Filmfest München Fritz-Gerlich-Filmpreis für Doku über Rassismus

02.07.2019

Der Dokumentarfilm "What You Gonna Do When The World’s On Fire?" hat auf dem Filmfest München 2019 den katholischen Fritz-Gerlich-Filmpreis erhalten. Warum die Jury sich für den Film des italienischen Regisseurs Roberto Minervini entschied, lesen Sie hier.

Kardinal Reinhard Marx (von links), Produzent und Preisträger Paolo Benzi, Moderatorin Nina Sonnenberg, Tellux-Geschäftsführer Martin Choroba und Laudatorin Emily Atef
Kardinal Reinhard Marx (von links), Produzent und Preisträger Paolo Benzi, Moderatorin Nina Sonnenberg, Tellux-Geschäftsführer Martin Choroba und Laudatorin Emily Atef © Kiderle

München – Im Rahmen des Münchner Filmfests ist der italienische Regisseur Roberto Minervini für seinen Dokumentarfilm „What You Gonna Do When The World’s On Fire?“ mit dem Fritz-Gerlich-Filmpreis ausgezeichnet worden. Kardinal Reinhard Marx überreichte den von der katholischen Filmproduktionsfirma Tellux gestifteten Preis an den Produzenten des Films, Paolo Benzi. Regisseur Minervini, der seit 20 Jahren in den USA lebt, bedankte sich per Videobotschaft für die Auszeichnung.

Die in schwarz-weiß gedrehte Dokumentation begleitet mehrere Afro-Amerikaner in den Südstaaten der USA und zeigt, wie sich Polizeigewalt und Rassismus auf ihr Leben auswirken. Die Laudatio auf den Film hielt die Autorin und Regisseurin Emily Atef, deren Romy-Schneider-Film "3 Tage in Quiberon" 2018 mit sieben Auszeichnungen beim Deutschen Filmpreis bedacht wurde.

Bedrohung der Menschenwürde

Laut der Jury fessele und irritiere "What You Gonna Do When The World’s On Fire?" den Zuschauer auf produktive Weise: "Die Schwarz-Weiß-Bilder suggerieren zunächst den Blick in die Vergangenheit früherer, überwundener Rassenkonflikte und machen schon im nächsten Moment deutlich, dass das Gezeigte unmittelbare Gegenwart ist: Mitten in Amerika, aber auch mitten in unserer Gesellschaft." Die Eindringlichkeit, mit der der Film die Verletzlichkeit des Einzelnen und die Bedrohung der Menschenwürde vor Augen führe, verdienten die Auszeichnung mit dem Fritz-Gerlich-Filmpreis, so die Jury.

Der Film gibt Einblicke in das Leben der schwarzen Community in den Südstaaten der USA.
Der Film gibt Einblicke in das Leben der schwarzen Community in den Südstaaten der USA. © The Match Factory

Es sei kaum zu fassen, in welche Situationen man die Protagonisten des Films, "die einem wahnsinnig schnell vertraut werden", begleiten könne, betonte Jurymitglied Sandra Krump, die im Erzbischöflichen Ordinariat München das Ressort Bildung leitet. Man wisse ja eigentlich vieles über Rassismus und die schwarze Community in den USA, "aber man erlebt es im Film plötzlich und das ist natürlich eine völlig neue Qualität."

Erinnerung an Fritz Gerlich

Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung erinnert an den katholischen Publizisten Fritz Gerlich (1883-1934), der mit seiner Wochenzeitung "Der gerade Weg" ein Widersacher Hitlers war und von den Nationalsozialisten deshalb ermordet wurde. Der Preis ist Filmkünstlern und ihren Werken gewidmet, die sich wie der Namensgeber gegen Intoleranz engagieren und sich für eine "Menschen verbindende, friedvolle und demokratische Gesellschaft" einsetzen. Im Dezember 2017 hat Kardinal Marx ein Seligsprechungsverfahren für Fritz Gerlich eröffnet.

Der Preisträgerfilm „What You Gonna Do When The World’s On Fire?“ ist auf dem Münchner Filmfest am Donnerstag, 4. Juli, um 20.30 Uhr im HFF Kino 2 zu sehen.

Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
k.schlaug@st-michaelsbund.de

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