„Weil Gott es so will“ Frauen über ihre Berufung zur Priesterin

05.03.2021

Diakonin und Priesterin – so etwas gibt es in der katholischen Kirche auch 2021 noch nicht. Im neu erschienenen Buch „Weil Gott es so will“ beklagen engagierte Frauen die Verschwendung ihrer Berufung.

Anneliese Kunz-Danhauser und Adelheid Lappy
Anneliese Kunz-Danhauser und Adelheid Lappy sprechen über ihre Berufung. © SMB/Witte

Rosenheim – Wortgottesdienste dürfen sie halten und Gemeindemitglieder beerdigen. Immerhin. Sobald aber die Eucharistie gefeiert werden soll, muss ein Priester oder Diakon eingeflogen werden. 150 Frauen berichten in dem Buch „Weil Gott es so will“ über ihren Berufs- und Lebensweg mit dem Glauben. So geballt hat es das noch nie gegeben. Und das ist die Stärke dieses Buches, findet die Rosenheimer Theologin Anneliese Kunz-Danhauser, die selbst einen Artikel zum Buch beigesteuert hat: „Es war eine enorme Erfahrung zu lesen, wie unterschiedlich diese Frauen ihren Weg beschreiben und wie sie mit ihrer Berufung umgegangen sind.“ Kunz-Danhauser haben diese Geschichten darin bestärkt, dass es vielen Frauen, wie es ihr ging: von der Ausbildung sind sie auf demselben Ausbildungsstand wie ihr Ortspfarrer – nur eben ohne Weihe. Für Anneliese Kunz-Danhauser persönlich war das nicht entscheidend: seit langem ist sie in der kirchlichen Bildungsarbeit beschäftigt, ist Fachreferentin für Theologie im Rosenheimer Bildungswerk. Nichts desto trotz schreibt sie in ihrem Beitrag zum Buch: …der Ausschluss der Frauen vom Amt qua Geschlecht ist für mich nicht mehr hinnehmbar“, und verweist auf die Artikel 1 und 3 der deutschen Verfassung.

Traurig und wütend

Ähnlich enttäuscht und aufgebracht ist ihre Kollegin Adelheid Lappy. Sie arbeitet als Pastoralreferentin in einer Rosenheimer Gemeinde. Lappy empfindet es als absolute Diskriminierung der Frauen, dass Kleriker ihnen einfach ihre Berufung absprechen: „Wenn ich mich ein Leben lang eingesetzt habe für die Menschen für die Kirche, dann ist das einfach verletzend und macht einen traurig – und vielleicht wütend und manchmal auch bitter.“ In ihrem Artikel beschreibt Lappy das Amtsverständnis in der Kirche als „mittelalterlich, klerikal, männerorientiert und teilweise wieder verstärkt vorkonziliar“.

Eigenschaften, die die Herausgeberin Sr. Philippa Rath, eine Ordensfrau aus dem Benediktinerinnenkloster in Rüdesheim/Eibingen, in einer denkwürdigen Situation erfahren hat: bei den Beratungen zum Synodalen Weg, an denen Str. Philippa teilnahm, äußerte ein Bischof in einer Kaffeepause, die Berufung der Frau sei doch nur ein Nischenthema, es handele sich um Einzelfälle. Für Sr. Philippa der Anlass, per E-Mail zwölf Frauen um ihre Lebenszeugnisse zu bitten. Wie bei einem Schneeball-System erreichten sie innerhalb eines guten Monats 150 Texte von Frauen, die jetzt in Buchform vorliegen. Sie alle beweisen: das Thema muss in die Mitte der kirchlichen Diskussion. Und sie demonstrieren eindrucksvoll die tiefe Verwurzelung der Frauen im Glauben und ihr noch tiefergehendes Unverständnis, wie die katholische Kirche Frauen behandelt.

