Essensausgabe in Antoniuskirche Gastfreundliches Gotteshaus

23.04.2021

Die Coronakrise trifft bedürftige Menschen besonders hart. Die Antonius-Küche in der Münchner Isarvorstadt hilft mit einer warmen Mahlzeit. Ein humanitäres Leuchtturm-Projekt in schweren Zeiten.

Antoniuskirche Außenansicht
Rund 130 bedürftige Münchnerinnen und Münchner holen sich werktags eine warme Mahlzeit in der Antonius-Küche ab. © Ertl

München – Mit Blick auf die tägliche Essensausgabe der Antonius-Küche in der Münchner Pfarrkirche St. Anton betont Bruder Bernd Kober OFMCap, Leiter des Pfarrverbandes Isarvorstadt, die Bedeutung von offenen Türen kirchlicher Gemeinden für die Menschen, die „auf der Suche nach dem nächsten Weg in ihrem Leben sind“.

In der neuen Folge der Videoreihe „Mittwochsminuten“ verdeutlicht der Kapuziner: „Wir haben gerade Ostern gefeiert, ein Fest der Hoffnung, bei dem eine Tür aufgeht, die keiner vermutet hat. Es hat sich ein Weg gezeigt, wo kein Weg war.“ Die Antonius-Küche solle deshalb „ein Ort der Hoffnung sein“, der deutlich mache, „dass Türen aufgehen und der Weg des Lebens weitergeht“.

Großer Zuspruch

Seit vergangenem Dezember ist das Gotteshaus (Kapuzinerstraße 36) gegenüber dem Eingang zum Alten Südfriedhof auch ein Ort der Essenausgabe für arme und armutsgefährdete Menschen. In einer Seitenkapelle der im Jahr 1895 geweihten neuromanischen Kapuzinerkirche stehen Kühlschränke und Öfen zum Aufbewahren und Wärmen der eingeschweißten Essensportionen zum Mitnehmen. Oft schon eine halbe Stunde, ehe die Essensverteilung beginnt, bildet sich eine Warteschlange.

Die Idee zu dieser Aktion ist laut Yvonne Müller, Projektleiterin der Antonius-Küche von der Caritas München, entstanden, weil „es in der Münchner Innenstadt nur sehr wenige Essensausgaben gibt“. Man habe sich deshalb zum Ziel gesetzt, „insbesondere im kalten Winter einen Ort zu ermöglichen, an dem die Menschen zusammenkommen und etwas essen und trinken können“, berichtet Möller. Es sei dabei nicht nur das Essen oder der Proviant wichtig, den die Menschen mit auf ihren weiteren Weg bekämen, sondern ebenso das „offene Ohr“, das die Helferinnen und Helfer für die Bedürfnisse und Geschichten der Menschen hätten. Eine diesbezügliche Anfrage der Caritas München sei bei der Gemeinde auf große Zustimmung gestoßen.

Die "Mittwochsminuten", wöchentliche Video-Impulse zur geistlichen Stärkung, sind auf der Website des Erzbistums München und Freising wie auch auf den Social-Media-Kanälen des Erzbistums, auf Facebook und Instagram, zu sehen.

„Für mich als Seelsorger, dem Seelsorgeteam und der Kirchenverwaltung war von Anfang an klar, dass wir gastfreundlich sind und dass es für eine Gemeinde nur ein Gewinn sein kann, wenn sie die Türen öffnet, die Menschen von draußen hereinlässt und ihren kostbaren Raum teilt“, sagt Bruder Bernd und ergänzt: „Bei einem Gottesdienst kommen die Menschen und werden geistig gestärkt weitergesendet. Das geschieht auch bei der Antonius-Küche und ihren Gästen. Sie ist eine Station am Weg und der Proviant ist eine gute Ausrüstung, um die nächsten Schritte zu gehen.“

Hoffnungszeichen für die Menschen

„Als Kirche stehen wir an der Seite der Bedürftigen und möchten auch mit diesem Angebot Menschen unterstützen, die unter schwierigen Bedingungen leben und deren Situation sich durch die aktuelle Krise noch verschärft hat“, erklärte Generalvikar Christoph Klingan seinerzeit zum Start der Hilfsaktion. Solche konkreten Hilfen könnten „in dieser Zeit ein Hoffnungszeichen für die Menschen sein“.

Die Erzdiözese sorgte mit 120.000 Euro für die Finanzierung, um die Versorgung von Menschen in existentiellen Notlagen zu verbessern. Kardinal Reinhard Marx nahm bei einem Besuch im vergangenen Dezember dieses außergewöhnliche Leuchtturm-Projekt persönlich in Augenschein. Dabei unterhielt er sich lange mit den Bedürftigen, würdigte das Engagement der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der diözesanen Caritas und des Pfarrverbandes. Ausdrücklich schloss der Kardinal in seinen Dank auch Bruder Bernd sowie die Pfarrei ein, die ihre Kirche für diese humanitäre Aktion uneigennützig zur Verfügung stellt. Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg besuchte inzwischen ebenfalls die Antonius-Küche.

Die Essensausgabe in der Pfarrkirche St. Anton nehmen laut Bruder Bernd „mehr Menschen, als man zu Beginn des Projektes gedacht habe“ in Anspruch. „Es kommen inzwischen 130 Menschen pro Tag. Wir werden von sehr vielen Freiwilligen unterstützt“, berichtet Möller. Montags bis freitags geben die Helferinnen und Helfern armen oder armutsgefährdeten Menschen von 11 bis 14 Uhr ein warmes Mittagessen zum Mitnehmen sowie Tee oder Kaffee aus. Das Angebot findet unter Einhaltung der aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen statt. Es werden keine Nachweise für eine soziale Bedürftigkeit verlangt. (rs/flo)


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