Benedikts Blitzbesuch in Bayern Fünf Tage voller Abschiede

22.06.2020

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. beendet seinen fünftägigen Besuch bei seinem kranken Bruder in Regensburg. Am Montagmorgen fliegt er nach Rom zurück.

Papst Benedikt XVI. bei einem Spaziergang mit seinem Bruder Georg Ratzinger 2008
2008 waren beide Brüder noch gut zu Fuß unterwegs. © Osservatore Romano/Romano Siciliani /KNA

Regensburg – Der Papst kommt nach Hause. Mit dieser Nachricht überraschte Benedikt XVI. am Donnerstag die Öffentlichkeit. Dass es sich nicht um den aktuellen Amtsinhaber, sondern den ehemaligen handelte, und dass die Reise als rein privat deklariert wurde, tat der Aufmerksamkeit keinen Abbruch. Wobei privat angesichts der Prominenz des Reisenden ein relativer Begriff ist. Das zeigte bereits die Anwesenheit des bayerischen Staatskanzleichefs Florian Herrmann (CSU) bei der Landung des Landsmanns mit einer Maschine der italienischen Luftwaffe auf dem Franz-Josef-Strauß-Flughafen.

Beschwerliche Reise

Der letzte Besuch des früheren Kirchenoberhaupts in Bayern liegt 14 Jahre zurück. An sich war überhaupt nicht mehr damit zu rechnen, dass Joseph Ratzinger noch einmal seinen Altersruhesitz im Vatikan verlassen würde. Seine zunehmende körperliche Gebrechlichkeit ist schon länger kein Geheimnis mehr. Viel Zeit verbringt er inzwischen im Rollstuhl. Deswegen war die Reise an sich schon eine Sensation.

Zwangsläufig schossen die Spekulationen ins Kraut, warum der 93-Jährige diese Strapaze noch auf sich nimmt. Dann müsse es um seinen drei Jahre älteren Bruder Georg wirklich schlimm stehen. Doch die Mutmaßung, dieser liege bereits im Sterben, erwies sich als voreilig, auch wenn alles darauf hindeutet, dass der Gesundheitszustand des früheren Regensburger Domkapellmeisters Georg Ratzinger ernst ist.

Die Ratzingers sind Familienmenschen. Und weil das auch für Papst Franziskus gilt, war es folgerichtig, dass er seinem Vorgänger diesen Ausflug ans Krankenlager seines letzten engen Verwandten bereitwillig gestattete.

Das Zusammensein zählt

In Regensburg hatten die Gebrüder Ratzinger gemeinsam ihren Lebensabend verbringen wollen, das Grab der Eltern 1974 eigens von Traunstein dorthin umbetten lassen. Auch später noch, als der Theologieprofessor längst zum Münchner Erzbischof und dann zum Glaubenspräfekten in Rom befördert worden war, hielten sie daran fest. Die Pläne zerschlugen sich erst mit der Papstwahl des Jüngeren im Jahr 2005.

Streng abgeschirmt von der Polizei ließ sich Benedikt XVI. in den vergangenen Tagen jeweils vormittags und am späteren Nachmittag für einige Stunden von seinem Quartier im Regensburger Priesterseminar durch die Altstadt in die Luzengasse eskortieren. Es galt, unter Aufbietung aller Kräfte so viel Zeit wie möglich miteinander zu verbringen - auch im Gebet und bei der Feier der Messe.

Georg sei wach, Gespräche seien nur noch eingeschränkt möglich, aber was zähle, sei einfach das Zusammensein, hieß es aus Bistumskreisen. Und dass dies für beide geradezu ein Lebenselixier sei.

Eine zweite Spekulation machte die Runde, je länger Benedikts Visite am bayerischen Donauknie dauerte: Vielleicht zieht er ja gleich ganz um. Das, versicherte Bistumssprecher Clemens Neck gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Sonntag, sei aber "nie ein Thema" gewesen. Es sei nur darum gegangen, ob der Besuch drei, fünf Tage oder zwei Wochen dauere.