Krankensakrament nur vom Priester

Auch die Pastoralreferentin Adelheid Lappy machte gerne bei der Sammlung der Lebens- und Glaubenszeugnisse mit, allein schon, um zu zeigen, dass die Berufung der Frau mitnichten ein Randthema ist. Sie arbeitet in der Rosenheimer Stadtteilkirche „Am Zug“ im Schwerpunkt Seniorenpastoral und erlebt immer wieder, wie sie als Seelsorgerin von der Kirche ausgebremst wird. Etwa, wenn ein Todkranker, den sie bereits länger begleitet, das Krankensakrament von ihr erbittet: „Dann muss ich erklären: es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder ich gebe ihnen einen Segen, den ich ja auch geben darf als Pastoralreferentin. Wenn Sie aber das Krankensakrament wollen, muss ich jetzt einen Priester holen.“ Oft würden die Kranken dann darum bitten, dass sie das mache, sie wollten keinen anderen. Ihr tue es in der Seele weh, meint die Seelsorgerin, wenn oftmals ein herbeigeholter Priester keinerlei Beziehung zu dem Kranken habe – ganz anders als sie.

Die 150 Frauen - Pastoralreferentinnen, Religionslehrerinnen, Ordensfrauen und Studentinnen - haben zu einem sehr umfassenden Bild der Frau in der Kirche beigetragen. Wie eben Anneliese Kunz-Danhauser. Sie gesteht gerne zu, dass Frauen in der Kirche inzwischen hauptamtlich tätig sind und auch Karriere machen können. Aber zwischen der priesterlichen Berufung und der Weihe der Frau klaffe immer noch eine Lücke. Die Entwicklung verläuft „im Schneckentempo“, so Danhauser. Und sie stelle sich die Frage, ob die Frauen weiterhin die Geduld aufbringen würden, dieses Schneckentempo zu ertragen.

Umso mehr hoffen Adelheid Lappy und Anneliese Kunz-Danhauser, dass die Statements der Frauen im Buch „Weil Gott es so will“ für ein Aufhorchen in der Amtskirche sorgt. Denn beide sind sich sicher: nur durch lautstarkes Auftreten kommt Bewegung in die Kirche.

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Frauen und Kirche

Das könnte Sie auch interessieren

Weihekandidaten liegen mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden
© Kiderle

Kardinal Marx weiht sieben ständige Diakone

Hauptberuflich aber auch nebenberuflich werden die Männer ihren Dienst nach ihrer Weihe ausführen. Mit ihnen gibt es dann rund 300 Ständige Diakone im Erzbistum.

21.09.2021

© Adobe Stock_encierro

Coming-Out berufener Frauen Berufen aber ausgebremst - Frauen und Weiheämter

Frauen im Priesteramt, viele Menschen können heute nicht mehr nachvollziehen, warum das nicht möglich sein soll. Eine innere Bestimmung dazu spüren viele Frauen. Der Aufruf einer Benediktinerin, über...

22.06.2021

Von links nach rechts: Ulrich Jauernig, Christian Zeug, Lena Schreiner, Barbara Huber, Weihbischof Wolfgang Bischof, Franziska Kleißl, Katharina Hilsenbeck und Lukas Sontheim
© Kiderle

Weihbischof sendet Pastoralreferentinnen und -referenten aus

In seiner Predigt mahnte Weihbischof Wolfgang Bischof die sieben neuen Pastoralreferenten dazu an, auf Gott zu vertrauen. Sie sollen im Gespräch mit den Gläubigen auf Augenhöhe bleiben.

21.06.2021

(von links): Stefan Schmitt, Robert Daiser, Tobias Pastötter, Georg Böckl-Bichler und Josef Schmid vor dem Münchner Priesterseminar
© SMB/Ertl

Das Erzbistum bekommt fünf neue Priester

Kardinal Reinhard Marx weiht am 26. Juni im Münchner Liebfrauendom fünf Männer zu Priestern. Lernen Sie die Weihekandidaten hier näher kennen.

21.06.2021

Barbara und Lorenz Wachinger
© SMB/Bierl

Lorenz Wachinger begeht Priesterjubiläum als Ehemann

Vor 60 Jahren wird Lorenz Wachinger zum Priester geweiht. Einige Jahre später lernt er seine heutige Frau kennen. Da er das Zölibat bricht, kann er nicht länger als Priester tätig sein. Ein Gegner des...

