Kirche und Klima Forscher Schellnhuber: Franziskus entscheidender als Trump

28.09.2017

Der Klima-Experten Hans-Joachim Schellnhuber war zu einem Studientag mit den Deutschen Bischöfen eingeladen. Im Gespräch mit mk-online weist er den Kirchen eine wichtige Rolle zu.

"Schöpfungsverantwortung nach Laudato Si" war das Thema des Studientags. © fotolia/stockWERK

Fulda – Durch die jüngsten Sturmkatastrophen sieht er sich bestätigt: „Die Ozeane werden immer wärmer und das begünstigt physikalisch große Hurricans.“ Hans Joachim Schellnhuber ist Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und gilt weltweit als einer der wichtigsten Experten auf diesem Gebiet. Auf Einladung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat er die katholischen Oberhirten bei einem Studientag an diesem Mittwoch ins ökologische Gebet genommen. Dabei sieht der Nicht-Katholik Schellnberger die große Bedeutung der katholischen Kirche und den Willen „zur Selbstbekehrung“, wenn es um den Klimaschutz geht: Sie habe sich „am explizitesten dafür ausgesprochen, dass die Bewahrung der Schöpfung für jeden Gläubigen im Zentrum des Denkens und des Handelns sein müsste und das ist natürlich ein großer Faktor in der Debatte“, betont Schellnhuber gegenüber mk-online. „Wenn sich die katholische Kirche hier engagieren will, und zwar weit über die Sonntagsreden hinaus, auch in der Praxis, dann macht das möglicherweise den entscheidenden Unterschied.“ Er habe aber den Eindruck, dass „ich hier durch eine offene Tür schreite, zumindest durch eine halboffene“.

Sich schmerzlichen Wahrheiten stellen

Insbesondere Papst Franziskus spiele dabei eine entscheidende Rolle. Das Kirchenoberhaupt sei ein weltweites „Idol, jemand, dem man glaubt, dass er die Menschen liebt und von dem man auch weiß, dass er den Mut hat Dinge zu verändern“. Dagegen sei Donald Trump, der das Weltklimaabkommen in Frage stellt, nur „ein kurzfristiges Medienphänomen“. Deshalb halte er Papst Franziskus „für den Gang der Weltgeschichte und auch für den Gang des Weltklimas für unendlich wichtiger als Donald Trump“.

Mit dem Studientag hätten auch die deutschen Bischöfe die Schöpfungsverantwortung ganz bewusst ins Zentrum gerückt, so Schellnhuber. Er glaube, dass im Episkopat nun „die zweite Welle der Resonanz“ auf die Umweltenzyklika des Papstes, Laudato Si, und ein neues Nachdenken einsetzt. Das fange beim eigenen Dienstwagen an, setze sich aber bei der Verwaltung der eigenen Forste und landwirtschaftlichen Flächen fort. „Da werden einige schmerzliche Wahrheiten ans Licht kommen, aber ich glaube, dass man sich diesen schmerzlichen Wahrheiten jetzt stellen will.“ Insofern verlasse er die Bischofskonferenz in Fulda „durchaus ermutigt“.

Kirche: Schlafender Riese im Hinblick auf Ökologie

Beim Betrieb der kirchlichen Liegenschaften seien ihm bei diesem Studientag „eindrucksvolle Projekte vorgestellt worden, wo man die Emissionen in wenigen Jahren um 40 Prozent reduzieren konnte“. Schellnhuber würde sich wünschen, dass sich die gesamte katholische Kirche der „Divestment-Bewegung“ anschließt, also klimafeindliche Finanzanlagen abstößt und in erneuerbare Energien steckt. Zuallererst sollten die Bischöfe sich aber „bei der Regierungsbildung und den Koalitionsvereinbarungen zu Wort melden und einfordern, das Deutschland endlich einen Klimaschutzplan auflegt, der dem Pariser Abkommen angemessen ist“. Das sei bisher nicht passiert: „Da würde ich mir eine mutige Einlassung der katholischen Kirche wünschen.“

Die Bischöfe, die zusammen mit Schellnhuber den Studientag vorstellten, wollen das Thema jedenfalls weiterhin in den Vordergrund stellen. Der Umweltbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Weihbischof Bernd Uhl sprach von der Kirche als „schlafenden Riesen, was die Ökologie angeht“. Laudato si habe die Messlatte für die Schöpfungsverantwortung auch für die Kirche sehr hoch gelegt. Der Bamberger Erzbischof und Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Ludwig Schick, betonte die Bedeutung der internationalen Partnerschaften zwischen Pfarreien und Diözesen. Diese würden vor allem die Herzen von Menschen in Deutschland für die durch die Umweltzerstörung verursachte Not öffnen.

Hans Joachim Schellnhuber
Hans Joachim Schellnhuber © imago

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Umweltschutz

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