Beziehung zwischen Gott und Mensch Fragen und Antworten zum Segen

23.03.2021

Kürzlich sprach sich die Römische Glaubenskongregation dagegen aus, homosexuelle Paare zu segnen. Doch was bedeutet Segen, und wer darf überhaupt segnen?

Zwei Menschen stehen vor einem Priester im Messgewand. Die Gesichter sind nicht zu sehen.
Segen bedeutet, etwas Gutes über jemanden zu sagen. © Jörg Loeffler/KNA

Was bedeutet Segen?

Das Wort „segnen“ stammt aus dem Lateinischen „signare“ und bedeutet „bezeichnen“ oder „mit dem Kreuzzeichen signieren“. Die Kirche spricht offiziell von „Benediktion“. Das kommt vom lateinischen „bene dicere“ und heißt „Gutes zusagen“. 

Der Segen ist ein heiliges Zeichen, denn darin begegnen sich Gott und die Menschen. Mit dem Segensgebet bedanken sich die Menschen für die Gaben Gottes. Der Mensch kann sich für Gottes Segen bedanken, weil Gott die Quelle allen Segens ist. Der Segen ist etwas Wechselseitiges: Wir preisen Gott, weil er uns gesegnet hat, und mit dem Segen bitten wir um die Gnade des Heiligen Geistes. An anderer Stelle des Katechismus +wird der Segen als Lobpreis Gottes bezeichnet. Meist ist mit dem Segen eine konkrete Bitte verbunden.

Was kann gesegnet werden?

Gesegnet werden können beispielsweise Menschen, Tiere, Gegenstände, Orte und Mahlzeiten. In vielen Gemeinden werden Fahrzeuge, aber auch Viecherl gesegnet. Auch das Tischgebet gilt als Segen. Kirchenpersonal, z.B. Ordensleute oder auch Lektoren, können mit dem Segen für ihre Tätigkeit bestärkt werden.

Wenn wir einen Menschen segnen, sagen wir ihm Gutes zu und wünschen ihm eine enge Beziehung zu Gott und besonderen Schutz durch ihn. Gleichzeitig loben und preisen wir Gott. Der Tiersegen erbittet den Schutz der Gesegneten und soll andererseits die Beziehung zwischen Gott und der Schöpfung stärken. Wenn wir einen Gegenstand segnen, dann soll das ausdrücken, dass der Gegenstand uns nützlich sein soll.

Wer kann segnen?

Um den Segen zu spenden, braucht es nicht zwangsläufig einen Priester. Dies wurde durch das Benediktionale festgelegt, das als offizielles Segensbuch gilt. So können Eltern ihre Kinder oder der Bauer sein Land segnen. Schließlich sind Christen bei der Taufe gesalbt worden und somit dazu berechtigt, selbst zu segnen. Im Gottesdienst sehen die Gläubigen, wie gesegnet wird und können es nachahmen. Der Segen durch den Priester will dazu einladen, den Segen auch in den Alltag zu integrieren.

Öffentliche Einrichtungen dürfen nur von Kirchenvertretern wie Priestern, Diakonen und Bischöfen gesegnet werden, da diese die Kirche vertreten. Bischöfe dürfen Segnungen vornehmen, die in enger Verbindung mit der Diözese stehen. Der Priester oder Diakon wiederum segnet die Pfarrgemeinde.

Darf die Kirche einen Segen verweigern?

Grundsätzlich darf laut Katechismus jeder Mensch einen anderen Menschen segnen, zum Beispiel Eltern ihr Kind. Wenn aber ein offizieller Segen von der Kirche erbeten wird, geht es gerade nicht mehr um den Segenswunsch von Einzelnen für Einzelne, sondern um ein Handeln der Kirche. Denn wenn die Kirche jemanden oder etwas segnet, bedeutet das, dass sie es gutheißt. So reagiert die Gesellschaft zum Beispiel mit Unverständnis, wenn die Kirche Waffen oder Atomkraftwerke segnen würde.

Die vatikanische Glaubenskongregation hat sich zuletzt gegen die Segnung homosexuelle Paare ausgesprochen. Begründet wird es damit, dass homosexuelle Beziehungen nicht mit der katholischen Glaubenslehre in Einklang zu bringen sind. Die Kongregation spricht von „Sünde“ in dem Zusammenhang. Für die Entscheidung der vatikanischen Glaubenskongregation gab es viel Kritik zum Beispiel vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken oder auch der Reformbewegung „Wir sind Kirche“. Der schwule Theologe Michael Brinkschröder bezeichnet die Argumentation als „billig“. (Maximilian Lemli, Volontär beim Sankt Michaelsbund)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirche und Sexualität

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