Diözesanrats-Treffen in Ebersberg Friedensprojekt Europa

20.03.2017

Das oberste Laiengremium im Erzbistum München und Freising hat sich zu seiner Frühjahrsvollversammlung getroffen. Dabei diskutierte der Diözesanrat über die europäische Einheit und würdigte eine große Persönlichkeit.

Mitten in Europa - im oberbayerischen Ebersberg traf sich der Diözesanrat zu seiner Vollversammlung.
Mitten in Europa - im oberbayerischen Ebersberg traf sich der Diözesanrat zu seiner Vollversammlung. © Kiderle

Ebersberg - Seine Stimme ist brüchig, er hat Tränen in den Augen. Selten sieht man Alois Glück so gerührt. Der 77-Jährige ehemalige Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und CSU-Politiker ist am Samstag von Kardinal Reinhard Marx mit der Korbiniansmedaille geehrt worden. Bei der Frühjahrsvollversammlung des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese München und Freising im alten Speicher in Ebersberg wird Glück für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches „weit überdurchschnittliches und inspirierendes Engagement“ ausgezeichnet.
Glücks Glaube, so betont derBischöfliche Beauftragte für den Diözesanrat, Monsignore Klaus Peter Franzl, in seiner Laudatio, sei für den überzeugten Katholiken die „Basis jeglichen Engagements“. Alois Glück, der aus Hörzing im Landkreis Traunstein kommt, habe auf seinem Lebens- und Berufsweg stets eine „dialogorientierte Haltung und den Wunsch, anderen auf Augenhöhe zu begegnen, sie dabei ernstzunehmen und mitzunehmen“ praktiziert. Und er habe in seiner politischen Arbeit „ein besonderes Augenmerk auf die Bedeutung der katholischen Soziallehre“ gelegt. Dafür und für seinen unermüdlichen, besonnenen und klugen jahrzehntelangen Einsatz spenden die rund 180 Delegierten minutenlangen stehend Beifall.

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Diözesanrat diskutiert über Europa

Ein Beitrag des Münchner Kirchenradios

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Alois Glück ist mit der Korbiniansmedaille ausgzeichnet worden.
Alois Glück ist mit der Korbiniansmedaille ausgzeichnet worden. © Kiderle

Wurzeln eines politischen Vordenkers

Für Alois Glück, der schon viele bedeutende Auszeichnungen erhalten hat wie das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, den Bayerischen Verdienstorden oder die Medaille für besondere Verdienste um Bayern in einem Vereinten Europa, ist die Korbiniansmedaille etwas ganz Besonderes, verrät er der Münchner Kirchenzeitung. „In diesem Erzbistum hat alles angefangen“, sagt Alois Glück und seine Ehefrau Kathi nickt, „hier habe ich meine Wurzeln, ich war in der Katholischen Landjugendbewegung, hier habe ich sehr viel gelernt, auch für später.“ Hätte er den Glauben nicht in Jugendverbänden erlebt, meint Glück, „hätte ich wie die meisten wohl ein gleichgültiges Verhältnis zur Kirche.“ Aber, blickt er zurück auf seine außergewöhnliche Karriere, „in meinen Ämtern und Ehrenämtern habe ich mehr zurückbekommen, als ich geben konnte“. Viel gegeben hat auch Kathi Glück. „Sie hat durch ihr ehrenamtliches Engagement erst sein Ehrenamt möglich gemacht“, erklärt Professor Hans Tremmel, Vorsitzender des Diözesanrats und überreicht einer strahlenden Kathi Glück einen Blumenstrauß.

Kardinal Marx warnt vor Rüstungsspirale

Bunt, aber nicht ganz so blumig ist das Thema dieser Frühjahrsvollversammlung: „Ach Europa! Bist du noch zu retten?“ So betont Professor Hans Tremmel, dass wir „in stürmischen Zeiten leben, Angst und Bange aber gehören für uns Diözesanräte nicht zur Stellenbeschreibung“. Und so diskutieren die Delegierten leidenschaftlich und engagiert mit dem „überzeugten Europabischof“ (Professor Tremmel über Kardinal Reinhard Marx) und der Europaabgeordneten Angelika Niebler, Vorsitzende der Europagruppe der CSU, über Herausforderungen und Möglichkeiten in der Krise.
Kardinal Marx, der zunächst in seiner Funktion als Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) spricht, warnt eindringlich vor einer neuen militärischen Aufrüstung in Europa. „Alle werden sagen, wir brauchen mehr Waffen. Ich sage, wir müssen umsteuern.“ Statt Aufstockung der Rüstungsetats der Nato-Mitgliedstaaten fordert der Kardinal eine andere Sichtweise, „Sicherheit bedeutet nicht mehr Militär. Stattdessen gehört Entwicklungspolitik zur Sicherheitspolitik dazu“. Da aber, alles miteinander zusammenhängt, spricht er sich dafür aus, die Sozial- und Finanzpolitik der 28 EU-Mitgliedstaaten stärker zu koordinieren als bisher. Dazu brauche es eine „vertiefte politische Union, eine stärkere Kohäsion“.

