Abschluss der Papstreise Franziskus wirbt in Marokko für Brüderlichkeit

01.04.2019

Papst Franziskus hat in Marokko deutliche Akzente gesetzt: Für Brüderlichkeit warb er auch in der Schlussmesse. Wichtig bei seiner zweitägigen Reise war ihm auch Nähe zu Migranten, die Ortskirche sowie das Thema Jerusalem.

Papst Franziskus begrüßt Frauen am 31. März 2019 in einem katholischen Sozialzentrum in Temara (Marokko).
Papst Franziskus begrüßt Frauen am 31. März 2019 in einem katholischen Sozialzentrum in Temara (Marokko). © Vatican Media/Romano Siciliani/KNA

Rom – "Seid immer den Kleinen und den Armen nahe; denen, die ausgestoßen, verlassen und vergessen sind", mahnt Papst Franziskus in Rabat bei der Abschlussmesse im "Prince Moulay Abdellah"-Stadion vor mehreren tausend Teilnehmern. Er selbst ging zuvor mit gutem Beispiel voran: Am Sonntagmorgen besuchte er ein Sozialzentrum rund 20 Kilometer südlich von Rabat. Etwa 50 Leute waren dort, Franziskus begrüßte viele persönlich. Im direkten Kontakt mit den Menschen ist er in seinem Element - auch beim anschließenden Treffen mit Ordensleuten, Priestern, Bischöfen und Ökumene-Vertretern aus Marokko in der Kirche von Rabat.

Die hinteren Bänke der Kathedrale sind teilweise leer. So etwas sollte Christen, sagt der Papst hier, auch wenn sie wie in Marokko eine kleine Minderheit bilden, nicht stören: Ihr Wirken hänge nicht davon ab, wie viel Raum sie besetzten, "sondern von der Fähigkeit, Verwandlung, Erstaunen und Mitleid zu bewirken", so Franziskus. Dabei spricht er nicht von der Kanzel, sondern sitzt an einem Tisch vor dem Altar, flankiert von den zwei spanischen Erzbischöfen der einzigen Bistümer Marokkos, Rabat und Tanger.

Begrüßung mit letztem Überlebenden

Eine besondere Geste die Begrüßung des Papstes mit dem 95-jährigen Trappisten Jean-Pierre Schumacher, dem letzten Überlebenden des Massakers von Tibhirine. Einige Worte wechselt der Papst auch mit Ökumene-Vertretern, etwa der evangelischen Pastorin Karen Thomas Smith, Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Marokko. Wie am Vortag wirbt Franziskus für die "Brüderlichkeit aller Menschen".

Dialog mit dem Islam und anderen Religionen, Brüderlichkeit aller: der rote Faden der Marokko-Reise, den Franziskus bereits in Abu Dhabi gesponnen hatte. Dort unterzeichnete er Anfang Februar mit dem Großimam der Kairoer Al-Azhar-Universität, Ahmad Al-Tayyeb, eine muslimisch-christliche Erklärung. Aus dieser zitierte Franziskus auch in Marokko immer wieder.

Unterschiede bei der Religionsfreiheit

Zugleich setzte er dort einen neuen Akzent: Auch in Rabat unterzeichnete er am Samstag überraschend eine gemeinsame Erklärung. Diesmal mit dem König des Lands, Mohammed VI., zur Wahrung des Sonderstatus von Jerusalem als Heilige Stadt der monotheistischen Religionen.

Der Monarch demonstrierte auch sonst viel Einigkeit mit Franziskus. Dennoch wurden am Samstag auch Divergenzen deutlich: Religionsfreiheit sprachen beide in ihrer ersten Rede an, der Papst legte diese jedoch deutlich umfassender aus. Auch auf Migration ging Franziskus in dieser Rede schon ein, der König hingegen nicht.

König lässt Begegnung mit Migranten aus

Fast alle Termine am Samstag absolvierten beide gemeinsam. Den letzten Programmpunkt, eine Begegnung mit Migranten, ließ der König jedoch aus. Örtliche Medien übertrugen die Begegnung am bescheidenen Sitz der Caritas Rabat nicht, wohl aber den vorigen gemeinsamen Besuch bei einem vom König geförderten Ausbildungszentrum für muslimische Prediger und Predigerinnen.

Franziskus macht in Marokko deutlich, dass Solidarität für ihn nicht nur im Zusammenhang mit dem Islam wichtig ist - sie muss auch für Migranten gelten: "Bleibt denen nahe, die so oft auf der Strecke bleiben, den Kleinen und Armen, den Gefangenen und Migranten", mahnt er am Sonntag in der Kathedrale von Rabat. Diese Worte spricht er in Marokko, der Brücke Afrikas nach Europa. In einem Land, in dem die meisten Katholiken Migranten sind und viele Menschen aus der Subsahara, die gern nach Europa gehen würden, am Ende aufgrund dessen zunehmender Abschottung doch bleiben.

"Jeder hat ein Recht auf Zukunft"

In diesem Kontext hat auch die Frage, die der Papst in der Abschlussmesse stellt, einen besonderen Klang: "Wer hat das Recht, bei uns zu bleiben, einen Platz an unseren Tischen und in unseren Versammlungen, in unseren Sorgen und Aufgaben, auf unseren Plätzen und in unseren Städten zu finden?"

Seine Antwort ist klar, er gab sie am Samstag beim Treffen mit Migranten: "Jeder hat ein Recht auf Zukunft". Franziskus mahnte sichere, geordnete und geregelte Migration an. Die von ihm vorgegebene Maxime, zu schützen, zu fördern und zu integrieren müsse "Orientierungsrahmen für alle" sein, so der Papst. Franziskus nimmt jeden in die Pflicht. Und am Sonntag ermutigt er noch einmal alle zu christlichem Handeln: "Das Problem ist also nicht, wenige zu sein, sondern unbedeutend." Franziskus bestärkt in Marokko: Wer die christliche Nächstenliebe lebt, kann auch im Kleinen Großes bewirken. Sei es für Migranten, sei es im Dialog mit anderen Religionen. (Stefanie Stahlhofen/kna)


Das könnte Sie auch interessieren

Papst Franziskus ist in Marokko eingetroffen.
© imago/PanoramiC

Marokko-Reise Papst wirbt für Dialog zwischen Christen und Muslimen

Papst Franziskus ist zu einem zweitägigen Besuch in Marokko eingetroffen. An Gastgeber König Mohammed VI. richtete er eine klare Forderung.

31.03.2019

Marokko ist das nächste Reiseziel des Papstes.
© imago/ZUMA Press

Ein Land der Gegensätze Papst Franziskus besucht Marokko

Franziskus besucht am Wochenende Marokko. Das nordafrikanische Land ist beliebtes Reiseziel für Europäer. Nicht nur Marokkaner hingegen zieht es nach Europa - möglichst um zu bleiben. Der Papst im...

29.03.2019

Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum (l.), Herrscher von Dubai, sowie Vizepräsident und Ministerpräsident der Vereinigten Arabischen Emirate; und Mohammed bin Zayed Al Nahyan (r.), Kronprinz der Vereinigten Arabischen Emirate, schreiten mit Papst Fran
© Vatican Media/Romano Siciliani/KNA

Kommentar zur Papst-Reise Interreligiöser Dialog auf Arabischer Halbinsel

Es ist ein historischer Besuch: Papst Franziskus reist zum ersten Mal in die Vereinigten Arabischen Emirate. Nur auf Kuschelkurs darf der Papst dabei aber nicht gehen, kommentiert Tanja Bergold.

04.02.2019

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren