Volksbegehren "Rettet die Bienen" Forderungen an dich und mich

28.01.2019

Wenn wieder mehr Insekten durch unsere Landschaft schwirren sollen, dann bedeutet das größere Opfer als wieder öfter die Windschutzscheibe putzen zu müssen.

Mehr Hummelflug über Bayerns Felder und Fluren fordert das Volksbegehren. © Imago

Es war mühselig die festgeklebten Mücken, Schnaken und Fliegen von der Windschutzscheibe zu wischen. Und im Kühlergrill hingen unansehnlich die angetrockneten Kohlweißlinge und die Zitronenfalter. Wer um die 40 ist, kennt die Zeiten noch, als Insekten über den Landstraßen flogen und beim Tankstopp der Griff zu Schwamm und Wisch-Wasser genauso dazu gehörte wie der Griff zum Zapfhahn. Das vermisst im Alltag heute niemand, genauso wie die Insekten selbst. Die haben allgemein keine gute Lobby, denn sie stechen, bauen Nester im Speicher oder krabbeln eklig über den Tisch. Darum nennt sich die Initiative, die in dieser Woche startet, lieber „Rettet die Bienen! Volksbegehren Artenvielfalt“. Wer wollte da widersprechen. Schon Grundschüler lernen: Ein großer Teil der Ernte hängt von den Bienen ab. Und so ein Volksbegehren hat außerdem immer den Reiz, denen „da oben“ einmal zu zeigen, wo´s langgeht. Die Katholische Landjugendbewegung im Erzbistum München und Freising unterstützt es genauso wie der Diözesanrat in der Erzdiözese.
Mit der Landwirtschaft, nicht gegen sie

Wer sich durch die Internetseite des Volksbegehrens klickt, merkt schnell, dass es immerhin kein billiges Bauern-Bashing gibt. Die Initiatoren von der Ökologisch-Demokratischen Partei fordern die Einbindung der Landwirte und die gezielte politische Förderung einer naturschonenden Landwirtschaft. Mehr blühende Wiesen und weniger Pestizide. Natürlich ist das vernünftig, mir kommt aber eines zu kurz. Auch ich als Bürger werde mich da umstellen müssen. Denn intensiver Raps- oder Maisanbau mag ökologisch schädlich sein, er sorgt aber für billigen Bio-Diesel und für niedrige Fleischpreise. Ich werde es Steuerzahler mitfinanzieren müssen, dass Betriebe umrüsten können, die bisher für diese Art der Landwirtschaft Fördergelder bekommen haben. Es müssen auf europäischer Ebene große Pakete aufgeschnürt werden, die in sich bislang funktioniert haben. Die Preise für Lebensmittel und Strom sind für den Verbraucher relativ günstig, auf Kosten der Artenvielfalt und der Bodenbelastung.
Es bedeutet zumindest für eine längere Übergangszeit, mehr Geld für das tägliche Essen oder Energie ausgeben zu müssen, das nicht mehr für den Urlaub oder technische Geräte zur Verfügung steht. Es bedeutet, oje, oje, über Verzicht nachdenken und ihn auch leisten zu müssen. Und das ist noch viel unbequemer, als Mücken und Schnaken von der Windschutzscheibe wischen zu müssen, was vielleicht ja wieder zurückkehrt.
Es geht um Verzicht

Diese Ehrlichkeit fehlt mir in dem Volksbegehren für die unbestreitbar wichtige Artenvielfalt. Es betrifft dich und mich. Vielleicht sehe ich einiges zu eng. Schließlich kann ich mich selbst genau erinnern, wie vor 40 Jahren es nur ein paar angebliche Spinner für möglich gehalten haben, große Mengen an Solarstrom zu produzieren. Doch auch das hat Geld und ein grundsätzliches Umdenken erfordert.
Akzeptiert hat es die Gesellschaft nicht zuletzt deshalb, weil sich kaum jemand zu einem veränderten Konsumverhalten gezwungen sah. Das könnte bei der Bewahrung der Artenvielfalt dieses Mal aber anders sein. Ich selbst werde mich für das Volksbegehren eintragen. Es ist mir als Christ wichtig, Gottes Schöpfung, die in die Hand der Menschen gelegt ist, zu erhalten.

Ich weiß aber auch, das fordert meinen persönlichen Beitrag, mein persönliches Opfer. Das kann mir niemand abnehmen und ich unterschreibe damit auch eine Forderung an mich selbst.

Audio

Zum Nachhören

Kommentar zum Volksbegehren im Münchner Kirchenradio

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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