Probenbeginn in Oberammergau Freude über Startschuss bei Schauspielern und Spielleiter Christian Stückl

09.12.2019

In Oberammergau haben die Leseproben für die Passion 2020 begonnen. Die 150 Schauspieler haben sich zum ersten Mal getroffen.

Regisseur Christian Stückl ist bei der ersten Leseprobe in seinem Element.
Regisseur Christian Stückl ist bei der ersten Leseprobe in seinem Element. © Kiderle

Oberammergau – Nicht nur der Bekanntheitsgrad der Oberammergauer Passion lässt vermuten, dass der kleine Ort alle zehn Jahre etwas absolut Professionelles auf die Beine stellt. Als sich zum ersten Mal rund 150 Darsteller für die Passion 2020 im kleinen Theater des Ortes treffen, staunt mancher Besucher nicht schlecht, als sich jeder mit seiner Karte zur Probe einloggt. „Nicht vergessen – sonst gibt es kein Probengeld“, erinnert Spielleiter Christian Stückl gleich zu Beginn schmunzelnd.

Druckfrische Textfassung

Als jeder seinen Platz gefunden hat, wird sie dann endlich ausgeteilt: Die erste noch ganz druckfrische Textfassung. „Jede Nacht der letzten Wochen bis gestern bin ich gesessen“, erzählt Stückl – sichtlich erleichtert. „Jetzt muss ich ihn endlich hören.“ Und schon bei den ersten Szenen wird für Stückl klar: Es wird sich noch viel ändern. Denn der ersten Textfassung werden viele weitere folgen. Proben bedeutet für Spielleiter Christian Stückl, Diskussion und Auseinandersetzung mit dem Text, um aus dem Papier lebendige Menschen zu machen, wie er es nennt. „Es soll nicht gesprochen werden, wie Pfarrer das Evangelium vorlesen“, erklärt Stückl. „Der Text ist unser Arbeitsmaterial.“

Sechs Proben in der Woche

Und so darf natürlich jeder seinen Kopf noch im Textheft vergraben, seinen Einsatz verpassen oder das Hosianna noch zerfleddert aus vielen Kehlen klingen – doch allen ist klar, dass mit diesem Abend wieder eine andere Zeitrechnung in Oberammergau begonnen hat. „Sechsmal Proben pro Woche ist ab heute für mich normal“, erzählt Stückl – allerdings keineswegs gestresst. „Aber das Proben ist für mich mein Job, die schönste Zeit. Das ist das Brot des Regisseurs.“ Diese Begeisterung wirkt ansteckend. Bereits in der ersten kurzen Pause blickt man in freudige Gesichter.

Premiere im Mai 2020

„Am Anfang liegt alles wie ein riesen Berg vor einem“, versucht sich eine der beiden Marias der Passion (Andrea Hecht) an einem Vergleich. „Und heute haben wir endlich mit der Besteigung begonnen.“ Auch bei Frederik Mayet, der als Jesus bereits 2010 auf der Bühne stand, fällt mit dem Probeginn die Nervosität ab und der Spaß beginnt. „Endlich geht es los, man sieht alle wieder und alle sind heißt aufs Proben.“ Für ihn als Jesus stehen übrigens mindestens drei Proben pro Woche an. Bei am Schluss fast sechs Stunden Spielzeit gibt es aber auch genug Material. Premiere feiern die Oberammergauer Passionsspiele dann am 16. Mai 2020. (Maria Greckl)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Passions spiele

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