"Of Fathers and Sons" Fritz-Gerlich-Filmpreis für Talal Derki

05.07.2018

Der Dokumentarfilm "Of Fathers and Sons" hat in diesem Jahr auf dem Filmfest München den katholischen Fritz-Gerlich-Filmpreis erhalten. Darin zeigt Regisseur Derki das Innenleben einer radikal-islamischen Familie in Syrien.

Kardinal Reinhard Marx (links) überreichte den Fritz-Gerlich-Filmpreis an Regisseur Talal Derki.
Kardinal Reinhard Marx (links) überreichte den Fritz-Gerlich-Filmpreis an Regisseur Talal Derki. © Filmfest München 2018/Volker Rebhan

München – Im Rahmen eines Festaktes im Hubertussaal von Schloss Nymphenburg ist in diesem Jahr zum 7. Mal der Fritz-Gerlich-Filmpreis verliehen worden. Den mit 10.000 Euro dotierten, einzigen katholischen Filmpreis erhielt der heute in Berlin lebende Syrer Talal Derki für seinen Dokumentarfilm „Of Fathers and Sons“. Den von der Tellux Beteiligungsgesellschaft in Kooperation mit der Erzdiözese München und Freising sowie mit dem Filmfest München gestifteten Preis überreichte Erzbischof Reinhard Kardinal Marx.

Die Jury urteilte über das filmische Porträt eines radikal-islamischen syrischen Vaters und seiner Söhne, die sich dem Kampf gegen die syrischen Machthaber verschrieben haben: „Talal Derki gelingt es mit 'Of Fathers and Sons', Einblick in eine Welt und deren Lebensweise zu geben, die uns sonst verschlossen bleibt. Wie auch der Namensgeber des Fritz-Gerlich-Preises, berichtet der Filmemacher unter dem Einsatz seines eigenen Lebens aus einem totalitären System.“

Fritz-Gerlich-Filmpreis

Die Auszeichnung ist nach dem von den Nationalsozialisten ermordeten Münchner Publizisten benannt, der mit seiner Wochenzeitung "Der gerade Weg" Adolf Hitler noch vor dessen Machtergreifung stoppen wollte. Sie ist Filmkünstlern und ihren Werken gewidmet, die sich wie der Namensgeber gegen Intoleranz engagieren und sich für eine "Menschen verbindende, friedvolle und demokratische Gesellschaft" einsetzen. Im Dezember 2017 hat Kardinal Marx ein Seligsprechungsverfahren für Fritz Gerlich eröffnet.

Szenenbild aus dem Dokumentarfilm "Of Fathers and Sons"
Szenenbild aus dem Dokumentarfilm "Of Fathers and Sons" © Filmfest München 2018

Dringender Appell

Die Laudatio hielt der Schriftsteller Friedrich Ani. Er sprach von einem Film „ohne Gnade“ und „ohne doppelten Boden“, deren Protagonisten, die Kinder, „der Herzschlag der Zukunft“ seien. „Sie glauben, weil sie keine andere Wahl haben. Sie glauben an Gott, weil ihre Väter es ihnen sagen.“ Der Film sei ein dringender Appell an uns alle: „Der unterschwellige, durchaus berechtigte Vorwurf gegenüber der Gleichgültigkeit des Westens angesichts eines andauernden Bürgerkrieges in Syrien macht die moralische Kraft dieses Dokumentarfilms aus.“

Für seinen Film kehrte Derki in sein Heimatland zurück, gewann das Vertrauen der radikal-islamischen Familie von Abu Osama, deren Leben im Kalifat er zwei Jahre lang begleiten durfte. Den Namensgeber des Preises wie auch den couragierten Filmemacher Derki nannte Ani „Heilige“. (Angelika Irgens-Defregger)

Der Preisträgerfilm „Of Fathers and Sons“ ist auf dem Münchner Filmfest am Samstag, 7. Juli, um 20.30 Uhr im Kino Münchner Freiheit zu sehen.

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