Anspruch auf Betreuungsplätze Förderwahnsinn oder Wohlfühlkrippe

31.07.2013

Vor Kurzem lag der Hochglanz-Flyer einer Kinderkrippe in unserem Briefkasten. „Multilinguale Erziehung“ las ich da. Und war wieder mal glücklich, dass meine beiden Kinder unser absolutes Wunschkinderhaus besuchen:

Stefanie Schmid ist Radioredakteurin beim Sankt Michaelsbund (Bild: Karsten Schmid)

Eine Elterninitiative mit viel Arbeitseinsatz unsererseits, freundschaftlichem Verhältnis zu anderen Eltern und Team – ohne Förderwahnsinn.

Aus blanker Neugierde schaute ich auf die Seite der neuen Super-Krippe. Der Preis erstaunte mich nach diesem Flyer nicht: 800 Euro für einen Krippenplatz. Wer kann sich das leisten? Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige, der zum 1. August in Kraft tritt, hat solchen Einrichtungen Tür und Tor geöffnet. Die Stadt München subventioniert sie. Wird sie aber auch der suchenden Familie sagen: „Bitte schön, am anderen Ende der Stadt gibt es einen Platz für ihr Kind – für 800 Euro“?

Ganz klar, es hat sich was getan seit meiner ersten Krippenplatzsuche vor fünf Jahren. Wer sich heute bemüht, da bin ich sicher, wird in München fündig. Aber: In was für einer Einrichtung? Wir machten unsere erste Krippenerfahrung in einer Kita, in der die Eltern die Kinder nur morgens abgeben und abends abholen wollten, ohne Interesse dran, was die Kleinen dort tagsüber machten. Ich war heilfroh als wir nach einem Jahr wechseln konnten. Woran viele Einrichtungen kranken, ist der Mangel an Personal. Aber wenn das gesamte Team gesucht wird, vom Kinderpfleger über die Erzieherin bis zum Leiter, ist die Frage erlaubt, wer die angepriesene multilinguale Erziehung und das Baby-Yoga leistenwird. Mal ganz abgesehen von den wirklich wichtigen Aufgaben wie dem Reiswaffel mit-Honig-Schmieren, Windeln wechseln oder einfach in den Arm nehmen.

Stefanie Schmid ist Radioredakteurin beim Sankt Michaelsbund

 

 


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