Papstbesuch in Schweden Franziskus in einem säkularisierten Land

31.10.2016

Am Montag ist Papst Franziskus am Flughafen in Malmö in Südschweden angekommen. Der Besuch sei ein wichtiges Zeichen für die Ökumene, betonte der Pontifex auf seinem Hinflug. Doch welchen Stellenwert hat der Besuch bei den Schweden?

Empfang von Papst Franziskus durch den schwedischen Premierminister Stefan Löfven (Mitte) am Flughafen von Malmö © imago

Lund/Malmö – Der Papst in einem so säkularisierten Land wie Schweden – da fragt man sich, wie läuft ein solcher Besuch ab? In Schweden ist der Besuch der Oberhaupts der katholischen Kirche nicht gerade Hauptschlagzeile in den Medien, mit wenigen Ausnahmen. Ein Mann, dessen gruseliges Halloween Kostüm so erschreckend war, dass die Polizei ihn aufgegriffen hat, schafft es im News-Ranking der Zeitung „Aftonbladet“ weitaus höher.

Besucherzahlen unklar

Polizei aus ganz Schweden ist vor Ort, auf die Frage, mit wievielen Menschen man rechnet, die dem Papst auf seinem Weg zum ökumenischen Gottesdienst in der Domkirche in Lund oder in Malmö zujubeln, hat Ewa Gun Westford, Pressesprecherin der Polizei der Region Süd, keine wirkliche Antwort. „Wir haben keine Berechnungen angestellt“, sagt sie. „Das können ein paar wenige tausend bis mehrere hundertausend sein. Aber wir sind gut aufgestellt und haben lieber viele Absperrungen in Lund und Malmö aufgestellt.“

Auch der Lokalverkehr „Skånetrafiken“ hat sich zwar auf den Papstbesuch vorbereitet, Buslinien heute in Lund und morgen in Malmö umgeleitet, weißt auf seiner Homepage die Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs auf den Besuch des Papstes hin und empfiehlt den Kauf von Fahrkarten über das Mobiltelefon, sagt aber auch, dass man nicht genau wisse, mit welchem Verkehrsaufkommen zu rechnen sei.

Bislang hält sich das Aufkommen der Schaulustigen im heute bei sieben Grad Celsius regnerischen Lund im Rahmen. Lund ist mit rund 83.000 Einwohnern, wovon mehr als ein Drittel Studenten sind, lediglich die elftgrößte Stadt Schwedens, wurde jedoch bereits 990 n. Chr. gegründet und hat eine lange, bewegte Geschichte. Der Dom, mit dessen Bau 1103 begonnen wurde, ist der älteste Skandinaviens und der Grund dafür warum Papst Franziskus dieses Ziel gewählt hat um das 500-jährige Jubiläum der Reformation zu feiern.

Nur gut ein Prozent der Schweden ist katholisch

Der Papst soll auf dem Flug nach Malmö gegenüber den Journalisten betont haben, was für ein wichtiges Zeichen für die Ökumene sein Besuch sei. In Schweden gehören derzeit etwa 64% der Bevölkerung der evangelisch-lutherischen Schwedischen Kirche an, im Jahr 2014 hatte die katholische Kirche 109 000 Mitglieder, das sind 1.2 Prozent der Bevölkerung.

Die Bescheidenheit des Papstes zeigt sich auch wieder einmal, beispielsweise bei seinem Übernachtungsort. Wie die Zeitung „Sydsvenskan“ gestern berichtete, wird Franziskus in "Igelösa Life Science“, einer Forschungsanlage, die in enger Verbindung mit der katholischen Kirche steht, im kleinen Örtchen Igelösa übernachten. Ein Ort, in dem gerade mal 60 Einwohner wohnen, von dem auch die meisten Südschweden noch nie im Leben etwas gehört haben und in dem die Menschen nun sehr stolz sind und sich auf den Ehrengast, von dem sie vermutlich außer dem hohen Polizeiaufgebot wenig mitbekommen werden, freuen. (Stefanie Schmid)


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