Spiritual entwickelt App Gegenseitige Glaubens-Bestärkung

18.01.2017

Mit Hilfe eines eigens gegründeten Vereins hat der Münchner Spiritual Andreas Schmidt ein geistliches Tagebuch fürs Smartphone entwickelt. Wie diese "App2heaven" funktioniert, erläutert er hier.

Spiritual Andreas Schmidt (42) nutzt auch selbst die „App2heaven“ © Kiderle

mk online: Sie haben mit einem eigens hierfür gegründeten gemeinnützigen Verein eine „App2heaven“, eine „App zum Himmel“, entwickelt. Wie kam es dazu?

SCHMIDT: Die Idee entstand vor zwei Jahren. Damals wurde das iPhone 6 vorgestellt und Gesundheits- Apps waren gerade neu auf dem Markt. Dadurch kam in einem Kreis von jungen Menschen, die zum Teil wie ich der Gemeinschaft Emmanuel angehören, der Gedanke auf: Warum nicht auch eine App entwickeln für die geistliche Gesundheit?

 

mk online: An wen richtet sich diese App?

SCHMIDT: Überwiegend an jüngere Menschen, die mit dem Smartphone leben, egal, ob es um die Tagesplanung geht, die zwischenmenschliche Kommunikation oder die Information mit Nachrichten, und die bereits eine Glaubensbasis mitbringen.

 

mk online: Welche Funktionen hat die „App2heaven“?

SCHMIDT: Ich rufe sie gerade mal bei mir auf und gehe das Menü durch. „Gebetszeiten“: Da ist die Idee, zum Überlegen anzuregen: Wann kann ich mir denn überhaupt Zeit nehmen zum Gebet? Es ist ja oft gar nicht so leicht, diese Zeit zu finden. Wenn man möchte, kann man das hier konkret planen oder bewusst eine Gebetszeit beginnen mit einer Gebetsuhr. Manchmal kommen einem beim Beten gute Gedanken oder man findet eine Lösung für ein Problem, das einen schon länger beschäftigt hat. Dann kann man sich hier Notizen machen im Sinne eines geistlichen Tagebuchs. „Gebetsanliegen“: Hier kann ich mir nicht nur für mich persönlich Dinge notieren, sondern sie auch mit anderen teilen. Das funktioniert nach dem Prinzip von WhatsApp: Ich sehe die anderen, die auch bei dieser App angemeldet sind, und kann ihnen Gebetsanliegen schicken. Unter „Glaubenserfahrungen“ kann man Gebetserhörungen oder andere Erfahrungen des Wirkens Gottes mit anderen Nutzern teilen. Es geht also um eine gegenseitige Bestärkung im Glauben. Was gibt es noch? Ja, genau, die „Worte“: Gemeint ist das Wort Gottes. Da kann man ausgewählte Bibelstellen lesen oder sich nach dem Zufallsprinzip eine Bibelstelle anzeigen lassen. Das ist eine Funktion, die mit am liebsten genutzt wird. Das hatten wir bei der Entwicklung der App gar nicht gedacht. Wenn ich merke, ein Wort Gottes gibt mir Kraft, kann ich es in der App notieren und mich in meinem Alltag daran erinnern lassen. Dann gibt es noch die Rubriken „Entscheidungen“ und „Taten“. Hier haben wir uns gedacht, es ist wichtig, dass der Glaube auch konkret umgesetzt wird.

 

mk online: Außerdem bietet die App die Möglichkeit zu einem Tagesaus- und -rückblick ...

SCHMIDT: Genau. Der Ausblick ist eine geistliche Vorausschau auf den Tag. Gibt es Entscheidungen, die ich in meinem Alltag umsetzen will? Wann könnte ich eine Zeit finden für das Gebet? Was sind Worte, die mir gerade wichtig sind, die ich in den Tag mit hineinnehmen möchte? Der Rückblick ist sehr klassisch am Abendgebet der Kirche, an der Komplet, orientiert. Er regt an zu überlegen, wie das, was ich mir vorgenommen habe, gelaufen ist, aber auch dazu, in Dankbarkeit auf den Tag zu schauen und mich zu fragen: Wofür will ich Gott um Verzeihung bitten?