Kardinal Marx ruft dazu auf am "Friedensprojekt Europa" festzuhalten.
Kardinal Marx ruft dazu auf am "Friedensprojekt Europa" festzuhalten. © Kiderle

Gemeinsame Standards nicht nur bei Glühbirnen

Mit der Einführung des Euro habe man die politische Union in Gang bringen wollen, führt der Kardinal weiter aus, dabei „steht ein gemeinsamer Währungsraum eigentlich am Ende des politischen Prozesses“. Überhaupt sei in Europa größere Solidarität nötig. „Ich verstehe nicht, warum man sich bei Glühbirnen auf gemeinsame Standards einigen kann, aber nicht beim Asylrecht.“ Viele im Saal nicken zustimmend.

Statt einen „überzogenen kapitalistischen Weg“ zu beschreiten, müsse „eine zwar wettbewerbsfähige, aber doch soziale Marktwirtschaft auf den Weg gebracht“ werden. „Wir müssen daran arbeiten, dass es ein neues Miteinander in Europa gibt und dass auch an den Werten gearbeitet werden muss.“ Gleichzeitig ruft Kardinal Marx dazu auf, am „Friedensprojekt Europa“ festzuhalten. Denn eine „wirklich realistische Alternative“ dazu könne es nicht geben. Und so müssten, fordert der Kardinal, Christen Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen, das sich den Prinzipien von Recht, Gerechtigkeit und Menschenwürde verpflichtet weiß. „Die Europäische Einheit ist in der Geschichte einzigartig und es darf keinen Rückzug der Christen aus diesem Projekt geben.“ Schließlich sei die katholische Kirche die einzige, die über nationale Grenzen hinausdenke, hinausdenken müsse. Raum für Begegnungen seien immens wichtig, von Anfang an. „Jede katholische Schule sollte eine Partnerschaft in Europa haben.“

Europa lebt von der Diskussion

Das gefällt auch der Europaabgeordneten Angelika Niebler. Sie nimmt die Europäische Union gegen Kritik in Schutz. Die EU sei „viel besser als ihr Ruf, ein einzigartiges Erfolgsprojekt“ und nennt die Themen Umwelt- und Verbraucherschutz, Freizügigkeit und Freihandel. Allerdings, gibt Niebler zu, sehe sie keine einfachen oder schnelle Lösungen bei den anstehenden Herausforderungen. Allein beim Thema Flüchtlingsfrage hätten die Mitgliedsländer deutlich unterschiedliche Auffassungen, was Solidarität bedeute. Und wie sieht die Zukunft der EU aus? Dafür sei eine breite gesellschaftliche Diskussion nötig, erklärt die Parlamentarierin.

Kirche muss sich sehen lassen

Später, nach einem Studienteil und vielen Diskussionen, spricht sich Kardinal Marx im Bericht des Erzbischofs dagegen aus, Seelsorge in immer größeren Pfarrverbänden zu organisieren. „Kirche muss vor Ort erlebbar und sichtbar bleiben.“ Auch wenn es an Priestern mangele, gebe es viele Menschen, die in der Kirche arbeiten wollten. Auf diese Berufungen müsse der Blick gerichtet werden. Nach Einschätzung der deutschen Bischöfe habe Evangelisierung nämlich oberste Priorität. „Dies ist aber nicht als Rekrutierung für die Kirche zu verstehen“, erklärt der Kardinal, „sondern Evangelisierung bedeutet, die ganze Welt, die Kultur der Menschen mit der Figur Jesu von Nazareth in Berührung zu bringen.“

Auch das hat Alois Glück jahrzehntelang gemacht. Die Korbiniansmedaille, soviel verrät er der Münchner Kirchenzeitung noch, wird einen Ehrenplatz erhalten. „Vielleicht im Büro, ich arbeite ja sehr viel, oder im Wohnzimmer. Auf jeden Fall dort, wo ich sie immer sehen kann.“ (Susanne Hornberger)


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