Ausflüge vor Ort

Benedikt nutzte seinen Aufenthalt auch für einige Ausflüge an Orte, die ihm sehr viel bedeuten: das Familiengrab auf dem Ziegetsdorfer Friedhof, in dem auch seine ältere Schwester liegt, und sein früheres Wohnhaus im Vorort Pentling, das vom Institut Papst Benedikt XVI. inzwischen behutsam zu einer Stätte der Begegnung und Dokumentation umgestaltet worden ist.

All diese Stationen hatte der 93-Jährige schon 2006 absolviert, in der vermeintlichen Gewissheit eines Abschiedes für immer. War's das jetzt also endgültig? Schaun mer mal, würde "der Kaiser" sagen.

Bis zum vergangenen Jahr hatte sich regelmäßig Georg Ratzinger nach Rom auf den Weg gemacht. Dass ihm dies noch einmal möglich sein wird, lässt sich ausschließen. Wie viel Zeit den beiden hochbetagten Brüdern auf dieser Erde noch bleibt, weiß niemand. Klar ist nur: Wollen sie sich treffen, muss sich nun Benedikt XVI. in Bewegung setzen. Und der weiß jetzt: Es geht. Am Montagmorgen fliegt er nach Angaben des Bistums Regensburg von München aus nach Rom zurück. (kna)


Das könnte Sie auch interessieren

Georg Ratzinger und Susanne Hornberger
© SMB

Begegnungen voller Freundlichkeit

Aufgeschlossen, unterhaltsam, interessiert - Susanne Hornberger, Chefredakteurin der Münchner Kirchenzeitung, erinnert sich an berufliche und persönliche Zusammentreffen mit dem ehemaligen...

01.07.2020

© imago images - Passion2Press

KAB kämpft für Galeria-Belegschaft

Mindestens drei Filialen schließt Galeria Karstadt Kaufhof in München. Die Katholische Arbeitnehmerbewegung KAB versucht der Belegschaft zu helfen.

26.06.2020

© Kiderle
© Kiderle

Ein Fall für zwei

In München werden am Wochenende zwei junge Männer zu Priestern geweiht. Ihnen steht eine herausfordernde Zukunft bevor.

25.06.2020

Der Teppich des Anstoßes, der an Fronleichnam in St. Maximilian gelegt wurde.
© Kiderle

Überlegte Solidarität

Vermeintliche Unterstützung für die "Black Lives Matter"-Bewegung kann auch diskriminieren. Schon bei der Sprache fängt das an.

24.06.2020

Nach der Corona-Zwangspause hat das Bräustüberl in Andechs wieder geöffnet.
© imago images / Jürgen Schwarz

Wallfahrerschmankerl

Der Sommer lädt trotz Corona zum Wallfahren ein. Dabei muss man inzwischen auch nicht mehr auf einen Wirtschaftbesuch verzichten.

23.06.2020

Die Handauflegung bleibt auch während der Corona-Pandemie fester Bestandteil der Priesterweihe.
© imago images / UIG

Waschen und Weihen

Die diesjährige Priesterweihe in München muss aufgrund der Corona-Pandemie unter ungewohnten Bedingungen gefeiert werden.

22.06.2020

© imago images / Leemage

Georg Ratzinger schwerkrank

In unserer Sendung führen wir ein Gespräch zum Gesundheitszustand von Georg Ratzinger.

19.06.2020

Benedikt XVI.
© imago images / ZUMA Press

Emeritierter Papst in Regensburg

Benedikt XVI. ist am heutigen Donnerstag in Regensburg eingetroffen. Der Grund für seinen kurzfristigen Besuch ist ein trauriger.

18.06.2020

Carlo Acutis
© carloacutis.com

Seligsprechung von italienischem Teenager

Der als möglicher "Patron des Internets" geltende Carlo Acutis wird am 10. Oktober seliggesprochen. Vor seinem Tod an Leukämie widmete sich der tiefgläubige Junge ganz dem Papst und der Kirche.

16.06.2020

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren