Holzknecht-Kapelle Gebet umgeben von duftendem Holz

07.10.2020

Malerisch steht sie da, die privat errichtete Kapelle in Aubing, umgeben von Feldern und zeitweise von Schafen. Der Ort wurde von den Erbauern ganz bewusst gewählt.

Holzknecht-Kapelle umgeben von Schafen
Die Holzknecht-Kapelle in Aubing lädt zum Verweilen ein. © SMB/Schmid

Aubing – Von Weitem sieht man sie - die kleine, neue Kapelle mitten auf den Feldern, gerade noch eingerahmt von letzten Sonnenblumen, zwischen dem dörflichen Aubing, dem verschlafenen Lochhausen, dem städtischen Germering und der Großbaustelle Freiham.

Schon während ihres Baus im Frühjahr und Sommer hat sie viele neugierige Besucher angelockt – egal, ob zu Fuß oder mit dem Rad – jeder wollte wissen, was hier entsteht. Es duftet nach frischem Holz, denn die Kapelle ist komplett aus Weißtannen- und Zirbenholz errichtet. Die Idee zum Bau hatten die „Aubinger Holzknechte“, eine Vereinigung, die sich für die Förderung des Brauchtums, Gemeinschaftssinns und des sozialen Engagements im Münchner Westen einsetzt.

Gemeinsam etwas schaffen

Landwirt Peter Nassl ist einer derer, die das Gotteshaus geplant und die vergangenen Monate größtenteils selbst errichtet haben. Mehr als 100 Arbeitsstunden haben die 13 Mitglieder der Vereinigung eingebracht. Wieviel das Ganze gekostet hat, wollen sie nicht sagen, genauso wenig, welche Anliegen der Grund für den Bau waren. „Das ist etwas sehr persönliches, jeder hat etwas anderes erlebt, dankt und bittet für andere Dinge“, erzählt Nassl.

Seit gut drei Jahren spuckten die Pläne zum Bau einer Kapelle bei den Aubinger Holzknechten im Kopf herum. Erstmal musste der passende Ort gefunden werden, was sich als gar nicht so einfach erwies. Nicht zu weit weg vom Dorf, aber doch ruhig und einsam sollte er sein. Klar war aber sofort, dass eine schlichte Holzkapelle entstehen soll, die sich in die Landschaft einfügt, und kein prunkvoller Bau. Jeder sollte sich einbringen können, so wie er es kann. „Wir haben alle zusammengeholfen und gemeinsam so etwas zu schaffen ist wunderbar und so einer Kapelle angemessen“, meint der Landwirt.

Schlichtheit öffnet die Gedanken

Der 700 Kilogramm schwere Altar ist ein dicker Eschenstamm. Schon vor zwölf Jahren hat ihn Nassl nicht weit weg, in Gröbenzell, aus einem Garten geholt und wollte immer etwas ganz besonderes daraus machen. Beim Kapellenbau war klar, er wird der Altar. Die Holzknechte haben ihn vorne abgeflacht und die Aubinger Lehrerin und Holzbildhauerin Pia Eisenhut hat einen Lebensbaum als Relief an die Vorderseite angebracht. „Links ein Alpha für den Anfang, dann der Lebensbaum und rechts das Omega für das Ende, dieses Motiv habe ich einmal in den Bergen gesehen und wollte es unbedingt auf dem Altar unserer Kapelle haben und es ist wunderschön geworden“, erzählt Nassl begeistert.

Die beiden Heiligenfiguren, links der Jakobus, recht die Madonna, stammen von anderen, die die Kapelle mit erbaut haben. Die Schlichtheit der Kapelle ermögliche es den Menschen, sich eigene Vorstellungen zu machen, ohne das viel vorgegeben ist, meint Landwirt Nassl. „Jeder kann sich hier Gedanken zu seinem Leben machen, zu dem was wir alle gemeinsam haben und dem Glauben, der eine Verbindung zwischen uns Menschen schafft“, sagt er weiter.

Platz der Ruhe und der Begegnung

Ein großes Einweihungsfest der Kapelle war aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich. Prälat Erich Pfanzelt weihte die Holzknecht-Kapelle im kleinen Rahmen Mitte September. Nassl selbst kommt fast täglich an der Kapelle vorbei, wenn er seiner Arbeit nachgeht. Und dann ist er schon ein bisschen stolz, denn einen Platz der Ruhe und der Begegnung mit sich und Gott haben die Aubinger Holzknechte auf jeden Fall geschaffen. Egal zu welcher Zeit man an die Kapelle kommt, fast immer ist die Bank davor besetzt: morgens von der Studentin, die die Ruhe genießt, und fleißig in ihren Fachbüchern lernt, nachmittags von der Familie, die auf der Radltour einen Stopp einlegt und abends von der Spaziergängerin mit großem, schwarzen Hund, die kurz ein Abendgebet spricht.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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