Holocaust-Gedenktag Gedenkstätten skeptisch gegenüber verpflichtenden KZ-Besuchen

26.01.2018

Ein Besuch ändert nicht automatisch die Einstellung. Das betont Gabriele Hammermann von der KZ-Gedenkstätte Dachau. Daneben würden manche Gedenkstätten bei Pflichtbesuchen auch vor einem organisatorischen Problem stehen.

Das ehemalige Konzentrationslager in Dachau.
Das ehemalige Konzentrationslager in Dachau. © imago

Bonn – Forderungen nach Pflichtbesuchen in KZ-Gedenkstätten stehen Vertreter solcher Erinnerungsorte skeptisch bis ablehnend gegenüber. Das ergab eine bundesweite Umfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) unter den acht größten Gedenkstätten in Deutschland.

"So wenig wie ein zweistündiger Pflichtbesuch zu DDR-Zeiten als antifaschistischer Durchlauferhitzer funktionierte, so wenig würde er heute als antisemitische Schutzimpfung funktionieren", sagte etwa der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Rikola-Gunnar Lüttgenau. Die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Gabriele Hammermann, betonte, dass zwar Gedenkstätten Anstöße zum Nachdenken geben können. "Ein Besuch allein, das ist klar, ist jedoch kein 'Allheilmittel', er fördert keine automatische Änderung der Einstellung."

Holocaust-Gedenktag

Jeweils am 27. Januar wird weltweit der Opfer des Holocaust gedacht. Das Datum erinnert an die Befreiung der überlebenden Häftlinge des größten NS-Konzentrationslagers Auschwitz durch sowjetische Truppen am 27. Januar 1945. Seit 1996 gedenken die Deutschen jeweils an diesem Tag der Millionen Opfer des Völkermords. Im November 2005 verabschiedete auch die Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution, die den 27. Januar zum weltweiten Gedenktag macht.

Die Verantwortlichen in den Gedenkstätten setzen auf Empfehlungen und das Interesse der Besucher, etwa von Klassen mit Schülern mit und ohne Migrationshintergrund. Begrüßenswert sei eine längerfristige Beschäftigung mit dem Thema, das gut vor- und nachbereitet werden müsse. Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch, gab zu bedenken, dass manche Gedenkstätten momentan zu wenig Personal für mögliche Pflichtbesuche hätten.

Zu Forderungen nach einem "Schlussstrich" des Erinnerns an die Verbrechen der Nationalsozialisten sagte Lüttgenau: "Wer sich erinnert, wird nicht dümmer." Und wer sich mit negativen Prägungen und Erfahrungen auseinandersetze, könne sie auch verändern. "Erinnern macht souverän." (kna)

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