Im Vatikan wächst Kritik an vier Kardinälen "Gefällt mir nicht"

09.01.2017

Führende Kurienkardinäle haben sich gegen das Vorgehen von vier Kardinälen gewandt. Diese hatten in einem offenen Brief Papst Franziskus kritisiert.

Der Chef der römischen Glaubensbehörde, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, kritisiert das Vorgehen seiner Kardinalskollegen. © KNA

Rom – Im Vatikan wächst die Kritik an den vier Kardinälen, die einen Brief an Papst Franziskus öffentlich gemacht haben. Führende Kurienkardinäle wandten sich gegen deren Vorgehen in der Debatte um den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. "Das gefällt mir nicht", sagte am Sonntagabend der Chef der römischen Glaubensbehörde, Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Vor wenigen Tagen hatte bereits der Generalsekretär der Familiensynoden die Position des Papstes verteidigt. Dessen Schreiben "Amoris laetitia" gebe eine klare Linie vor, so Kardinal Lorenzo Baldisseri.

Vier Kardinäle, darunter der emeritierte Erzbischof Joachim Meisner, hatten den Papst zu mehr Klarheit aufgefordert. In der Debatte geht es vor allem um den Umgang mit Katholiken, die nach einer Scheidung auf dem Standesamt erneut geheiratet haben. Strittig ist, ob sie in Ausnahmefällen zu Kommunion und Beichte zugelassen sind. Im Bistum Rom können Wiederverheiratete in bestimmten Einzelfällen jetzt die Kommunion empfangen. Das geht aus Richtlinien des zuständigen Kardinalvikars hervor.

Kardinal Müller betonte im italienischen Sender TGCOM24, jeder habe das Recht, dem Papst einen Brief zu schreiben, vor allem die Kardinäle. "Mich hat jedoch erstaunt, dass dieser Brief öffentlich wurde und der Papst auf diese Weise beinahe gezwungen ist, mit 'Ja' oder 'Nein' zu antworten."

Keine Korrektur durch das Kardinalskollegium

Zugleich erteilte Müller Überlegungen einer Korrektur des Papstes durch das Kardinalskollegium eine Absage. Kardinal Raymond Leo Burke, einer der Unterzeichner des Briefs, hatte einen solchen Schritt nach dem Dreikönigstag ins Spiel gebracht, falls der Papst den Brief nicht beantworte.

Baldisseri unterstrich, Ziel müsse die Integration der Menschen in das Leben der Kirche sein. Diese Haltung sei auch bei den Familiensynoden 2014 und 2015 der Leitfaden gewesen: Einzelfallentscheidungen statt "trockene theologische oder formale Fragen". Zugleich betonte der Generalsekretär, die Normen der Kirche trügen auch "traditionellen moralischen Überlegungen" Rechnung.

Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte der Streit um den kirchlichen Umgang mit Geschiedenen im November mit der Veröffentlichung des Briefs der vier Kardinäle. Nachdem Franziskus ihnen nicht geantwortet hatte, machten sie den Vorgang öffentlich. Dies wurde von einigen als illoyal kritisiert, von anderen als legitim begrüßt.

Am Wochenende zitierte das Internetportal "Vatican Insider" Richtlinien des römischen Kardinalvikars Agostino Vallini zum Papstschreiben. Die Priester müssten übermäßige Strenge ebenso vermeiden wie Laxheit, so Vallini. Er ist der Stellvertreter von Papst Franziskus als Bischof von Rom. (KNA)