Reisen in Corona-Zeiten Freude am Urlaub

30.07.2020

Ferienzeit ist – Krisenzeit. Weil Paare und Familien so viel Zeit wie selten sonst miteinander verbringen. Und weil das in Zeiten von Corona zusätzlichen Zündstoff birgt.

Sommerurlaub 2020: auch der Besuch von Gaststätten gestaltet sich heuer etwas anders als sonst. © imago images / MiS

München – Den Urlaub miteinander verbringen, ist heuer so kompliziert wie nie. Beispielsweise, weil die heranwachsenden Kinder nach Wochen des Lockdown unbedingt wegwollen – fremde Länder, Sonne, Strand und Meer. Oder aber, weil die Eltern oder Großeltern eher auf eine Fernreise verzichten wollen, und in Pandemiezeiten statt Thailand den Taunus bevorzugen. Das hängt auch damit zusammen, dass niemand bereits Erfahrungen mit einer Situation wie dieser gemacht hat. „Diese unterschiedlichen Gemengelagen kann viele Familien an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen und es bedarf einiges an Einfühlungsvermögen und sich in den anderen hinein zu versetzen – vor allem, weil man den anderen ja eigentlich vom eigenen Urlaubsziel überzeugen möchte“, sagt die Psychologin Anjeli Goldrian von der Ehe-, Familien-, und Lebensberatung im Erzbistum München und Freising. Eine Lösung, so die Expertin, ist da leichter an einem runden Tisch zu finden, an dem jeder sagen darf, welche Wünsche er hat. Und ein gemeinsames Essen an besagtem Tisch kann auch hilfreich sein. Den anderen aussprechen lassen, seinen Gefühlen und Wünschen mit Respekt zu begegnen, das sind die ersten Schritte auf dem Weg zu einer gemeinsamen Lösung. Und die sieht am Endes des Gesprächs oft nicht unbedingt so aus, wie am Anfang erhofft: also, bei welchem Urlaubsziel und bei welcher Art von Urlaub gibt es die größte gemeinsame Schnittmenge. Das kann der Urlaub bei Freunden sein, die weiter weg wohnen, die man aber gut mit dem Auto erreichen kann. Oder das Ferienhaus in einer Gegend, in der sich alle wohlfühlen, wo man aber Menschenaufläufe vermeidet.

Corona nimmt man in den Urlaub mit

Wer sich dann auf ein Ziel - dann vielleicht doch im Ausland - verständigt hat, sollte äußere Faktoren nicht unterschätzen: zum Beispiel die staatlichen Reisebeschränkungen, die sich laufend ändern. Oder aber Reise-Buchungen, die nur kurzfristig möglich sind oder ebenso kurzfristig abgesagt werden müssen. Am Urlaubsort angekommen, können die örtlichen Bedingungen den Erholungsfaktor und die Freude am Urlaub auf null sinken lassen: etwa, wenn es, wie vor kurzem auf Mallorca, einen zweiten Shutdown wegen des erneuten Ansteigens der Infiziertenzahlen gibt. Und ganz wichtig: Corona nimmt man in diesem Jahr in den Urlaub mit, meint Psychologin Goldrian: „Wir müssen lernen, hier oder in der Ferne, mit dem Virus zu leben. Es ist deswegen sinnvoll, wenn sich eine Familie oder ein Paar im Vorhinein über Urlaubsregeln einig ist: zum Beispiel in Hinblick auf überfüllte Strände, auf beliebte Lokale oder auch auf Abstandsregeln.“ Lapidar ergänzt Goldrian, dass die Maske, die mittlerweile vertraut ist, mit im Reisegepäck ist.

Die Psychologin rät: für den Fall, dass während der Urlaubsreise wirklich jemand erkrankt, sollte vorher geklärt werden, wie im Urlaubsland die Reise- und Ausreisebedingungen im Krankheitsfall sind. Ebenso, wie die ärztliche Versorgung aussieht und welche Rücktransport-Möglichkeiten es gibt. Damit sei man sich ein wenig sicherer, wenn man am Urlaubsort ankomme, so Goldrian.

Erholsamer Urlaub mit gutem Essen, Bewegung und viel Schlaf

Natürlich sei es unter diesen besonderen Bedingungen nicht ganz leicht, sich unbeschwert zu erholen und ausgeruht wieder zu Hause anzukommen. Aber auch hier hat Anjeli Goldrian den einen oder anderen Tipp: zum einen könnte man sich einigen, in den Urlaubswochen gezielt so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich Nachrichten zu schauen. Damit würden sich die Reisenden auf positive Erlebnisse konzentrieren und sie stärker wahrnehmen. Wichtig sei auch ein Austausch über diese Erlebnisse. Stark stressreduzierend wirkten: wenig Alkohol, Sport und Bewegung, gute Ernährung und viel Schlaf.

Und wer trotz bester Bedingungen dann doch einmal eine Auszeit von den Liebsten braucht, sollte sich eine Pause gönnen: eine Wanderung allein, der Rückzug mit einem Buch kann Stress reduzieren und Erholung bringen.

Und deshalb: trotz Corona – eine wunderbare, erholsame Urlaubszeit!

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de


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