Garmisch-Partenkirchen zeigt Demenzfreundlichkeit

14.08.2013

Demenz darf nicht länger ein Thema sein, über das man schweigt. Das hat sich die Initiative "Aktion Demenz e.V." auf die Fahne geschrieben. Ziel ist unter anderem eine praktische Solidarität mit den Betroffenen - dafür werden demenzfreundliche Kommunen gegründet.

Demenz - kein Tabuthema (Bild: Osterland - Fotolia.com)

Beate Löw-Schneyder, Geschäftsführerin des Katholischen Bildungswerkes, hat angestoßen, dass auch Garmisch-Partenkirchen sich dieser Initiative anschließt. Denn die Region habe eine spezifische Bevölkerungsstruktur: „Es gibt Menschen, die hier aufgewachsen sind, aber auch viele Zuzügler aus anderen Regionen, die ihren Lebensabend dort verbringen wollen, wo sie 40 Jahre lang Urlaub gemacht haben. Das ist eine Tendenz, die Folgen hat“, so Löw-Schneyder.

Neben dem Bildungswerk machen viele weitere Partner mit. So führten Caritas-Mitarbeiter ein Theaterstück von Daniel Call auf, um den Zuschauern mit spritzigen und spannungsreichen Dialogen die Krankheit mal auf eine andere Art näher zu bringen. Den Besuch des Aschenbrenner-Museums mit Puppen und Krippen ermöglicht im Oktober die Volkshochschule Murnau einer Gruppe von Demenzkranken. Und die Volkshochschule in Garmisch-Partenkirchen entwickelt ein Schulungskonzept für Menschen im Dienstleistungsbereich – von der Supermarkt-Kassiererin über Busfahrer und Bankangestellte bis zu Polizeibeamten sollen Menschen lernen, mit Dementen zu kommunizieren. "Demenz – was geht das mich an?", lautet die provokante Frage eines Projekt-Seminars im katholischen St.-Irmengard-Gymnasium in Garmisch-Partenkirchen. Die Schülerinnen werden sich ab September damit auseinandersetzen, dass jeder Dritte in Deutschland nicht an, aber mit einer Demenzerkrankung stirbt.

Eigentlich, so Löw-Schneyder, gehe es um eine „menschenfreundliche Kommune“, und es entwickle sich auch schon viel Neues – etwa ein Demenz-Café in Murnau, wo Demenzkranke für drei Stunden betreut werden und die Angehörigen einmal frei haben. Auch „die Seelsorge“, so Löw-Schneyder, „hat viele Baustellen“. Sieben Pflege- und Altenheime gibt es in Garmisch-Partenkirchen – darunter auch das katholische St.-Vinzenz-Heim der Caritas. Hier findet mittwochs und sonntags eine Messe statt, und einmal im Jahr werden rund hundert Senioren aus Partenkirchen hierher gebracht, um im Gottesdienst und beim Kaffeetrinken zu erfahren: „Christentum ist Gemeinschaft“.

Gerade dieses Sinnenhafte ist für Demente gut wahrnehmbar, betont die Theologin und Religionspädagogin Maria Kotulek. Sie betreut seit 2012 die neu eingerichtete Fachstelle für Demenz im Münchner Ordinariat. „Viele Betroffene haben eine Bindung an die Kirche. Sie können das Vater unser, Psalm 23 und mehrere Strophen von ,Großer Gott, wir loben dich‘“. Aber existentiell Wichtiges könnten sie nicht mehr formulieren. Als Theologin weiß sie auch um die kirchenrechtliche Diskussion um die Frage der Kommunion. Trotzdem sagt sie: „Es wäre ein großer Fehler, einen Dementen mit Kindern zu vergleichen, denn er hat seine komplette Lebenserfahrung im Hintergrund und der Wiedererkennungseffekt ist bei der Kommunion sehr groß. Die Verantwortung“, so Kotulek, „trägt Gott – nicht wir sind die Entscheidenden!“ (Annette Krauß/sts)


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