Glaube macht Schule Geglückte Kooperation zwischen Schule und Pfarrei

27.01.2020

Für die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler der Mittelschule an der Fernpass Straße in Sendling spielte der Glaube keine große Rolle mehr. Bis ein Diakon in die Schule kam.

Rektorin Dr. Julia Bernreuther und Diakon Willi Kuper in der Pfarrkirche St. Heinrich.
Rektorin Dr. Julia Bernreuther und Diakon Willi Kuper – hier in der Pfarrkirche St. Heinrich – haben an ihrer Schule den Religionsunterricht wieder populär gemacht © Karola Braun

„In unserer Schule bekommen die Schüler sogar ein Aschenkreuz aufgelegt, und sie tragen es mit Stolz“, erläutert Diakon Willi Kuper. „Glaube ist bei uns inzwischen präsent, normal“, ergänzt er. Diese Entwicklung ist einer Initiative von Dr. Julia Bernreuther, damalige Konrektorin der Mittelschule an der Fernpass Straße im Münchner Stadtteil Sendling, vor vier Jahren zu verdanken.

Die Tatsache, dass für die Mehrheit ihrer Schüler der Glaube keine Rolle mehr spielte, wollte sie als gläubige Christin nicht tatenlos hinnehmen. Sie wollte bewirken, dass er wieder „selbstverständlich“ werde und klopfte deshalb mit der Bitte um Unterstützung beim benachbarten Pfarrverband St. Heinrich und St. Stephan an.

Der behutsame Beginn

Drei Monate später kam Diakon Willi Kuper in die Schule. „Der behutsame Beginn“, erinnert sich Dr. Bernreuther, war der Weihnachtsgottesdienst für die 5. und 6. Klassen. Man wollte „klein anfangen, nichts überstürzen“. An dem Gottesdienst in der nahegelegenen Kirche St. Heinrich beteiligten sich neben der Rektorin und dem Diakon Religionslehrer und Schüler der 9. Klasse, die Standbilder zum Thema Armut angefertigt hatten. Kuper bezeichnet den Gottesdienst als „locker und lebendig“.

Es galt, behutsam und mit gezielten akzentuierten Veranstaltungen vorzugehen, damit die Akzeptanz bei Lehrern wie Schülern allmählich wachsen und die katholische Kirche langsam wieder einen Platz in der Schulfamilie einnehmen konnte. Beim anfangs skeptischen Lehrerkollegium stieß Kuper bald auf „großen Anklang“. Dr. Bernreuther wurde schließlich Rektorin, was dem Projekt einen weiteren Schub bescherte.

Schwellenängste abbauen

Viele Schüler hatten bis dahin keinerlei Bezug mehr zur Kirche. Damit bei ihnen der Glaube und eine Beziehung zu Gott wachsen konnte und kann, ist über die Jahre ein Gesamtkonzept entstanden, das aus Schulgottesdiensten, ergänzt durch einzelne Feiern im Kirchenjahr und jahrgangsbezogenen Projekten besteht.

Gottesdienste an Erntedank, Weihnachten, Ostern und zum Jahresabschluss finden heute in St. Heinrich statt. Eine gute Möglichkeit, Schwellenängste ab- und Vertrautheit mit der Kirche aufzubauen. Die Religionslehrer der Schule erzählen bei dem Treffen, dass die Kinder inzwischen fordern, dass sie wieder in die Kirche gehen können.

Traditionelles Brauchtum im Kirchenjahr wie der Blasiussegen, die Auflegung des Aschenkreuzes und das Gedenken an Allerheiligen findet in der Schule statt. Vorher geht der Diakon durch die Klassen und stellt die „Aktion“ vor. Jeder Schüler kann dann für sich entscheiden, ob er in der Pause hingehen will oder nicht. „Wir wollen hier keinen Zwang, sondern eine Gelassenheit im Herzen“, erklärt Kuper.

Auf Augenhöhe kooperieren

Seit zwei Jahren gibt es für jede Jahrgangsstufe ein eigenes Projekt, das (außer für die 10. Klasse) direkt in St. Heinrich stattfindet. Für die 5. Klasse ist das „Raumerfahrung und Gottesdienstablauf“, für die 6. „Ministrantenkurs“, für die 7. „Glaubenskurs“, und für die 8. „Tage der Orientierung“. 2020 ist nun zum ersten Mal in der 9. Klasse die Firmung gemeinsam mit dem Pfarrverband geplant. Die 10. Klasse geht auf „Pilgerreise als Religionsunterricht“.


Dr. Bernreuther resümiert: Die Schüler, die den Religionsunterricht besuchen, hätten sich mehr als verdoppelt, der katholische Religionsunterricht hat sich von ehedem sechs auf 18 Stunden erhöht. Und sie ergänzt: „Solch eine Entwicklung ist nur möglich, wenn Schule und Kirche auf Augenhöhe kooperieren. Es geht nicht ohne den anderen.“


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