Vatikan Fragen und Antworten zum Anti-Missbrauchsgipfel

20.02.2019

Am Donnerstag beginnt im Vatikan ein internationaler Gipfel von Kirchenoberen zur Bekämpfung sexuellen Missbrauchs in der Kirche. Hier erfahren Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen zu dem Treffen.

Die Kuppel des Petersdoms im Vatikan
Die Kuppel des Petersdoms im Vatikan © Cristian Gennari/Romano Siciliani/kna

Was hat der Vatikan bislang gegen sexuellen Missbrauch unternommen?

Seit 2001 hat die Römische Glaubenskongregation die kirchlichen Strafverfahren bei Missbrauch an Minderjährigen durch Geistliche an sich gezogen und die Verjährungsfristen verlängert. Die Normen wurden 2010 nochmals verschärft. Seither greift das Kirchenrecht auch in vielen Fällen, die vor weltlichen Gerichten verjährt sind oder nicht als Straftaten gelten. Nach 2001 sind bei der Glaubenskongregation mehrere tausend Anzeigen zu Vorfällen aus den vergangenen 70 Jahren eingegangen.

 

Warum hat Papst Franziskus den Gipfel einberufen?

Auslöser waren Berichte über zahlreiche Missbrauchsfälle in den vergangenen Jahrzehnten, unter anderem in den USA, Chile und Deutschland. Papst Franziskus musste eigene Fehler beim Umgang mit Fällen in Chile einräumen. Zudem wurde ihm vorgeworfen, der Vatikan habe den langjährigen Washingtoner Erzbischof Theodore McCarrick (88) trotz zahlreicher sexueller Übergriffe gedeckt. Hinzu kamen Forderungen, die Ehelosigkeit der Priester zu lockern und die Sexualmoral der Kirche zu ändern.

 

Wer nimmt teil?

Unter den 190 Teilnehmern bilden die Vorsitzenden aller nationalen Bischofskonferenzen (einschließlich der Leiter der Ostkirchen) mit rund 140 die größte Gruppe. Hinzu kommen 12 männliche und 10 weibliche Ordensobere. Ferner nehmen die Chefs von 14 Vatikanbehörden, die verbliebenen Mitglieder des Kardinalsrates sowie einige Kinderschutzexperten, Missbrauchsopfer und Referenten teil.

 

Wie läuft das Treffen ab?

Anders als bei einer Synode wird es keine Schlussabstimmung über ein Dokument geben. Die Bischöfe und Oberen sollen vor allem zuhören und verstehen. Im Zentrum stehen die Themen Verantwortlichkeit und Transparenz. Missbrauchsopfer werden - auch per Videoaufzeichnung - von ihren Leiden berichten. An drei Tagen sprechen je drei Redner über die Themen "Verantwortung", "Rechenschaft" und "Transparenz" . Sechs der Referenten sind Erzbischöfe, drei sind Frauen. Als letzter Erzbischof spricht am Samstag der Münchner Kardinal Reinhard Marx. Der Papst fasst, nach einem Bußgottesdienst am Samstag und einer Heiligen Messe am Sonntag, die Ergebnisse in einer Grundsatzrede zusammen.

 

Welche Konsequenzen wird der Gipfel haben?

Franziskus wird in der Woche danach mit den Organisatoren über die Konsequenzen beraten. Geplant sind kurzfristige wie auch mittel- und langfristige Schritte. Auswirkungen wird es voraussichtlich bei der Priesterausbildung und im kirchlichen Strafrecht geben. Insbesondere soll kirchenrechtlich verbindlich festgelegt werden, wie künftig Bischöfe und Obere für Verbrechen oder das Vertuschen von Verbrechen zur Verantwortung gezogen werden. Um darüber hinaus grundlegende Änderungen in der Moraltheologie oder bei der Zölibatsvorschrift zu beschließen, wäre ein allgemeines Konzil notwendig. (Ludwig Ring-Eifel/kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirche und Missbrauch

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