Beratungen im Vatikan Fragen und Antworten rund um die Amazonassynode

22.06.2019

Worum geht es eigentlich bei der sogenannten Amazonassynode im Oktober 2019? Wer nimmt daran teil? Und warum ist das für Europäer wichtig? Hier erfahren Sie die Antworten.

Im Mittelpunkt der Synode steht die Lage der Menschen im Amazonasgebiet.
Im Mittelpunkt der Synode steht die Lage der Menschen im Amazonasgebiet. © Grispb - stock.adobe.com

Vatikanstadt – Vom 6. bis 27. Oktober 2019 tagt im Vatikan eine Bischofssynode zu Amazonien. Das Arbeitspapier dieses Treffens wurde am Montag in Rom veröffentlicht. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zur Synode:

Was ist die Amazonien-Synode?

Vom 6. bis 27. Oktober beraten in Rom Bischöfe und andere Kirchenvertreter über seelsorglichen Fragen des Amazonasgebiets. Das Treffen findet auf Einladung von Papst Franziskus statt und steht unter dem Thema "Amazonien - neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie". Es handelt sich um eine sogenannte Spezialsynode für eine bestimmte Weltregion. Ähnliche Sonderversammlungen fanden 2010 für den Nahen Osten oder 2009 für Afrika statt.

Worum geht es?

Im Mittelpunkt stehen die Lage der Menschen im Amazonasgebiet und Herausforderungen für die katholische Kirche. Das Arbeitspapier der Synode legt Akzente auf die Probleme, die sich durch die Ausbeutung der Rohstoffvorkommen wie Holz, Erdöl, Gas und Edelmetalle und durch Monokulturen vor allem für die indigene Bevölkerung ergeben. Hierzu zählen Landkonflikte und Vertreibung sowie Umweltverschmutzung durch Bergbau und Rodung. Innerkirchliche Themen sind mehr Aufmerksamkeit für indigene Traditionen und die Seelsorge in dem riesigen und schwer zugänglichen Areal. Dabei sollen auch die Weihe verheirateter Familienväter, die Übertragung von Leitungsaufgaben an Laien und neue Ämter für Frauen diskutiert werden.

Wer nimmt an der Synode teil?

Synodenmitglieder von Amts wegen sind die Ortsbischöfe der betreffenden Region - also Amazonas-Bischöfe aus Bolivien, Brasilien, Ecuador, Peru, Kolumbien, Venezuela, Französisch-Guayana, Guayana und Suriname sowie die Spitzen von sieben Bischofskonferenzen, Vertreter der römischen Kurie und die Leitung des Panamazonien-Netzwerks REPAM sowie die Mitglieder des Vorbereitungsgremiums. Hinzu kommen 15 Ordensdelegierte und mehrere vom Papst direkt persönlich ernannte Teilnehmer. Ohne Stimmrecht sind ferner Experten und "Hörer" sowie Beobachter verschiedener Glaubensgemeinschaften und Institutionen dabei. Etwa 20 Indigene werden bei der Synode ihre Interessen vertreten, auch Unternehmensvertreter sind als Gesprächspartner eingeladen.

Wie läuft die Synode ab?

Der Papst hatte die Amazonien-Synode am 15. Oktober 2017 in Rom angekündigt und die Vorbereitung mit einem Besuch im peruanischen Puerto Maldonado am 19. Januar 2018 angestoßen. Am 8. Juni 2018 veröffentlichte das vatikanische Synodensekretariat ein Vorbereitungsdokument mit einem Fragenkatalog. Auf Grundlage der Rückmeldungen, unter anderem aus rund 260 lokalen und regionalen Vorbereitungstreffen, erstellte das Sekretariat das Arbeitspapier. Die Beratungen selbst umfassen Plenardebatten, an denen auch der Papst teilnimmt, und Kleingruppenarbeit. Eine wichtige Rolle als Moderator spielt der sogenannte Generalrelator, der brasilianische Kardinal Claudio Hummes.

Was macht die Synode für europäische Katholiken wichtig?

Das Amazonasbecken weist das zweitgrößte Waldgebiet der Erde auf und spielt eine wichtige Rolle für das Klima des Planeten. Die Zahl der Pflanzen- und Tierarten in dem 7 Millionen Quadratkilometer großen Areal ist bis heute nicht annähernd erfasst. Rodung und Umweltverschmutzung in dem ökologisch sensiblen Gebiet haben globale Auswirkungen. Innerkirchlich könnten neue Wege der Seelsorge im Amazonasgebiet Modellcharakter für schrumpfende Kirchen in Europa haben. Der Vatikan betont aber, dass sich Lösungen aus Lateinamerika nicht einfach kopieren lassen.

Was passiert mit den Ergebnissen der Synode?

Die Synodenteilnehmer verabschieden in der letzten Sitzungswoche ein Schlussdokument, das dem Papst übergeben wird. Es steht ihm frei, dieses Papier zu veröffentlichen. Eine rechtliche Wirkung hat das Dokument nicht. Üblicherweise stützt sich der Papst aber darauf bei der Abfassung eines eigenen nachsynodalen Schreibens. (Burkhard Jürgens/kna)


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