterschiedliche Familienmitglieder, auch das ein oder andere missratene Kind, aber eine Familie ist auch dazu da, schwierige Fälle zu integrieren.“ Überhaupt ist der besonnene Westfale ein Freund des Miteinanders und der Lösungen. Es gebe kein Problem, das man nicht lösen könne. Darin habe er „absolutes Gottvertrauen“. So ist es ihm unverständlich, dass Gegner der dritten Startbahn partout nicht mit ihm sprechen wollen. Für ihn ist das Projekt nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen unumgänglich, auch das Klima würde davon profitieren, da die Flugzeuge nicht unnötig Warteschleifen drehen müssten.

MK-Chefredakteurin Susanne Hornberger traf einen entspannten und tiefsinnigen Flughafen-Chef.
MK-Chefredakteurin Susanne Hornberger traf einen entspannten und tiefsinnigen Flughafen-Chef. © Götzfried

Doch was macht ein generell optimistisch gestimmter Kerkloh, wenn er sich doch mal extrem ärgert? Er geht auf den Besucherhügel: „Dort steht man ein bisschen über der Sache und kann Abstand gewinnen.“ Einer von vielen spirituellen Orten am Flughafen – so wie der „Marktplatz unter dem großen Dach“ oder der Garten neben dem Kempinski-Hotel, „man muss die Spiritualität nur zulassen“. Auch ein Flughafen benötige Räume, die nicht kommerzialisiert werden. Bei Stress sucht Kerkloh außerdem gerne Kirchen auf. Besonders wohl fühlt er sich in Domen oder französischen Kathedralen. „Im Freisinger Dom durfte ich mal an die Tasten und habe die Toccata und die Fuge von Johann Sebastian Bach gespielt“, sagt er nicht ganz ohne Stolz, „das war ein tolles Erlebnis. Dieser Dom ist prunkvoll, der hat alles, was ein emotionales Erlebnis braucht.“

Glücksmomente durch Musik

So setzt sich der Flughafen-Chef gerne einfach mal eine Viertelstunde „kontemplativ“ in eine Kirche. Auch während seiner unzähligen Reisen. Dann denkt er etwa an seine verstorbenen Eltern, zündet Kerzen an, „für alle Menschen, die mir lieb sind oder waren“. Und wenn Stress und Ärger so gar nicht verrauchen mögen, macht er Musik, spielt Geige („auch schon in einem Kammerorchester“) oder auf einer alten Hammondorgel, dem Klavier oder dem Keyboard. Oder Kerkloh singt. „Das Beste ist, Bachchoräle anzustimmen, echte Tiefenkontemplation“, verrät der Manager. „Es ist großartig, die Matthäus-Passion oder das Weihnachtsoratorium – beglückende Musik, Glücksmomente.“ Zum 25. Geburtstag des Münchner Flughafens hat Kerkloh die rund 10.000 Mitarbeiter im FMG-Konzern mit einem selbst komponierten und eingespielten Song überrascht. Man fragt sich, aus welcher Rippe sich dieser umtriebige Workaholic noch die Zeit für all das schneidet. „Och, das mach ich eben am Abend“, winkt Kerloh ab.

Neugierig aufs Paradies

Der Luftfahrt-Experte glaubt an Gott – und an Schutzengel. „Meiner ist natürlich der heilige Michael. Was übersetzt heißt: Wer ist wie Gott? Michael hat Gott verteidigt. Er beschützt mich.“ Wie Kerkloh sich das Leben nach dem Tod vorstellt? Er überlegt. „Anregend“, meint der 66-Jährige, „ich weiß nicht, wem ich begegnen werde, aber ich bin ein bisschen neugierig darauf.“ Vielleicht den Eltern? Er würde sich freuen, sie wiederzusehen, „die gucken vielleicht auch zu und denken, was redet der da jetzt. Lebt er das jetzt noch, was wir ihm beigebracht haben? Tue ich aber im Wesentlichen!“

Die Autorin
Susanne Hornberger
Münchner Kirchenzeitung
s.hornberger@st-michaelsbund.de


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