Palmsonntag bis Karsamstag Fragen und Antworten zur Karwoche

03.04.2020

Endspurt in der Fastenzeit - die Karwoche als Abschluss und Höhepunkt beginnt am Palmsonntag. Doch was hat es mit den Tagen eigentlich auf sich? Welche Bräuche gehören normalerweise in diese besondere Woche? Und was ist diesmal anders?

Kreuz, Dornenkrohne und Palmzweige
"Kar" bedeutet soviel wie Trauer oder Klage. © Frederica Aban - adobe.stock.com

Was ist der Palmsonntag?

Die Bibel berichtet, dass Jesus am Palmsonntag auf einem Esel reitend nach Jerusalem kam, um dort das jüdische Passahfest mitzufeiern. Die Menschen jubelten ihm zu. Daran erinnern die Feiern bis heute.

Was hat es mit den Palmen auf sich?

Laut biblischer Erzählung legten die Menschen in Jerusalem Palmzweige auf den Boden, damit der Esel mit Jesus nicht im Staub laufen musste. Heute bringen Gläubige in Deutschland normalerweise meist Zweige von Buchsbäumen mit in die Palmsonntagsfeier und lassen sie segnen; oft verteilen die Gemeinden auch selbst Palmbuschen. Viele Menschen stecken die gesegneten Zweige dann zu Hause hinter ein Wandkreuz und bewahren sie für das Osterfeuer des Folgejahres auf - was wiederum auf frühere heidnische Osterbräuche zurückgeht.

Welche Rolle spielt der Esel?

In manchen Gemeinden war es bisher Brauch, am Palmsonntag einen lebendigen Esel auftreten zu lassen. Andere Orte spielten die Palmsonntagsgeschichte nach, zum Beispiel mit Holzfiguren. Theologen erklären, dass Jesus das Transportmittel bewusst gewählt habe: Als Fürsprecher der Armen kam er auf einem einfachen Esel statt auf einem edlen Ross. In manchen Gegenden wird das Familienmitglied, das am Palmsonntag als letztes aufsteht, als "Palmesel" bezeichnet.

Gibt es weitere Palmsonntagsbräuche?

Vor allem in einigen Gegenden Süddeutschlands finden zu "normalen" Zeiten feierliche Prozessionen durch den Ort statt, teils zu Pferd oder begleitet von figürlichen Darstellungen der Passionsgeschichte. Zur wahrscheinlich größten Prozession versammelten sich Pilger bisher in Jerusalem. Sie zogen vom Ölberg durch das Löwentor in die Altstadt, wo in der Kirche Sankt Anna der Segen gespendet wurde. In Teilen von Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg kommt der Palmhase, ein Vorbote des Osterhasen: Er bringt meist gekochte Eier und eine kleine Süßigkeit.

Woran erinnert der Gründonnerstag?

Der nächste Gedächtnistag in der Karwoche ist Gründonnerstag. An diesem Tag gedenkt die Kirche des letzten Abendmahls, das Jesus mit seinen Jüngern hielt. Im Gottesdienst verstummen Orgel und Glocken; nach der Messfeier werden Blumenschmuck und Kerzen abgeräumt. Der Name "Gründonnerstag" hat mit der Farbe übrigens nichts zu tun, sondern stammt vom althochdeutschen "Grunen" oder "Greinen", das "Weinen" bedeutet.

Warum ist der Karfreitag ein so wichtiger Tag?

Der Karfreitag erinnert an die Kreuzigung Christi. In der evangelischen Kirche gilt er als einer der höchsten Feiertage. Für Katholiken ist er einer der beiden Fast- und Abstinenztage neben dem Aschermittwoch. Auch die Tradition, freitags kein Fleisch zu essen, geht auf das Karfreitagsgeschehen zurück. Zudem handelt es sich um einen sogenannten stillen Tag, an dem verschiedene öffentliche Veranstaltungen verboten sind ("Tanzverbot"). In der Regel um 15 Uhr, zur überlieferten Todesstunde Jesu, erinnert ein Wortgottesdienst mit Kommunionfeier an das Leiden und Sterben Jesu. Mancherorts fand bisher im Anschluss eine sogenannte Feier der Grablegung statt. Das "Heilige Grab" mit dem niedergelegten Kreuz war dann bis zum Karsamstag für die Gläubigen zum Gebet zugänglich.

Wann endet die Karwoche?

Der letzte Tag der Karwoche ist der Karsamstag, der seit ein paar Jahren häufig fälschlicherweise als Ostersamstag bezeichnet wird. An diesem Tag finden keine Gottesdienste statt. Die Tage der Klage enden mit der Feier der Osternacht, die meist in den Abendstunden des Karsamstags gefeiert wird, manchmal auch in den frühen Morgenstunden des Ostersonntags. Die Zeitspanne zwischen der Messe vom Letzten Abendmahl am Gründonnerstag bis zum Ostersonntag wird in der katholischen Kirche auch als "die drei österlichen Tage" bezeichnet.

Und was ist diesmal anders in Zeiten der Coronakrise?

Kurz gesagt: fast alles. Denn mit ziemlicher Sicherheit wird es auch in der Karwoche noch keine öffentlich zugänglichen Gottesdienste, Feiern, Gebete und Prozessionen geben können. Die Gemeinden suchen nach Alternativen, um über Internet oder andere virtuelle Möglichkeiten eine Mitfeier zu ermöglichen.

Könnte man das Ganze nicht einfach verschieben?

Trotz der weltweiten Corona-Krise hält der Vatikan am Osterfest zum vorgesehenen Datum am 12. April fest. Das entschied die zuständige Gottesdienstkongregation. Notfalls müssten Bischöfe und Priester die Gottesdienste "ohne physische Teilnahme von Gläubigen" feiern. Ausdrucksformen der Volksfrömmigkeit und Prozessionen könnten aber auf einen späteren Termin verschoben werden.

Auch Riten wie die Fußwaschung müssen entfallen. Bischöfen steht frei, die am Gründonnerstag stattfindende Chrisam-Messe zur Weihe heiliger Öle zu einem späteren Datum nachzuholen. Bei der Feier vom Leiden und Sterben Christi am Karfreitag soll ein besonderes Gebet eingefügt werden "für die Kranken, die Verstorbenen und jene, die durch die Krise verwirrt sind".

Und was heißt eigentlich "kar"?

"Kar" kommt aus dem Althochdeutschen (Kara) und heißt schlicht Trauer oder Klage. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Karwoche

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