21.06.2021

Weibliche Hände halten Bibel
© aradaphotography - stock.adobe.com

Predigerinnentag erntet Zuspruch und Kritik

Laut Kirchenrecht dürfen in Messfeiern nur Geistliche predigen. Doch Frauen in ganz Deutschland haben das nun getan. Das brachte ihnen nicht nur Lob, sondern auch Kritik ein.

18.05.2021

Ulrike Fendrich
© Rudolf Wichert/KNA

Katholische Frauen predigen beim zweiten "Predigerinnentag"

Wo sonst nur Geistliche stehen und zur Gemeinde sprechen, sollen künftig auch Frauen zu Wort kommen. Das fordert die Katholische Frauengemeinschaft Deutschland mit dem heutigen Aktionstag.

17.05.2021

Raoul Rossmy liest Thesen von Maria 2.0 an Kirchentür
© SMB

Darf ich von meiner Kirche Veränderung fordern?

Maria 2.0, der Synodale Weg - wer sich für Veränderungen in der Kirche einsetzt, muss sich oft einiges anhören. Pastoralreferent Raoul Rossmy erklärt in dieser Folge der Videoreihe "Ich bin Christ -...

13.03.2021

Frau steigt Treppe hinauf
© Mariia Nazarova-stock.adobe.com

Wie kommen Frauen an den Hebel der Macht?

Für Frauen gestaltet sich der Weg nach oben immer noch schwieriger als für Männer. Das muss sich ändern. Bettina Bäumlisberger ist Pressesprecherin der Münchner Caritas und hat konkrete Vorschläge.

08.03.2021

Protestschild mit Aufschrift "Frauen verändern die Welt"
© IMAGO / Ralph Peters

Gesellschaftliche Normalität

Weltfrauentag und der Einzelhandel darf unter bestimmten Voraussetzungen wieder öffnen. Auf den ersten Blick hat das nichts miteinander zu tun. Auf den zweiten aber schon. Ein Kommentar von Christian...

08.03.2021

© IMAGO / Christian Mang

Frauenpower im Erzbistum

Zum Internationalen Frauentag schauen wir uns die Frauenkommission in der Erzdiözese München und Freising an: 19 Frauen stehen dem Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx beratend bei Frauenfragen...

08.03.2021

Gruppenbild der Frauenkommission mit Kardinal Reinhard Marx
© EOM

Beharrlich und geduldig: Frauen beraten Kardinal

Ministrantinnen im Münchner Liebfrauendom – dass das heute der Fall ist, ist auch der Frauenkommission des Erzbistums München und Freising zu verdanken. Doch dabei soll es nicht bleiben: Sie arbeitet...

08.03.2021

Porträt Beate Gilles
© SASCHA STEINBACH/epa pool

Erstmals Generalsekretärin für Bischofskonferenz

Zum ersten Mal übernimmt eine Frau die Leitung des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz. Dies sei ein "sehr bewegender Moment", sagte die gewählte Generalsekretärin Beate Gilles zum Auftakt...

23.02.2021

Annemarie Auer, Elisabeth Stanggassinger, Anna Eichlinger vor dem Thesenpapier der Kirche Sankt Rupert in München.
© SMB/Sichla

Wie einst Luther: Frauen schlagen Thesen an die Kirchentür

Zugang für alle Menschen zu Weiheämtern, Bekämpfung von sexualisierter Gewalt oder auch die Aufhebung des Pflichtzölibats: Diese und weitere Forderungen hängen nun gut sichtbar am Eingang der Kirche...

21.02.2021

Nathalie Becquart
© Romano Siciliani/KNA

Bischofssynode: Erstmals Stimmrecht für eine Frau

Die französische Theologin Nathalie Becquart wurde am Wochenende zur Untersekretärin des Synoden-Sekretariats ernannt und ist damit automatisch in der Bischofssynode stimmberechtigt.

08.02.2021

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren