Zur Grenze des Begreifbaren Fragen ohne feste Antworten

18.02.2016

„Warum lässt Gott Leid zu?“, „Wo ist Gott?“, werde ich immer wieder gefragt. Als Seelsorger am Münchner Dom, als ehrenamtlich Engagierter bei den verwaisten Eltern, als Stephan, der zunächst am Krankenbett und Grab seiner Tochter und dann seiner Frau stand.

Stephan Häutle ist Diakon und Fortbildungsleiter für Ständige Diakone in der Erzdiözese München und Freising.

Ich weiß, viel wurde über diese Fragen nachgedacht. Vieles las ich dazu, hörte und sah ich mir an. Letztlich musste ich mir selbst meine Antwort suchen. Und ich bin mit meinem Suchen einer Antwort keineswegs zu Ende. Denn im zeitlichen Verlauf meiner Trauer und der Auseinandersetzung mit Gott wandeln sich meine Sichtweisen.

Auf „Warum?“, „Wieso?“, „Wozu?“ im Kontext von Leiden gibt es keine festen, sicheren Antworten für mich. Es gibt freilich viele Richtungen, in denen ich suchen kann! Keineswegs gibt es für mich einen Sinn an sich in Krankheit, Unglück, Katastrophen und so weiter. Es gibt Sinnlosigkeit! Es gibt Zeiten, da muss ich ohnmächtig die Macht des Leids erkennen. Da gilt es das Unbegreifbare, das Lebenszerstörende als Wirklichkeit anzunehmen und das Fragen, das Ringen als unerklärbar auszuhalten. Da verletzt jedes Wort des Trostes. Da kann ich nur schweigen und Dasein. Durchaus kann der Leidtragende für sich ein Weiterleben und eine Deutung finden. Ihn dabei zu unterstützen ist wertvoll. Doch nie soll Leid verklärt oder erklärt werden! Ich habe mich seit Jahren in die Schar der Menschen eingereiht, die mit Einbrüchen des Lebens, mit vielen Fragwürdigkeiten sich Gott gegenüber setzen. Sich im Leid mit Ihm auseinandersetzen, davon ist die biblische Botschaft und das Leben bis heute übervoll. Eines Tages – darauf vertraue ich – werde ich ganz Gott begegnen. Entweder kann ich Ihn dann um Antworten auf meine Fragen bitten oder in seinem Licht klären sich all meine Ungewißheiten. Zutiefst baue ich darauf – einen Gedanken von Dorothea Sölle aufnehmend: „Am Ende der Suche und der Frage nach Gott steht keine Antwort, sondern eine Umarmung!“, dass Er mich in seine Arme nimmt.

Das Seelsorgetelefon für Betroffene des Zugunglücks von Bad Aibling bleibt vorerst weiter freigeschaltet. Unter der Rufnummer (01 74)84 34 727 sind speziell geschulte Telefonseelsorger erreichbar. Gemeinsam mit der Notfallseelsorge soll Menschen bei der Verarbeitung des Zugunglücks geholfen werden. Die Hotline soll mindestens bis 9. März besetzt bleiben. Das Angebot richtet sich nicht nur an Opfer und Angehörige, sondern auch an Hilfskräfte oder Anwohner.


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