Messweinhändler aus Bayern Für die Messfeier nur das Beste

23.09.2020

Seit dreißig Jahren liefert Franz Stettner Wein für die Eucharistie. Lesen Sie hier warum es heute keine Approbation zum Messweinhändler mehr braucht und welchen Wein Pfarrer gerne trinken.

Franz Stettner
Messweinhändler Franz Stettner verschickt an rund 300 Kunden, auch außerhalb des Erzbistums München und Freising. © SMB/Witte

Messweinhändler Franz Stettner deutet auf ein kleines Etikett am Hals der Bordeaux-Flasche. Mit diesem Aufkleber werden die Messweinflaschen gekennzeichnet, die die Firma im oberbayerischen Kolbermoor in Richtung Pfarreien oder Klöster verlassen. Angefangen hat das, als der junge Diplom-Ingenieur für Weinbau und Getränketechnologie in den Betrieb des Vaters eintrat. Das Unternehmen stellt seit 1949 Spirituosen und Liköre her und handelt mit Weinen.

Und weil schon Franz senior vereidigter Messweinhändler war, wollten die Stettners die Tradition gern weiterführen: Eines Tages machte sich Franz junior dann auf ins Erzbischöfliche Ordinariat in München, um dort seinen Eid abzulegen. Damit war er als Messweinhändler für das Erzbistum München und Freising approbiert. Dass er bekennender Katholik und in der Heimatpfarrei engagiert war, das habe damals bei der Erfüllung dieses Wunsches sicher eine Rolle gespielt, meint Stettner.

Unterschiedliche Vorlieben

Auch das Reglement für den verkauften Wein selbst ist streng: Das Produkt, das bei der Eucharistiefeier in den Kelch kommt, darf nur aus der Rebe des Weinstocks gekeltert sein. Damit soll eine Qualität gesichert werden, die der Heiligkeit des Sakramentes entspricht. Kirschwein oder Beerenweine sind nicht zugelassen. Das geht aus der Grundordnung des Römischen Messbuchs hervor. Diese Regelung geht direkt auf das Neue Testament zurück, erklärt Franz Stettner: Jesus habe, wie der Evangelist Lukas berichtet, beim letzten Abendmahl Traubenwein getrunken.

Welchen Wein der Priester dann allerdings in der Messfeier verwendet, ist ihm überlassen. „Favoriten sind Weine mit wenig Säure. Weil Pfarrer morgens mit nüchternem Magen die Messe halten, legen sie Wert auf Bekömmlichkeit. Daher sind Rebsorten wie Weißburgunder oder Weißer Bordeaux mit die beliebtesten bei den Weinbestellungen.“ Aber auch Likörweine wie etwa von der griechischen Insel Samos seien sehr gefragt.

Deutsches Weinrecht

Dass die Weine für die Messfeier aus roten Trauben zubereitet sein sollten, war jahrhundertelang unumstritten, allein schon wegen der symbolischen Nähe zum Blut Christi. Erst Papst Sixtus IV. ließ 1478 die Verwendung von Weißwein zu. Heutzutage wird in der katholischen Kirche meist Weißwein verwendet, was auch praktische Gründe hat: Die hellen Flecken lassen sich aus der Altarwäsche wesentlich leichter entfernen als rote. Und so bietet Franz Stettner eine große Auswahl deutscher und ausländischer Weißweine an.

Als vereidigter Messweinhändler gehört der Kolbermoorer allerdings einer „aussterbenden Gattung“ an, wie er selbst sagt: 2014 haben die deutschen Bischöfe die Messweinverordnung aufgehoben – und damit auch die Approbation der Messweinhändler beendet. Seitdem dürfen auch andere Weinhändler die Pfarrämter, Konvente und kirchlichen Institutionen beliefern. Begründet wurde das mit dem deutschen Weinrecht. Das habe die Reinheit des Weines so strikt normiert und die Beimischung von Fremdstoffen weitgehend verboten, dass die Messweinverordnung hinfällig sei. Und damit bedürfe es eben auch keiner vereidigten Messweinhändler mehr.

Eine große Ehre

Trotz der Aufgabe der Messweinordnung hält die Kirche aber an bestimmten Kriterien fest: Der Wein muss nach wie vor aus Trauben gemacht sein, und die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) fordert von den Priestern, dass sie einen Wein auswählen, der mindestens den Anforderungen eines Qualitätsweines entspricht (die Weine müssen aus einem einzigen der zugelassenen Anbaugebiete stammen und ein bestimmtes Mostgewicht aufweisen). Will der Pfarrer einer Gemeinde lieber einen französischen, italienischen oder spanischen Wein verwenden, ist auf entsprechende gleichwertige Qualitätskriterien zu achten. Und da lassen sich viele Priester dann doch gern von den Mitarbeitern Stettners beraten: „Unsere Kunden sind treu“, sagt der Weinhändler.

Die oft jahrzehntelangen Verbindungen zu den Pfarreien würden nicht einfach so abreißen. Dass der Umsatz zurückginge, hänge wohl in erster Linie mit der Abnahme der Eucharistiefeiern und der Zunahme der Wortgottesdienste zusammen, bei denen eben kein Messwein benötigt wird. Die Zunahme der Konkurrenz durch Lieferanten, die nicht vereidigt sind, sei dafür nicht ausschlaggebend. Noch immer geht der Kundenkreis weit über die Erzdiözese hinaus, an etwa 300 Adressen wird versandt. Dem Chef ist das eine Herzensangelegenheit. Franz Stettner sagt: „Es ist eine große Ehre, die Weine für die Eucharistiefeier liefern zu dürfen.“

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de


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