Der Syrien-Konflikt Friedensplan statt Kriegseinsatz

03.09.2013

Auf die Frage nach dem "gerechten Krieg" gibt es keine Antwort im Sinne von richtig oder falsch. Susanne Holzapfel, Chefin vom Dienst bei der Münchner Kirchenzeitung, weist auf die ethisch-moralischen Grundlagen hin, die ein militärisches Eingreifen in Syrien rechtfertigen könnten.

Susanne Holzapfel ist Chefin vom Dienst bei der Münchner Kirchenzeitung (Bild: Münchner Kirchenzeitung)

Am heimischen Schreibtisch Sitzenden ist es – wenn man ehrlich ist – nicht möglich zu beurteilen, was tausende Kilometer entfernt in der Welt geschieht. Zu komplex die Zusammenhänge, zu unsicher die Faktenlage, auf deren Grundlage man sich eine Meinung bilden soll. Ganz abgesehen davon, dass es Menschheitsfragen gibt, auf die es keine Antwort im Sinne von richtig oder falsch gibt.

Eine davon ist die nach dem „gerechten Krieg“, im Konkreten also die Entscheidung, ob ein Militärschlag des Westens gegen Syrien gerechtfertigt ist. Vom Völkerrecht einmal abgesehen, das die puren juristischen Vorgaben regelt, gibt es eine ethisch-moralische Ebene, die hier eine wichtige Rolle spielt.

Bereits der Kirchenlehrer Augustinus hatte sich mit der Problematik beschäftigt. Drei unabdingbare Voraussetzungen müssen für das Vorliegen eines „gerechten Krieges“ erfüllt sein. Kurz gesagt muss er das Ziel verfolgen, den Frieden wiederherzustellen. Zweitens muss dieses Ziel ausreichend Aussicht auf Erfolg haben und drittens darf der Schaden, der durch den Krieg entsteht, nicht größer sein als der Schaden, den er beseitigen soll. Unterzieht man nun die aktuelle Lage in Syrien diesen Maßstäben, kommt man zu folgendem Ergebnis: Mag man im Vertrauen auf den guten Willen der westlichen Mächte noch deren Motiv, dem Land Frieden bringen zu wollen, nicht anzweifeln, sieht es mit der Frage nach den Erfolgsaussichten schon deutlich schlechter aus. Die Beispiele der Vergangenheit sprechen eine deutliche Sprache: Irak, Afghanistan, Libyen – nirgendwo herrscht Frieden. Die Zustände in diesen Ländern sind nach den zum Teil Jahre dauernden Kriegseinsätzen verheerender als je zuvor. Der Schaden, der beseitigt wurde, war nicht größer als der, der hinterlassen wurde. Alles in allem kann also von einem „gerechten Krieg“ nicht die Rede sein.

Kriegerische Mittel dürfen, wenn überhaupt, immer nur als letztes Mittel zur Behebung einer Krisensituation eingesetzt werden. Noch ist nicht alles getan worden, was möglich wäre. Ein Friedensplan des Westens wäre allemal angemessener als ein Kriegseinsatz.

Susanne Holzapfel ist Chefin vom Dienst bei der Münchner Kirchenzeitung

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Friede

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