Grüne fordern fleischfreien Tag in Kantinen Für die Wahlfreiheit

06.08.2013

Um es voraus zu schicken: Ich bin keine Vegetarierin. Grundsätzlich esse ich gerne Fleisch. Ich mag auch Schinken in meiner Nudelsoße oder ab und zu eine Currywurst. Ich würde sagen, wenn ich die Wahl habe, esse ich etwa jeden zweiten Tag Fleisch.

Brigitte Strauß-Richters ist Radioredakteurin beim Sankt Michaelsbund (Bild: privat)

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer begraben: Ein fleischloser Tag in der Kantine würde meinen Wünschen sehr entgegen kommen. Denn: Von den vier dort angebotenen Gerichten ist derzeit maximal eines ohne Fleisch – und das ist oft das teuerste und nicht sehr originell. Wenn mir dieses eine nicht schmeckt, dann greife ich zum toten Tier. Will sagen: ich werde von den Fakten gezwungen, Fleisch zu essen. Hätte ich dagegen vier Gerichte zur Auswahl, die nicht nur kein Fleisch enthalten, sondern auch noch als richtiges Essen angeboten werden, dann könnte ich tatsächlich wählen. Dann gäbe es nicht nur die fleischlose Alternative: Currywurst mit Pommes, aber ohne die Currywurst oder Ente mit Knödel und Blaukraut, aber ohne Ente bitte. Sondern Spinatlasagne, Pfannkuchen mit Schafskäse oder Käsespätzle - welch ein Gewinn!

Und zwar nicht nur für mein persönliches Wohlbefinden: Es müssten weniger Tiere gezüchtet werden, die „pupsen“ - der CO2-Ausstoß wird reduziert - gut für´s Klima. Das einzelne Tier könnte länger leben und langsamer „reifen“ und würde besser schmecken - gut für die Tiere und für mich. Es wird weniger Land für die Produktion von Viehfutter genutzt und man könnte Getreide anbauen, dass die Menschen zu sich nehmen. Die Folge: mehr Menschen hätten satt zu essen. Die Liste der Argumente, die für einen geringeren Fleischkonsum sprechen, ist ebenso lang wie gemeinhin bekannt. Und als Christen haben wir uns die Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung eh auf die Fahnen geschrieben.

Jetzt argumentieren viele, dass sie nicht gezwungen werden wollen. Aber mal ganz ehrlich: Wer spart Benzin, wenn es 50 Cent pro Liter kostet? Wer besorgt sich einen Organspendeausweis, wenn er nicht dazu genötigt wird? Es bleibt dabei – bei den guten Vorsätzen, eigentlich sollte ich mal.... Übrigens erinnere ich mich noch an die Einführung der Gurtpflicht im Auto – da haben auch viele gemeckert, dass sie sich nicht zwingen lassen wollen. Ein grundsätzliches Umdenken wird nur stattfinden, wenn Fakten geschaffen werden. Und zwar andere, als sie derzeit herrschen. Ach ja, und wenn ich am Veggie-Day unstillbaren Hunger auf Fleisch habe, dann muss ich ja nicht in die Kantine gehen, sondern kann mir auch eine Leberkäs- oder Schnitzel-Semmel kaufen. 

Brigitte Strauß-Richters ist Radioredakteurin beim Sankt Michaelsbund


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