Gedenken an Kardinal Döpfner in der Münchner Dom-Krypta Freiraum für den Geist

25.07.2013

Kaum ist man die wenigen Stufen zur Dom-Krypta hinabgestiegen, blickt einen von einer Schautafel ein nachdenklicher Kardinal Julius Döpfner frontal an. Das übermannsgroße Schwarz-Weiß-Porträt-Foto ist ein echter Blickfang.

Eindrucksvoll wirkt das Döpfner-Porträt in der Dom-Krypta. Unten der Bronzeabguss der Totenmaske (Bild: Florian Ertl)

Hier an der Grabesstätte Döpfners erinnert das Archiv des Erzbistums bis 8. September in Wort und Bild (auch aus dem Archiv der Münchner Kirchenzeitung) an die wichtigsten Lebens- und Bischofsstationen Döpfners. Besonders berührt an diesem speziellen Ort der Bronzeabguss der Totenmaske aus dem Erzbischöflichen Palais. Eine gutgemachte Begleitbroschüre mit zahlreichem Bildmaterial liegt kostenlos auf. Fotos und Texte sind von 18. September bis 25. November auch in der Freisinger Johanneskirche auf dem Domberg zu sehen.

Döpfner zählt zu den herausragenden Gestalten der katholischen Kirche in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Der einstige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz war einer von vier Moderatoren des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965). Der gebürtige Unterfranke wäre am 26. August 100 Jahre alt geworden. Am 24. Juli vor 37 Jahren war er überraschend an einem Herzinfarkt verstorben. Anlässlich des Todestages feierte Kardinal Reinhard Marx im Münchner Liebfrauendom den jährlichen Gedächtnisgottesdienst.

Marx sagte, Döpfner habe den wesentliche Auftrag des Bischofs erfüllt, „Diener der Einheit der Kirche in der Vielfalt der Wege“ zu sein. Für die Wahrung der Einheit und die Erneuerung der Kirche habe er sein Leben gegeben. Manchmal sei er „fast zerrissen“ worden, weil „alle an ihm gezerrt haben, die Rechten und die Linken“. Zu den bleibenden Spannungen in der Kirche zähle das Verhältnis zwischen der Institution Kirche und dem charismatischen Element, erläuterte der Kardinal. Es gebe in der Kirche eine „Versuchung, die Strukturen anzubeten und den Geist gar nicht mehr zuzulassen“. Döpfner habe sich auch im Erzbistum um die Erneuerung der Strukturen bemüht, „und er wollte es so tun, dass Freiraum für den Geist entsteht“. (Florian Ertl)

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