 

mk online: Das kann ich mir mit Hilfe der App dann gleich für die nächste Beichte notieren.

SCHMIDT: Ja, genau, das ist die Idee.

 

Einführung ins geistliche Leben

mk online: Dem Bußsakrament widmet die App eine eigene Rubrik ...

SCHMIDT: Richtig. Die Idee der App ist, eine Art Einführung ins geistliche Leben zu geben und Hilfen, dieses Sakrament zu entdecken und so die Barmherzigkeit Gottes zu erfahren.

 

mk online: Die App wirkt sehr textlastig. Wie kommt sie bei den bisher 2.500 Nutzern an?

SCHMIDT: Das stimmt, die App ist momentan noch ziemlich wortzentriert. Das ist die erste Entwicklungsstufe, die App ist noch lang nicht perfekt, aber wir bemühen uns, sie ständig zu verbessern. Zum Beispiel ist geplant, in die geistlichen Impulse Bilder und Audio-Dateien aufzunehmen. Daran können sich verschiedene Institutionen, Orden und geistliche Gemeinschaften beteiligen, bisher zum Beispiel das Münchner Priesterseminar, dessen Spiritual ich bin, die Dachauer Karmelitinnen, Benediktinerinnen, Dernbacher Schwestern, Congregatio-Jesu-Schwestern, Franziskaner, Jesuiten, Fokolare, Notre Dame de Vie, das Oratorium und die Schönstatt-Bewegung. Viele User bedanken sich schon jetzt und schreiben: Die App ist eine Hilfe.

 

mk online: Die Entwicklung der App hat rund 30.000 Euro gekostet. Wie wurde sie finanziert?

SCHMIDT: Das Zentrum für Berufungspastoral der Deutschen Bischofskonferenz hat die Entwicklung sehr wohlwollend begleitet. Von ihm haben wir 5.000 Euro erhalten. Auch das Päpstliche Werk für Geistliche Berufe der Erzdiözese Köln hat uns mit 5.000 Euro unterstützt. Einzelne Gemeinschaften, die Inhalte veröffentlicht haben, haben die App ebenfalls mitfinanziert. Und dann gibt es noch Einzelspender. So bin ich zuversichtlich, dass wir die Grundversion bald finanziert haben und die Weiterentwicklung angehen können.

 

mk online: Mal ganz ehrlich: Hätte dieser Betrag nicht sinnvoller verwendet werden können – etwa für Sozialprojekte?

SCHMIDT: (lacht) Das kann man natürlich immer sagen, wenn es um Evangelisierung und Wortverkündigung geht. Das kostet halt auch Geld und ich denke, die Kirche hat den Auftrag, sowohl im sozialen Bereich zu helfen, aber gerade auch im digitalen Bereich den Glauben präsent zu machen, wie es Papst Franziskus sagt: „Habt keine Angst, Bürger der digitalen Umwelt zu werden. Die Aufmerksamkeit und Gegenwart der Kirche in der Welt der Kommunikation ist wichtig, um mit dem Menschen von heute im Gespräch zu sein und ihn zur Begegnung mit Christus zu führen“ (Papst Franziskus, Botschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel 2014). Wenn ich schaue, was es in der englisch- oder spanischsprachigen Welt an Katechese-Apps gibt, liegen wir da im deutschsprachigen Raum noch ganz weit hinten. Deshalb ist dieses Geld hier sehr gut angelegt.

 

mk online: Nutzen Sie selbst die „App2heaven“?

SCHMIDT: Ja, selbstverständlich! Mir ist es immer wichtig gewesen, ein geistliches Tagebuch zu führen, und ich habe mir Worte, die mir Kraft gegeben haben, im Handy notiert, einfach deshalb, weil ich mein geistliches Tagebuch nicht überall mit hinschleppe. (Interview: Karin Hammermaier)


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