Tag der Diakonin Frauen wollen und können mehr

29.04.2020

Vor 20 Jahren hatte die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands schon einmal für den Zugang der Frauen zu Weiheämtern gestimmt. Damals wurde ihnen der Mund verboten. Lesen Sie warum gerade die Coronakrise die Argumentation für das Frauendiakonat stärkt.

Frau mit geöffneten Händen
Die kfd spricht sich für das Diakonat der Frauen aus. © PhotoGranary - stock.adobe.com

Der „Tag der Diakonin“ hätte mit seiner zentralen Veranstaltung in diesem Jahr am 29. April in St. Bonifaz in München stattfinden sollen. Nun hat die Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Doch hat sie das wirklich? In diesen Zeiten ist nichts mehr, wie es war. Alles steht auf dem Prüfstand. Plötzlich sind Berufe systemrelevant, die vorher in den Sonntagsreden immer wertgeschätzt wurden – wenn es um die Rahmenbedingungen und um die Bezahlung der Arbeiten in den sogenannten Care-Berufen ging, fand die „Wertschätzung“ jedoch schnell ein Ende.  

Systemrelevante Arbeiten

Plötzlich zählen unüberwindbare Hürden wie Tarifparteien und Tarifautonomie nichts mehr, und der Staat macht einmalig 500 Euro für die Pflegekräfte in „Gutsherrenart“ möglich. Professoren stellen, wie jüngst in einem Essay in der „Süddeutschen Zeitung“, fest, dass ihr Beruf nicht systemrelevant ist und daher ihre Frauen nun den wichtigen Aufgaben in den Pflegeheimen und Krankenhäusern nachgehen.

Männer kümmern sich um den Haushalt und die Kinder, die zu Hause betreut werden müssen. Alles ist nun möglich, was bis vor wenigen Wochen nicht einmal denkbar schien. Vereinbarkeit von Beruf und Familie, wurde den Frauen immer wieder gesagt, geht, und nun erleben die Männer, wie es geht. 

Frauen als Verkünderinnen

Ostern war dann der Gipfel der „Einsamkeit“. Es durften keine Gottesdienste oder Andachten gefeiert werden. Die Osternacht zu Hause? Osterfeuer alleine? Geweihte Speisen ohne Anwesenheit von Gläubigen? Auferstehung ohne die Gläubigen? Alles möglich, denn Jesu Auferstehung funktioniert auch ohne Kirche und mit Glauben. Bis vor Kurzem nicht denkbar – und dann doch möglich.

Viele Frauen haben zu Hause mit ihren Familien Hausgottesdienste gefeiert, Osterbrot gebacken und das Brot am Tisch gesegnet, geteilt und den Kindern (und Vätern) die Ostergeschichte nahegebracht. Jesus offenbarte sich zuerst Frauen nach der Auferstehung und bat sie, allen davon zu erzählen. Ostern 2020 haben sie es getan. 

Bereits 1999 hat die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) in ihrer Bundesversammlung mit überwiegender Mehrheit für den Zugang der Frauen zu Weiheämtern in der Kirche gestimmt. Bereits kurz nach der Abstimmung wurde Deutschlands größter Frauenverband von der Deutschen Bischofskonferenz gemaßregelt und aufgefordert, diese Haltung aufzugeben. Widerwillig und unter Androhung schwerster Sanktionen hat die kfd die Stellen zu den Weiheämtern und zum Diakonat der Frau weiß gelassen. Damit wurde deutlich gemacht, dass hier eine klaffende Wunde ist, und die Frauen nicht bereit sind, dahinter zurückzutreten. 

Da bin ich mitten unter ihnen

2019 war es so weit. Wieder stimmte die kfd-Bundesversammlung über die Rolle der Frau in der Kirche ab und sprach sich einstimmig für den Zugang der Frauen zu allen Weiheämtern aus. Stehend applaudierten die Delegierten dem Beschluss und nicht wenige Frauen hatten Tränen in den Augen.

Frauen geben sich nicht mehr mit der Rolle der Dienerin zufrieden. Sie wollen und können gestalten und das fordern sie auch von der Kirche ein. Die Geschichte der kfd-Leitlinien 1999 hat viele kfd-Frauen begleitet und sie nicht müde werden lassen, weiter für ihre Ziele in der Kirche einzutreten. 

Viele Damen haben es bedauert, dass ausgerechnet Ostern der Pandemie zum Opfer gefallen ist. Gleichzeitig sind sie erfinderisch geworden und haben Jesus zu sich nach Hause eingeladen, getreu dem Motto „wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind“. Und er kam. Noch nie haben so viele Menschen weltweit über den Sinn ihres Daseins nachgedacht und fanden sich am Rand ihrer Möglichkeiten und Kräfte. Die Menschen suchen nach Sinn und Heimat, und dieser Glaube kann ihnen beides bieten.  

Neue Wege gehen insbesondere Frauen und versuchen sich nun verstärkt online zu vernetzen, auszutauschen und einander nah zu sein. So auch die kfd, die über Homepage und Instagram die Nähe zu ihren Mitgliedern und vielen anderen Frauen gesucht und gefunden hat. In eindrucksvollen Beiträgen finden die Menschen zueinander, fühlen sich angesprochen und in ihrer Lebenswirklichkeit abgeholt.  

Zugang und Ausschluss

Lebenswirklichkeit und Kirche scheinen gerade in diesen Tagen ein Widerspruch an sich zu sein. Was hat es mit der Lebenswirklichkeit von Menschen zu tun, wenn mehr als 50 Prozent der Menschen, die man versucht zu erreichen, nicht repräsentiert werden? Frauen nehmen in der Kirche derzeit eine nachgeordnete Rolle ein. Wenngleich es bemerkenswert ist, dass es zwei Modellpfarreien (Geisenhausen und der Pfarrverband Feldkirchen-Höhenrain-Laus) in der Diözese gibt, die Leitungsmodelle mit Frauen erproben. Darüber hinaus wird das Erzbischöfliche Ordinariat in München seit Jahresbeginn von zwei leitenden Persönlichkeiten verantwortet, wovon eine eine Frau ist. Doch das ist nicht genug! 

„Nicht der Zugang von Frauen zu kirchlichen Diensten und Ämtern ist begründungspflichtig, sondern deren Ausschluss“, lauten die „Osnabrücker Thesen“ aus dem Jahr 2017. Frauen wollen und können mehr. Sie fordern ihr Recht des Zugangs zum Diakonat der Frau als ersten Weiheschritt. Die Pandemie hat uns zwar einen Strich durch die Rechnung der zentralen Feier des „Tages der Diakonin“ in München gemacht, doch die Augen für die wirklich wichtigen Berufe und Berufungen von Frauen geöffnet. (Regina Braun, kfd-Diözesanvorsitzende)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Frauen und Kirche

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