Papst-Schreiben "Christus vivit" Franziskus: Fragen der Jugendlichen zulassen

02.04.2019

Die Kirche müsse "demütig zugeben, dass sich einige Dinge ändern müssen", sagt Papst Franziskus in seinem Schreiben an Jugendliche in aller Welt. Wie Kardinal Reinhard Marx und der BDKJ-Vorsitzende Thomas Andonie das Schreiben einordnen, lesen Sie hier.

Archivbild: Papst Franziskus nimmt auf dem Petersplatz in Rom einer Jugendlichen die Beichte ab.
Archivbild: Papst Franziskus nimmt auf dem Petersplatz in Rom einer Jugendlichen die Beichte ab. © KNA

Bonn/Vatikanstadt – Als "Markstein" für die Seelsorge haben die Deutsche Bischofskonferenz und der katholische Jugenddachverband BDKJ das Schreiben von Papst Franziskus an Jugendliche in aller Welt bezeichnet. Es gelte "Einseitigkeiten wie 'konservativ' oder 'progressiv'" zu überwinden und stattdessen die Freude an der Botschaft Jesu zu teilen, erklärten der Bischofskonferenz-Vorsitzende Kardinal Reinhard Marx und der BDKJ-Vorsitzende Thomas Andonie am Dienstag in Bonn.

In seinem am selben Tag veröffentlichten Schreiben "Christus vivit" (Christus lebt) mahnt Franziskus die Kirche, "Fragen der Jugendlichen in all ihrer Neuheit zuzulassen und die in ihnen liegende Provokation zu begreifen". Der Papst veröffentlichte sein 60-seitiges Dokument im Nachgang zu einer dreiwöchigen Bischofssynode, die vergangenen Oktober zum Thema Jugend in Rom tagte.

Der Mut, anders zu sein

Die Kirche müsse "demütig zugeben, dass sich einige Dinge ändern müssen", schreibt Franziskus. Er verlangt den Mut, "anders zu sein, andere Träume zu zeigen, die die Welt nicht geben kann", insbesondere im Kampf für Gerechtigkeit und Gemeinwohl sowie Zuwendung zu den Armen. "Bitten wir den Herrn, er möge die Kirche von denen befreien, die die Kirche alt machen, sie auf die Vergangenheit festnageln, bremsen und unbeweglich machen wollen", so der Papst wörtlich. Zugleich wandte er sich gegen Anpassung an den Zeitgeist.

Audio

Sebastian Appolt über das Schreiben von Papst Franziskus

Interview im Münchner Kirchenradio mit Moderator Ivo Markota

Sebastian Appolt, Vorsitzender des BDKJ in der Erzdiözese München und Freising
Sebastian Appolt, Vorsitzender des BDKJ in der Erzdiözese München und Freising © BDKJ

Junge Kirche

Der Papst zeichne in seinem Schreiben "ein ganz positives Bild von Jugend", sagte Sebastian Appolt, der Vorsitzende des BDKJ in der Erzdiözese München und Freising, gegenüber mk online. Der Papst wünsche sich, dass die Jugend die Kirche mitgestalte und sie jung bleiben lasse.

Änderungsbedarf sieht Appolt bei der Rolle der Frau in der Kirche, die sich jungen Menschen heute kaum noch erklären lasse. Auch Papst Franziskus würde dies ansprechen und Fehler beim Umgang damit in der Geschichte der Kirche einräumen. "Wir hoffen, dass da noch mehr Bewegung hineinkommt in den nächsten Jahren und Frauen ihr gerechter Platz in der Kirche zukommt", betonte Appolt.

Klarer Auftrag

Der Auftrag, der sich aus dem Papst-Schreiben an die katholischen Jugendverbände ergibt, sei klar, so der Diözesanvorsitzende. Zum einen sollen junge Menschen die Kirche, die Welt und ihre eigene Freizeit gestalten. Zugleich müsse man darauf schauen, "wo kommt Christus in unserer Arbeit vor, in den Jugendverbänden, und wie können wir auch wieder mehr missionarisch sein", so Appolt.

Neben sozialer Not, Jugendarbeitslosigkeit und Herausforderungen der Digitalisierung und der Migration geht Franziskus auch auf den katholischen Missbrauchsskandal ein. Dabei dankte er erneut den Opfern, die "den Mut haben, das Schlimme, das sie erlitten haben, öffentlich anzuklagen". Die Krise könne für die Kirche mit Hilfe der jungen Menschen "eine Chance für eine Reform von epochaler Tragweite sein".

"Neue Jugendlichkeit der Kirche"

Dies sei auch die Haltung der Jugend- und Berufungspastoral in Deutschland, so Kardinal Reinhard Marx und der BDKJ-Bundesvorsitzende Thomas Andonie. Der Papst wünsche sich "eine neue Jugendlichkeit der Kirche". Diese sei dann jung, wenn sie sich von jungen Menschen hinterfragen und provozieren lasse. In dieser Weise sei Kirche auch gerufen, "den berechtigten Ansprüchen von Frauen nach Gerechtigkeit und Gleichheit wirklich Aufmerksamkeit zu schenken". (kna/ksc)


Das könnte Sie auch interessieren

© Imago-Independent Photo Agency

München am Mittag Papst mahnt neuen Umgang mit Jugend an

Papst Franziskus hat in seinem Schreiben "Christus vivit" eine Bilanz der zurückliegenden Jugendsynode gezogen. Welche Perspektiven der Text für die Jugendarbeit der Kirche bietet, sagen wir ihnen in...

03.04.2019

Yitzhak González Murgas ist für die Logistik beim WJT zuständig.
© Adveniat

Weltjugentag in Panama Den Glauben lebendig machen

Yitzhak González Murgas ist für die Logistik beim WJT in Panama zuständig. Für das kirchliche Großereignis lässt der 27-Jährige sogar seinen normalen Job ruhen.

21.01.2019

Die Rolle der Frau in der Kirche war auch Thema der Jugendsynode.
© ra2 studio - stock.adobe.com

Zum Abschlussdokument der Jugendsynode Mehr Frauenpower in der Kirche

Frauen sollen auf der Führungsebne stärker mitwirken – denn ohne sie würde die Kirche verarmen. So steht es im Abschlussdokument der Jugendsynode. Tanja Bergold geht das nicht weit genug.

29.10.2018

Papst Franziskus mit Jugendlichen während der Bischofssynode
© imago/Independent Photo Agency Int.

Jugendsynode beendet Papst bittet um Verzeihung

Im Vatikan ist die Bischofssynode zum Thema Jugend zu Ende gegangen. Bei der Abschlussmesse bat Papst Franziskus die Jugendlichen um Entschuldigung dafür, dass die Kirche ihnen oft nicht zugehört...

28.10.2018

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren