Kirchenrestaurierung in Aufham-St. Jakobus Frischekur für wertvolle Malerei

09.09.2019

Die Kirche St. Jakobus in Aufham (Dekanat Berchtesgaden) wird wieder hübsch gemacht. Veronika Mergenthal hat einem Kirchenmaler und zwei Restauratorinnen dabei über die Schulter geschaut.

Birgit Schelle beim Retuschieren der floralen Renaissance-Bemalung im Chor der Aufhamer Kirche St. Jakobus
Birgit Schelle beim Retuschieren der floralen Renaissance-Bemalung im Chor der Aufhamer Kirche St. Jakobus © Mergenthal

Aufham – Viele Pilger zogen durch den Ort an der Salzstraße und erhielten Essen, Wasser und ein sicheres Nachtlager in Kirchennähe, als die Kirche St. Jakobus in Aufham (Dekanat Berchtesgaden) 1312 erstmals erwähnt wurde. Ein Juwel sind die Kreuzrippengewölbe mit ihrem filigranen Zierat. Im Zuge der Innenrenovierung werden sie nun Pinselstrich für Pinselstrich restauriert.

Bis Mitte September sollen die Arbeiten, die im Langhaus aufgrund der kunsthistorischen Bedeutung von der „Abteilung Kunst“ des Erzbischöflichen Ordinariats München gefördert wurden, abgeschlossen sein. „Das kriegen wir hin“, zeigt sich Restauratorin Iris Badstuber aus Rimsting optimistisch. Mit zwei Kolleginnen, Agathe Bernhard aus dem Landkreis Erding und Birgit Schelle aus Bad Endorf, hat sie sich für die Restaurierung der Gewölbe im Chor über dem Altar eingefunden.

Zeitgleich werkelt im Langhaus und über der Empore Kirchenmalermeister Joachim Friesdorf aus Ruhpolding für den Inzeller Kirchenmaler-Betrieb Michael Stein. Ein stimmiges Gesamtbild soll entstehen, ungeachtet dessen, dass verschiedene Betriebe beteiligt sind und die Malereien aus unterschiedlichen Epochen stammen – im Langhaus aus der Gotik und im Chor aus der Renaissance, 1618 ermöglicht durch eine Stiftung der Pflegverwaltersgattin von Staufeneck.

Täglicher Besuch der Baustelle

Zunächst stabilisierte der Bernauer Stuckateur Michael Schumacher durch Bohrungen und Fixierung mit einem abgefederten Schraubensystem die Aufhängung der Rippen im Chor. Zu groß war die Gefahr, dass sich etwas löst – ein lebensbedrohliches Sicherheitsrisiko für den Altardienst. „Der Statiker hat uns erklärt: Wenn eine Rippe abreißt, setzt das einen Domino-Effekt in Gang“, erläutert Annemarie Bauer, Vorsitzende des Pfarrverbands- und Pfarrgemeinderates, die als Mitglied der Kirchenverwaltung täglich die Baustelle besucht.

Zum Stabilisieren und Ausstopfen der Risse brauchten die Restauratorinnen einen großen Eimer Kalkmörtel. Auch Putz und Malschicht wurden gefestigt. Ziel sei nicht ein „alter oder neuer Glanz“, sondern, die Materialien so zu ertüchtigen, dass sie viele weitere Jahrzehnte halten, erklärt Badstuber. „Es soll ablesbar sein, dass die Raumschale viel erlebt hat“, ergänzt Schelle.

Mit einem Dampfreiniger wurde ganz vorsichtig der Ruß beseitigt, um die floralen Ornamente zu erhalten. Die Restauratorinnen reduzierten auch dunkle Übermalungsreste aus den 1930er und 1970er Jahren. 1930 wurden die damalige Fassung aus dem 19. Jahrhundert sowie weitere Anstrich-Schichten abgenommen und dadurch die Renaissance-Ornamente und die gotische Marmorierung der Rippen freigelegt.

Bei den Reinigungsarbeiten tauchte rund um das Heilig-Geist-Loch ein Strahlenkranz auf.
Bei den Reinigungsarbeiten tauchte rund um das Heilig-Geist-Loch ein Strahlenkranz auf. © Mergenthal

Freudige Überraschung

Auch Kirchenmaler Friesdorf rückte vor dem Retuschieren dem Ruß zu Leibe – und zusätzlich einer Lasurschicht aus den 1930er Jahren. Damals hatte man laut Friesdorf sogar Ruß in die Farbe gemischt, damit sie zur Decke passte, von der man den alten Ruß nicht ganz wegbekam. Da die Lasur mit Kunststoff gebunden war, halfen zum Entfernen nur ein Lösemittel aus destilliertem Wasser und Alkohol sowie der Dampfreiniger. Beim Reinigen erlebte Friesdorf eine freudige Überraschung: Rund um das Heilig-Geist-Loch tauchte plötzlich ein Strahlenkranz auf.

„Wir hoffen, dass wir Mitte bis Ende September wieder Gottesdienst feiern können“, betont Bauer. Das Projekt ist ihr ein Herzensanliegen. Auslöser für die Innenrenovierung war der Einbau einer neuen, durch Spenden finanzierten Orgel ab Mitte September. (Veronika Mergenthal)

Am Kirchweihsonntag, 20. Oktober, um 9 Uhr feiert die Pfarrei einen Gottesdienst mit Segnung der Raumschale. Die Orgelsegnung und ein Orgelkonzert von Martina Jakob sind am dritten Adventswochenende geplant.


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