Reaktionen auf „Querida Amazonia“ Frauenverbände sind enttäuscht vom Papstschreiben

12.02.2020

Papst Franziskus hat in seinem nachsynodalen Schreiben Weiheämter für Frauen vorerst abgelehnt. Für die Frauenverbände ein herber Rückschlag.

Frauen demonstrieren vor dem Frankfurter Dom mit Plakaten für mehr Rechte in der katholischen Kirche
Während der ersten Synodalversammlung demonstrieren Frauen vor dem Frankfurter Dom. Sie forden u.a. mehr Rechte für Frauen in der katholischen Kirche. © Synodaler Weg

München/Düsseldorf –  Der Katholische Deutsche Frauenbund Bayern (KDFB) bedauert es, dass durch das Schreiben des Papstes deutlich wird, dass es keine Öffnung der Kirche zur Erneuerung und Reform geben soll. So eine harte Aussage sei das falsche Signal an alle Gläubigen, die eine zukunftsfähige und geschwisterliche Kirche anstreben, sagte die Landesvorsitzende Emilia Müller gegenüber mk online. Es würde nicht reichen immer wieder zu hören, wie wichtig Frauen seien: „Verantwortung ohne Amt und Weihe, ohne gleiche Anerkennung und Wertschätzung ist für uns nicht das, was wir unter christlich verstehen.“

Auch die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) sieht im Papstschreiben einen Schlag gegen ihren Einsatz für eine geschlechtergerechte Kirche.  Die Theologin und stellvertretende kfd-Bundesvorsitzende Agnes Wuckelt empfindet es als „unerträglich“ wie die Forderungen von Frauen zurückgewiesen werden.

Frauenfrage bleibt Machtfrage

Papst Franziskus plädierte in seinem Schreiben dafür, "das Entstehen anderer spezifisch weiblicher Dienste" anzuregen. „Wir sollen uns in die Macht fügen, die Frauen zusteht. Die Frauenfrage bleibt damit eine Machtfrage.“, kommentiert Wuckelt gegenüber mk online diesen Vorschlag. Die Zulassung von Frauen zum Diakonat, dem untersten Weiheamt in der katholischen Kirche, ist ein zentraler Diskussionspunkt beim unlängst begonnenen Synodalen Weg zur Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschlands. Die Theologieprofessorin Agnes Wuckelt gehört der Synodalversammlung an, dem höchsten Gremium des Synodalen Wegs. Im Vorfeld war sie Mitglied der Arbeitsgruppe, die für den Reformdialog ein Grundlagenpapier zur Rolle der Frauen erarbeitete.

Klerikalismus von Frauen

Der Papst hatte in seinem Schreiben "Querida Amazonia" ("Geliebtes Amazonien") seine Schlussfolgerungen aus der Amazonas-Synode vorgelegt, die vom 6. bis 27. Oktober im Vatikan tagte. Bei dem Bischofstreffen ging es unter anderem um ökologische und soziale Folgen des Raubbaus in der ressourcenreichen Region, die Stärkung der indigenen Bevölkerung und um neue Wege in der Seelsorge.

In dem 50-seitigen nachsynodalen Papier lehnt Franziskus Weiheämter für Frauen, etwa als Diakoninnen, vorerst ab. Wer die Bedeutung und Beteiligung von Frauen in der Kirche nur mit ihrer Zulassung zur Weihe stärken wolle, greife zu kurz und "klerikalisiere" Frauen. (kas/kna)


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