Filmfest München Fritz-Gerlich-Preis für Film über New Yorker Untergrund

08.07.2021

Bereits zum neunten Mal wurde gestern im Rahmen des Münchner Filmfestes der Fritz-Gerlich-Preis verliehen. Diesmal war sich die Jury schnell einig: Die Trophäe des einzigen katholischen Filmpreises ging an das Spielfilmdebut von Celine Held und Logan George.

Weihbischof Stolberg, Julia Weigl und Tellux-Geschäftsführer Philipp Schall (von links nach rechts)
Weihbischof Stolberg, Julia Weigl und Tellux-Geschäftsführer Philipp Schall (von links nach rechts) © SMB/Lemli

München – Nachdem die Verleihung im vergangenen Jahr coronabedingt abgesagt werden musste, fand sie heuer im Maffeihof der FÜNF HÖFE in München statt. Während der von Nina Sonnenberg moderierten Verleihung rief Philipp Schall, Geschäftsführer der den Preis vergebenden TELLUX Film, die Gäste dazu auf, wieder ins Kino zu gehen und so Kultur zu fördern. Schließlich sei der Bedarf nach Filmen jeder Art zum nahenden Ende der Pandemie hin enorm.

Weihbischof Graf Rupert Stolberg würdigte in seiner Laudatio vor allem die Bildsprache und die Soundcollage von „Topside“, mit der die dunkle Welt des New Yorker Untergrundes greifbar gemacht werde. „Topside zeigt die Härte des Lebens auf, strahlt dabei gleichzeitig jedoch sehr viel Wärme aus“, betonte Weihbischof Stolberg im Interview mit mk online. Auch der Bruch vom Leben in der Unterwelt zur sogenannten Topside habe ihn beeindruckt. Das Ende des Filmes sei zunächst verstören, „es hebt aber nicht den moralischen Zeigefinger, sondern fordert Menschen dazu auf, sich mit der Entscheidung der Protagonisten auseinanderzusetzen.“

Botschaften über das Herz vermitteln

Der Weihbischof ist überzeugt, dass Jesus auch das Medium Film nutzen würde, wenn er heute auf der Welt wäre. Schließlich ließen sich so Botschaften nicht nur über den Intellekt, sondern vor allem über das Herz nahebringen. Deshalb unterstütze die Kirche den Fritz-Gerlich-Preis gerne. Zudem habe „Topside“ eine zutiefst christliche Botschaft.

Dr. Sandra Krump, Direktorin des Erzbischöflichen Ordinariats München, ist seit sieben Jahren Jurymitglied des Fritz-Gerlich-Preises. Selten sei sich die Jury derart einig über den Preisträger gewesen. „Es ist aber auch ein fantastischer Film mit fantastischen Schauspielern!“, zeigt sich Krump begeistert und hebt auch die Geräusche und Toncollagen hervor. Mit der New Yorker Untergrundwelt werde ein Thema nahgebracht, mit dem wir eigentlich wenig zu tun haben. Man werde jedoch in den Film „reingezogen“.

Film über Menschen ohne Perspektive

Julia Weigl ist verantwortlich für das Programm des Münchner Filmfestes und hat den Film für den Preis entdeckt. Sie nahm den Preis stellvertretend für die aus Amerika stammenden Macher in Empfang. „Celine Held und Logan George haben sich eine Community ausgesucht, die sonst in der Dunkelheit lebt, keine Perspektive hat und keine Stimme bekommt“, erklärt Weigl. Mit dem mit 10.000 Euro dotierten Preis wird an den katholischen Journalisten Fritz Gerlich erinnert, der schon vor Beginn des Naziregimes mit seiner Wochenzeitung „Der gerade Weg“ vor Hitler warnte. 1934 wurde er deshalb im KZ Dachau ermordet. Mit dem Preis sollen Filmschaffende geehrt werden, die sich mit ihren Werken gegen Intoleranz einsetzen und sich für eine „Menschen verbindenden, friedvolle Gesellschaft“ einsetzen. (Maximilian Lemli, Volontär beim Michaelsbund)


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