Bischof Erwin Kräutler G7-Staaten mit schuld an Amazonas-Zerstörung

30.08.2019

An der Zerstörung des Regenwalds wirken auch die G7-Staaten mit, so der frühere Amazonas-Bischof Erwin Kräutler. Er findet, die Kirche habe eine Pflicht, zur Bewahrung Amazoniens beizutragen.

Bischof Erwin Kräutler
Bischof Erwin Kräutler © kna

Altamira – Der frühere Amazonas-Bischof Erwin Kräutler (80) pocht auf die Mitverantwortung der Industrieländer für die Ausbeutung und Vernichtung des Regenwalds. "Die G7-Nationen und andere Staaten müssen sich auch fragen, inwieweit sie selbst an der Zerstörung mitschuldig sind", sagte Kräutler im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) im brasilianischen Altamira. "Wo gehen denn die illegal geschlagenen Hölzer Amazoniens hin? Und all die Milch- und Fleischprodukte, für die der tropische Regenwald abgebrannt wird?"

Niemand sei gegen den Export von Rohstoffen, so Kräutler, "aber es sollte dabei nicht vergessen werden, dass die Umweltkosten und die Bedrohung der Bevölkerung sehr hoch sind". Keines der Länder, in die Brasilien beispielsweise Bergwerksprodukte exportiere, würde ein so großes Risiko für die eigene Bevölkerung und Umwelt akzeptieren, so der Österreicher, der von 1981 bis 2015 die flächenmäßig größte brasilianische Diözese Xingu leitete.

Präsident hat "keine Ahnung von Amazonien"

Präsident Jair Bolsonaro hat nach Einschätzung Kräutlers "keine Ahnung von Amazonien". Er bezeichnete den rechtsgerichteten Regierungschef als Feind der indigenen Völker, dem es nur um eine wirtschaftliche Ausbeutung des Amazonasgebietes gehe. Es sei eine Pflicht der Kirche, ihren Beitrag zur Verteidigung und Bewahrung Amazoniens zu leisten. Die Bischöfe Amazoniens kennten dieses Gebiet "entschieden besser als Politiker".

Vom 6. bis 27. Oktober findet im Vatikan eine von Papst Franziskus einberufene Amazonas-Synode statt, an deren Vorbereitung Kräutler beteiligt ist. Ein Schwerpunkt der Bischofsversammlung ist eine "ganzheitliche Ökologie" für die Region. (kna)

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