Sternsinger bei Eiseskälte Froh, aber durchgefroren

09.01.2017

Wie ist es als Sternsinger auf dem Land bei minus zwölf Grad von Haus zu Haus ziehen? Wir waren mit dabei.

Von der St.-Georgs-Kirche aus machen sich die Wenger Sternsinger auf den Weg. © Kiderle

Weng – „Grüß euch, kommt’s rein, draußen is so koid!“, begrüßt ein etwa sechzigjähriges Ehepaar die drei Sternsinger Kilian Straßer, Sandra Hanusch und Felix Wurmseher mit ihrem Sternträger Sebastian Ebert. Die vier treten dankbar ein. Sebastian beginnt gleich mit seinem Sprücherl: „Christus segne dieses Haus, und die drin gehen ein und aus, die Liebe sei mächtig, der Hass sei verbannt, das wünschen die Weisen aus dem Morgenland.“ Jeder König gibt sein Sprücherl zum Besten, während Stefan Holzmann und seine Frau Maria andächtig zuhören. „Schreibt’s ihr no o?“ Damit meint Maria Holzmann, die in der Grundschule in Fahrenzhausen Lehrerin war, den Segenswunsch der Sternsinger, den sie mit Kreide an jede Haustüre, die ihnen geöffnet wird, schreiben: „20 *C+M+B*17“. Während die 16-jährige Sandra, die größte Sternsingerin, mit Kreide anschreibt, sind die anderen zwei Könige beschäftigt, die „Gaben“ von den Holzmanns einzupacken. Es gibt Geld für Kinder in Kenia und Süßigkeiten für die Sternsinger selbst.

Eingefrorene Klingeln

Bei Eiseskälte, Schnee, strahlendem Sonnenschein und weißblauem Himmel, machen sich 14 von 16 Ministranten der Kuratie Weng (Dekanat Dachau), koordiniert von Elisabeth Wünscher, genannt Lisi, als Sternsinger auf den Weg. Zwei der drei Gruppen ziehen durch die Ortschaft Weng, die andere durch Groß- und Kleineisenbach. Bei der Kälte kann es da schon passieren, dass so manche Klingel einfriert. Aus dem Küchenfenster wurden die Heiligen Drei Könige doch noch im letzten Moment von einer Familie erspäht. „Kommt’s ihr heute gar nicht zu uns?“, fragt eine junge dunkelhaarige Frau aus dem Fenster. „Doch, wir haben geklingelt, aber es hat keiner aufgemacht“, ruft Kilian ihr zu. So bleiben die vier gleich vor dem Eck-Küchenfenster stehen und sagen dort ihr Sprücherl auf.

Viele Wenger warten schon auf die Sternsinger – in dem beschaulichen Ort, in dem 63 Prozent der Einwohner katholisch sind. Die Menschen hier sind sehr stolz auf ihre spätgotische Kirche, die hoch oben auf der Wenger „Georgshöhe“ trohnt. Liebevoll bezeichnen die Einheimischen das Gotteshaus als „Dom des Ampertals“, da man die St.-Georgs-Kirche von allen Seiten sieht. Die knapp 5000-Seelen-Gemeinde Fahrenzhausen, zu der die Ortschaft Weng gehört, ist die erste dörfliche Gemeinde, wenn man von München aus auf der B13 Richtung Norden fährt.

Zum Aufwärmen gibt es Kinderpunsch für die kleinen Könige. © Kiderle

Kinderpunsch und Plätzchen

Auch das Ehepaar Liedl hat bereits auf die Sternsinger gewartet, denn wie jedes Jahr gibt es bei dem ehemaligen Kirchenpfleger Gottfried und Ehefrau Rosa leckeren Kinderpunsch und selbstgebackene Plätzchen. Bei Liedls treffen sich schon seit jeher beide Gruppen wieder zum Aufwärmen. „Wie schreibst di na du?“ oder „Von wem bist dann du?“, werden die Kinder von Gottfried gefragt. Bereitwillig geben sie Auskunft, wer ihre Eltern sind. „Mei, di hätt i heute gar nimmer gekannt. Do kennt ma di ned, wennst di so ostreichst“, meint er zu Sophia Leutner, die heuer den dunkelhäutigen König darstellt. Alle lachen.

Sophia ist mit ihrem Bruder Simon und mit Quirin Renger in der Gruppe mit Lisi unterwegs. „Für die 10- bis 16-Jährigen ist es wichtig, dass ein Erwachsener mitgeht,“ erklärt Elisabeth Wünscher. Sie hilft den Kleineren mit dem Rauchfass, wenn mal wieder die Kohle durchgebrannt ist, oder schreibt auch an der Türe an.

„Schee seid’s“, bekommen die Heiligen Drei Könige öfter zu hören. Die prächtigen Gewänder, die sie kleiden, wurden in liebevoller Näharbeit von Angelika Betz und einer ihr sehr gewogenen Näherin handgefertigt. Auch den Sternsingern gefällt es, „schön“ zu sein. „Ich bin viel goldiger wie du“, hört man die elfjährige Luisa Behrends lachend auf dem Weg zum Mittagessen bei Familie Betz zu Sophia sagen, die einen roten Samtumhang trägt. Alle Könige tragen einen Turban passend zu ihren Gewändern – der schützt gut vor der Kälte.

Besuch bei den Milchkühen

Das gemeinsame Mittagessen mit den beiden Gruppen bei Familie Betz gehört zum Ritual. Es gibt warme Pizzasemmeln und als Nachspeise Vanillepudding. Aber natürlich erst, wenn die Sterndeuter die Frohe Botschaft bei Familie Betz verkündet und den Segen für 2017 an die Haustüre geschrieben haben. Als Landwirtin legt Angelika Betz besonderen Wert darauf, dass auch im Stall bei ihren 64 Milchkühen geräuchert wird.

Warum sich die Sternsinger in Weng auch heuer wieder bei Schnee und minus zwölf Grad auf den Weg machten? „Weil es Spaß macht“, sagt Kilian und Sebastian ergänzt: „Weil es lustig ist mit der Gruppe und mit Lisi für arme Kinder zu sammeln.“

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit um halb fünf, halb durchgefroren, sind die „Heiligen Sechs Könige“ und ihre zwei Sterne von Weng froh, ihre Tour gut geschafft zu haben. Nachdem jeder sein weißes Gewand, den Turban und den Mantel bei Angelika Betz abgeliefert hat, geht es zwei Häuser weiter zu Lisi, um die Süßigkeiten, Chips und Kekse aufzuteilen. Ein schöner Tag für die Wenger Ministranten. (Margarethe Stadlbauer)

Dieser Artikel gehört zu den Themen Sternsinger Kälte

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